Kritik | Nur Fort von „Lisa Bassenge“

Küstler:
Lisa Bassenge
Redaktions-Wertung:
Titel:
Nur Fort
Release:
14. Januar 2011
LeserInnen-Wertung:

Nur fort. Das ist das Motto des dritten Albums von Lisa Bassenge, das über Fern- und Heimweh, den Aufbruch und das Bleiben berichtet, und dabei ganz unbefangen neue Wege geht. Die gebürtige Berlinerin definiert Jazz schon seit etlichen Jahren neu, ob als „Lisa-Bassenge-Trio“ mit Paul Kleber und Andreas Schmidt oder „A little loving“, und setzt diesmal (fast) komplett auf deutsche Songs. Ungewöhnlich für eine Jazz-Musikerin, aber ein Alleinstellungsmerkmal, das durchaus Raum für Entfaltungsmöglichkeiten bietet.

In den letzten Jahren ist Lisa Bassenge mit ihren Begleitern durch Asien und Europa getourt und hat an verschiedenen Projekten mitgewirkt. All diese Einflüsse spiegeln sich in Country-, Pop- und Jazz-Songs auf „Nur Fort“ wieder und tragen klanghafte Titel wie „Hörst Du nicht mein Herz“, „17 Millimeter fehlten mir zum Glück“, „Kosmetik“ oder „Über Eis“. Letzterer ist zugleich der Opener des Albums und stammt aus der Feder der 36-Jährigen. Ein wenig orientalisch angehaucht weiß er sich in den Gehörgang zu mogeln und besingt das Bleiben und Gehen. Ein Thema, das auch in den restlichen zehn Songs präsent ist und an das auch „In dieser Stadt“ anschließt. Eine sentimentale Reise in die Vergangenheit, in die Heimat, in die Liebe, über die schon die große Hildegard Knef viel zu sagen wusste. Das Cover fügt sich perfekt in das musikalische Puzzle ein und hat Gesellschaft. Auch „Seit der Himmel“ von Element of Crime, „Leider nur ein Vakuum“ von Udo Lindenberg und „Kosmetik“ von Joachim Witt wurden neu interpretiert.

Ein Song, der vollkommen aus dem Rahmen fällt, ist „Girl in the Mirror“. Wie es der Titel schon verrät, der einzige englischsprachige Track auf dem Album. Geschrieben hat ihn wieder Lisa selbst. Ein unheimlich zarter Titel, der mit Piano und Pedal-Steel-Gitarre besticht, und an die früheren Werke der Berlinerin erinnert. Auch „Hörst Du nicht mein Herz“ ist eine Eigenkomposition und entpuppt sich als charmant-eingängiger Jazz-Chanson. Ähnlich wie „17 Millimeter fehlten mir zum Glück“.

Letztlich liegt die Stärke der Berlinerin in ihren eigenen Songs. Die Cover-Versionen sind stimmungsvoll, wären aber gar nicht nötig gewesen. Lisa Bassenge hat selbst genug zu erzählen und weiß auch, wie sie ihre Geschichten verpacken muss. Wenn „Nur Fort“ eine Flucht nach vorn, ein neuer Weg ist, dann wird sie mit diesem Album sicher viele neue Begleiter gewinnen.

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