Wu-Massacre von „Meth, Ghost & Rae“

Küstler:
Meth, Ghost & Rae
Redaktions-Wertung:
Titel:
Wu-Massacre
Release:
2. April 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Wohl kaum eine Kollabo wurde in diesem Jahr so erwartet, wie das neue Album „Wu-Massacre“ der Wu-Tang Clan Mitglieder Method Man, Ghostface Killah und Raekwon, nun ist es also fertig gestellt und wartet darauf, die Sammlungen der Fans zu komplettieren. Da in der letzten Zeit ja einige mehr als gelungene Werke der Wu-Offensive entsprangen, liegt die Spannung hier natürlich sehr hoch. Werden Meth, Ghost und Rae es schaffen an alte Erfolge anzuknüpfen? Da sie selbst drei Legenden sind, ist der Grundstein ja quasi schon gelegt, produziert wurde zudem von Mathematics, RZA, Ty Fyffe und Scram Jones, außerdem sind neben Inspectah Deck auch einige alte Bekannte wie Sun God, Trife oder Streetlife mit von der Partie – es kann also losgehen!

Was an „Wu-Massacre“ natürlich als erstes auffällt, ist das richtig freshe Artwork von Cover und Booklet. Da haben sich die drei nicht lumpen lassen und Chris Bachalo, den Zeichner der „X-Men“, einen wahren Meister seines Fachs engagiert. Weniger toll hingegen ist die Tatsache, dass die Laufzeit nicht einmal eine halbe Stunde beträgt, noch dazu dauert kein einziger Song 4 Minuten – das fällt doch sehr mager aus, checken wir nun die Qualität. „Criminology 2.5“ sollte jedem Wu-Head schon längst ein Begriff sein, denn dies war die erste Single der LP. Hier leben die drei genau das aus, was ihnen beim letzten Clan Album etwas verwehrt geblieben war, nämlich über einen treibenden Beat mit mächtig Power den bösen Gedanken mit motivierten Flows Ausdruck zu verleihen – gelungener, wenn auch sehr kurzer Einstand. 1994 wurde das Battle von Method Man und Raekwon „Meth vs. Chef“ zu einem der legendärsten Tracks von „Tical“, 16 Jahre später gibt es nun die Neuauflage des Duells. Eine dunkle Grundstimmung sorgt für etwas Dramatik, massig Bläser hingegen sind für den pompösen Part verantwortlich. Leider fehlt lyrisch die Dynamik von damals, die beiden klingen eher abgeklärt als in Kampfeslust, außerdem gibt es keinen Refrain, wie er ja noch beim ersten Teil richtig Stimmung gesorgt hat. Der „Smooth Sailing“ Remix kommt tatsächlich sehr smooth und angenehm, da die Bässe hier nicht donnern, sondern entspannt wummern, außerdem wird das Ganze mit ein paar Trompeten noch ein Stück weit melodisch gestaltet. Rae ist hier nicht mit von der Partie, dafür aber die Solomon Childs und Streetlife, die man als adäquaten Ersatz bezeichnen kann.

„Our Dreams“ mach seinem Namen alle Ehre. Verschickte Synthie-Sounds und ein paar Samples vom jungen Michael Jackson sorgen tatsächlich dafür, dass sich der Song nach einer Traumwelt anhört- Ob gut oder schlecht bleibt wohl jedem selbst überlassen. Mit viel Geballer startet „Gunshowers“, das aber später überraschend fröhlich und sehr soulig klingt, angesichts des Titels. Bei den Rhymes geht es erwartungsgemäß hart zur Sache, auch hier wurde der Chef wieder einmal ersetzt, diesmal durch Sun God und Inspectah Deck, wobei besonders der Rebel Werbung in eigener Sache machen kann. Schade, dass auch dieser Song wieder sehr kurz ausfällt und auf einen Refrain verzichten muss. Einen leicht verruchten Charme bringt „Pimpin‘ Chipp“ mit sich, was daran liegt, dass die ganze Produktion etwas nach einem Soundtrack für Grindhouse Movies klingt – sehr fresh, erst recht die erneut sehr präsenten Bläser im Hook packen einen richtig. Auch die Ladies kommen auf „Wu-Massacre“ nicht zu kurz, besser gesagt eine Lady namens „Miranda“, der auch der gleichnamige Song gewidmet ist. Über softe Piano-Klänge, die jedoch einen gewissen Drive nicht vermissen lassen, schmachten Raekwon, sein Cousin Ghostface Killah und der Dritte im Bunde, Method Man, von der Dame, die mit ihrem Antlitz allen den Kopf verdreht. Meth kann sich hier mit seinem „Spanglish“ am Meisten in den Vordergrund drängen. Bei „Youngtown Heist“ fehlt nicht nur einer, sondern gleich zwei der Interpreten. Lediglich Ghostface ist hier vertreten, dafür sind Trife Da God, Bully und Sheek Louch mit am Start und verwandeln das eh schon gute Instrumental in einen wahren Banger, bevor die Platte mit „It’s That Wu Sh*t“ einen ordentlichen, jedoch nicht herausragenden Abschluss findet.

Musikalisch kann „Wu-Massacre“ also wirklich überzeugen und ist daher ein gutes, wenngleich auch kein herausragendes Album. Dazu fehlt es zum Einen an Liedern, die das Zeug zum Klassiker haben, was sicher den fehlenden Refrains anzulasten ist, denn dadurch fehlen die Ohrwürmer, zum Andern aber auch die kurze Zeit, die die Platte im Player rotiert. Auch wenn gegen kurz und knackige Alben nichts einzuwenden ist, aber eine LP mit Länge einer EP rauszubringen, ist fast schon etwas dreist. Insgesamt kann man „Wu-Massacre“ jedem Fan ans Herz legen, vor allem da Ghost nach seinem soften letzten Werk endlich wieder so klingt, wie man es sich von ihm wünscht, alle anderen müssen selbst entscheiden, ob ihnen so wenig Musik den Preis wert ist.

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