Kritik | Otherwise von „Rickie Lee Kroell“

Küstler:
Rickie Lee Kroell
Redaktions-Wertung:
Titel:
Otherwise
Release:
20. Mai 2011
LeserInnen-Wertung:

Manchmal fragt man sich schon, an wie vielen tollen CDs man wohl vorbei geht, nur weil einem das Cover nicht gefällt oder man sich vom Design nicht angesprochen fühlt. So könnte es einem bei Rickie Lee Kroell auch gehen, denn weder der Name noch das Layout verraten, was sich im Inneren des Jewelcase verbergen könnte. Wagt man es, den Play-Button zu drücken, wird man wie so oft eines Besseren belehrt und schmollt zufrieden mit den Worten „Never judge a book by its cover“.

Rickie Lee Kroell wurde in New York geboren, kam aber mit vier Jahren nach Deutschland. Sie nahm Klavierunterricht, lernte Geige und Schlagzeug. Eigentlich wollte sie Tänzerin werden, entschied sich dann aber doch für die Musik. Die Gene dafür hat sie, denn ihr Vater, Axel Kroell, hat ein eigenes Tonstudio, in dem er komponiert und produziert. Größtenteils Jingles für Film und Fernsehen. Das Studio in der Leopoldstraße war es auch, von dem aus Rickie Lee Kroell im vergangenen Jahr eine virtuelle Tournee gestartet hat. Andere tingeln durch Städte, Rickie hat sich täglich von sechs Kameras bei einem halbstündigen Konzert mit ihrer Band filmen lassen und diese Videos dann auf verschiedenen Webseiten veröffentlicht.

Ihre Band, das sind Luke Cyrus (Gitarrist), Lorenz Heigenhuber (Bassist) und Manni Müller (Schlagzeuger). Zusammengestellt von Axel Kroell. Dass der Mann Erfahrung und auch genügend Kontakte in der Branche hat, erklärt sich fast von selbst. Das Talent, das bringt seine 20-jährige Tochter aber von ganz allein mit. Wer jetzt aber eine poppige Teenie-Platte erwartet, dürfte mehr als positiv überrascht sein. Das, was Rickie Lee Kroell auf ihrem Debüt „Otherwise“ abliefert, ist Jazz in reifer, feiner und melancholischer Form. Sie singt nicht nur hervorragend, sie schreibt ihre Texte auch selbst. Und ab und zu auch mal Gedichte. Dabei möchte sie sich nicht auf den Lorbeeren ihres Vaters ausruhen, sondern eigene Wege gehen. „Ich dachte, lieber mache ich was Eigenes“, so Rickie. Dennoch war eine Internet-Tournee die Idee von Axel und auf jeden Fall medienwirksam.

Wer mit Rickie Lee Kroell trotzdem noch nichts anfangen kann, der sollte sich unbedingt ihren Erstling „Otherwise“ zulegen. Songs wie „Call Me When It’s Over“, „All At War“ oder „Be There Soon“ sind schlichtweg grandios und erinnern ein wenig an die fantastische Norah Jones, mit der Rickie ganz sicher auch im Duett hervorragend funktionieren würde.

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