Kritik | Deleted Scenes From The Cutting Room Floor von „Caro Emerald“

Küstler:
Caro Emerald
Redaktions-Wertung:
Titel:
Deleted Scenes From The Cutting Room Floor
Release:
1. Februar 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Mit einiger Verzögerung präsentiert Caro Emerald ihr Debütalbum “Deleted Scenes From The Cutting Room Floor” nun endlich auch in Deutschland. Das eigentlich für Oktober 2010 erwartete Album ist es aber auf jeden Fall wert, jetzt schnell den Weg in sämtliche CD-Player zu finden. Denn der bis vor kurzem noch unbekannten Sängerin Caro Emerald ist mit diesem Album ein großer Wurf gelungen. Ihre Karriere begann wie so oft durch einen Zufall. Nachdem sie 2007 für zwei Produzenten als Sängerin für den Song “Back It Up“ eingesprungen war, performte sie den Titel auch auf ihren Live-Konzerten und schließlich bei einer Fernsehshow im holländischen Fernsehen. Der Auftritt der bis dahin nahezu unbekannten Sängerin hatte ein derart überwältigend positives Echo, dass sie schlagartig überall bekannt wurde und schnell einen Plattenvertrag bekam.

Gleich mit dem ersten Track “That Man” wird jedem Zuhörer klar, was ihn auf diesem Album erwartet. Der Swing aus den großen, alten Zeiten von Hollywood in den 1950er Jahren lebt wieder auf. Getragen von einem eindrucksvollen Big Band Sound schwärmt Caro Emerald von diesem einen, ganz bestimmten Mann. Er entfacht ein solches Feuer in ihr, dass ihre Gefühle Karussell fahren. Am Ende des Songs spricht die unbekannte männliche Stimme zu ihr.

Mit dem gefühlvollen Klang einer durchdringenden Trompete wird “Just One Dance“ eingeleitet. Dieser Tanz würde gut in jeden alten Krimi oder Gangsterfilm aus den 1950er Jahren passen. “Riviera Life“ ist dann leider ein kleiner Stilbruch. Das Mädchen vom Land, dass von der französischen Riviera und von Monaco träumt, klingt zwar nicht schlecht, zerstört aber ein wenig die Stimmung, die mit den ersten zwei Titeln erzeugt wurde. Wieder zurück in die Spur kommt Caro Emerald mit ihrer ersten Singleauskopplung “Back It Up“. Auf einer Tanzfläche in einem Jazz-Lokal in New Orleans bewegt sie sich von einer Ecke des Raums zur anderen und wieder zurück. Dieser Song war der Grundstein ihrer Karriere.

In “The Other Woman“ wird ihr als junges, naives Mädchen erst viel zu spät klar, dass sie für den Mann ihres Herzens nicht die eine Frau ist, sondern nur die Andere, die Geliebte. Dieser leicht schwermütige Song wäre perfekt für einen Film Noir.

Weg von der Schwermut entführt Caro Emerald den Zuhörer bei “Absolutely Me“. Mit schnellem Swing treibt sie den Band-Leader wortwörtlich an und nimmt diesen Sound direkt mit in den nächsten Titel “You Don’t Leave Me“. Darin gesteht sie einem Mann, dass sie innerlich brennt und sich nach ihm verzehrt, obwohl sie genau weiß, dass er sie nicht liebt.

Die Liebe dominiert auch den beswingten Gang zu einem Arzt in “Dr. Wanna Do“, wo sie sich in den Mann im weißen Kittel verguckt. Dieser lustig klingende Song wird unterstützt von einer tiefen, männlichen Stimme, die sehr stark an Louis Armstrong erinnert. In “Stuck“ reist Caro in ihren Träumen an die Küste von Frankreich nach Saint Tropez und an andere sonnige Plätze, weil ihr echtes Leben so trostlos ist. Dieser Song passt vom Stil wesentlich besser zum Rest des Albums als der thematisch ähnliche Titel “Riviera Life“.

Ein Klavier-Intro leitet “I Know That He’s Mine“ ein. Diese ruhige Ballade wird begleitet von einem Akkordeon und diversen anderen Instrumenten. All diese Instrumente wirken aber keineswegs aufdringlich, sondern sie unterstützen die Sängerin darin, die Stimmung des Liedes rüber zu bringen.

Ab ins Casino könnte das Motto des Songs “A Night Like This“ sein. Denn Caro besingt den Gang ins Casino und die Atmosphäre von Spieltischen, Karten und Bluffs ganz so, als wäre der Zuhörer James Bond. Im Stil von Krimi und Agenten endet das Album mit dem fantastischen Titel “The Lipstick On His Collar Doesn’t Seem To Match Me“. Hier beweist Caro noch einmal ihre ganze Klasse.

Das ganze Album ist mit einer Ausnahme ein komplett durchstrukturiertes Konzeptalbum mit einer Mischung aus modernem Jazz, Swing und Big Band Sound vom Feinsten. Auch Fans von Pop-Musik und karibischen Klängen, die sich gern durch heiße Rhythmen zum Tanzen animieren lassen, werden dieses Album lieben.

Ein außergewöhnliches Debütalbum von einer Künstlerin, die Lust auf mehr macht.

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