Kritik | Eine Frau von „Jasmin Tabatabai & David Klein Orchester“

Küstler:
Jasmin Tabatabai & David Klein Orchester
Redaktions-Wertung:
Titel:
Eine Frau
Release:
16. September 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Melancholie vom Feinsten

Die rockige Version von „Wenn ich ein Vöglein wär“ ist das, was mir in den Sinn kommt, wenn ich Jasmin Tabatabei und das Singen miteinander kombiniere. Damals hat sie 1997 im Film Bandits als Mitglied einer Frauenknastband ihrer Stimme Ausdruck gegeben und uns irgendwie in ihren Bann gezogen. Wer hätte gedacht, dass sich hinter dieser trotzigen Miene später eine Jazz- und Chansonsängerin verbirgt.

Doch so zeigt sich Jasmin zusammen mit dem Schweizer Musiker und Produzenten David Klein von einer anderen Seite als der Schauspielerei. Am 16.09.2011 erscheint das Album „Eine Frau“ im Handel und was man zu Ohren bekommt, ist eine zart hauchende Stimme, die Texte über das schönere Geschlecht zum Besten gibt. Das Singen habe sie sehr vermisst, meint die 44-jährige zweifache Mutter iranischer Herkunft. Nach fünfjähriger Auszeit von der Musik wird von David Klein komponiert, arrangiert und produziert und Schauspielerin Jasmin Tabatabai singt Lieder für ein Album „ohne Verfallsdatum“. Die Wurzeln des Projekts liegen weiter zurück. In der Literaturverfilmung „Gripsholm“ im Jahr 2000 verkörperte Tabatabai die Sängerin und Kurt-Tucholsky-Muse Billie Sunshine. Sie sang in Nachtclub-Szenen neben Ulrich Noethen und Heike Makatsch verführerisch, sinnlich und wortgewandt. Stücke von David Klein, der den Soundtrack zu dem Film lieferte. So auch in dem aktuellen Album.

Stilrichtungen finden wir hier viele. Als wehmütiger Bossanova widmet Klein dem großen deutschen Textdichter Reinhard Mey eine Version des Stücks „Herbstgezwitscher über Dächern“. „Un Homme Heureux“ von William Sheller bietet in deutscher Übersetzung die Grundlage für den Tango „Menschen die sich lieben“. Flotter wird es ab Mitte der Scheibe, wenn in „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“ jazzig über die Leichtigkeit des weiblichen Geschlechts gesungen wird und der Titelsong „Eine Frau“ bringt durch den spritzigen Rumba lateinamerikanisches Flair ins Album. „Nimm ihn dir“ entflammt mit einer weiteren Eigenkomposition David Kleins das Tanzbein des Zuhörers.

Langsame Balladen mit traurig-melancholischer Melodie und viele Tanznummern, die Begleitung einer Panflöte, Trompeten- und Pianosoli und ins Mikro gehauchte Texte über das Leben sehr unterschiedlicher Frauen und deren Leben. Geschichten, von der Frage ob man anfangen muss sich Gedanken zu machen, darüber was eine Frau sein soll, und was sie eigentlich will. Der Text „Zweidutzend Kleider, ein Brautkleid war´s nie“ liefert die Basis des Grundgedankens einer Generation, die so nicht mehr existiert. Einer Generation, in der Frauen noch von Männern abhängig sein sollten, wenn sie in der Gesellschaft etwas gelten wollen. Doch heute stellen sich Frauen Fragen wie: „Ich weiß nicht zu wem ich gehöre / ich glaub ich gehör´ nur mir ganz allein!“ Am Nachdenken kommt man gar nicht vorbei, wenn man dieser Platte lauscht.

An manchen Stellen ein wenig eintönig, aber sehr angenehm zu hören. In trauriger Grundstimmung sollte man jedoch nicht sein, denn das wird durch die ruhigen Nummern nur verstärkt. Eine musikalische Geschichte über die Frauen in der Gesellschaft, die man nicht so nebenbei hören sollte. Lasst euren Gedanken ruhig freien Lauf.

Konzerte:

15.09.11 Berlin, Synagoge Rykestrasse, 20:00
25.10.11 Düsseldorf, Savoy
26.10.11 München, Carl-Orff-Saal
27.10.11 Hamburg, Laeizshalle, kleiner Saal
29.10.11 Dresden, Wechselbad
30.10.11 Frankfurt, Dreikönigskirche
31.10.11 Berlin, Passionskirche

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