Wir von „Blumentopf“

Küstler:
Blumentopf
Redaktions-Wertung:
Titel:
Wir
Release:
4. Juni 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Dass die Jungs von Blumentopf die Fußballspiele der deutschen Nationalelf im Ersten gesanglich Revue passieren lassen, ist schon fast zu einer Tradition geworden. Schon bei der letzten WM im Jahr 2006 und bei der EM 2008 waren sie zu hören, 2010 ist das nicht anders. Da ist es natürlich günstig, dass „Wir“ pünktlich zum Anstoß in Südafrika erscheint und genügend Leute auf die Scheibe aufmerksam werden. Die Jungs aus München sind nun schon 18 Jahre dabei und noch kein bisschen müde. Sie präsentieren alltagstauglichen Hip Hop mit unterhaltsamen Lyrics und bringen es ziemlich genau auf den Punkt.

Deshalb beginnt das neue Album der rappenden Bayern auch mit „Systemfuck“. Bluescreen, Firewall und Speicherplatz reihen sich in einen Text der anderen Art ein und besonders der „Gästelisten-Trojaner“ ist eine typisch blumentopf’sche Wortkreation. Temporeich geht es mit „Erzähl mir was“ weiter, gefolgt von „Wir“, dem Titelsong. Ob WIRklichkeit, ReWIR oder WIRTuos – hier zeigen die Töpfe ihre textliche Stärke und erschaffen fast schon eine HipHop-Hymne, die auch schon auf die deutsche Elf umgedichtet wurde. Zusammenhalt, Teamgeist, Wir-Gefühl. Kein Wunder, dass Blumentopf sich bei Track 4 trotz Schatten die „Taschen voller Sonnenschein“ packen.

„Solala“ klingt anfangs fast nach einer Nummer von Goldfrapp, spätestens beim Rap wird aber klar,dass hier ein böser, böser Ohrwurm lauert. Eine Mitgröhl-Nummer für jede Gelegenheit, deren Beat in die Beine geht. Interessant wird es dann auch bei „Nicht genug“, der ersten sanfteren Single, die sich mal nicht mit PC, Politik oder dem System befasst, sondern von Liebe handelt. In „Nerds“ erklären Cajus, Holundermann, Kong Schu, Specht und Sepalot das Nerd-Sein zur Kunstform und „Einrichtungs-Tetris“ zur olympischen Disziplin. Nach „Wir“ der stärkste Song auf dem Album. „Wach auf“ und „Ausmisten“ sind dann mehr oder weniger schmückendes Beiwerk, bis Janna mit den Jungs zu „Mein dein“ rappt.

Song Nr. 11 trägt den Titel „Hunger“ und ist ein All-You-Can-Eat-Büffet für die Ohren. „Fenster zum Berg“ mutet im Anschluss ordentlich zünftig und bayrisch an, auch wenn der Titel relativ unspektakulär klingt. Wer hätte gedacht, dass der Sound aus dem Süden hiphop-tauglich ist. Die Single lebt von ihrer Vielfalt und ist eine Nummer, die im Gedächtnis bleibt. Wenn nicht, hilft die „Helping Hand“, der vorletzte Track auf dem Album. Es folgt „Supereinfachschwierig“, ein Uptempo-Song, der textlich zu den Stärksten zählt. Den Abschluss bildet „Sie tanzt die Nächte durch“ feat. Janna. Leider eine etwas lahme Single, bei der der Funke nicht so ganz überspringen will.

Alles in allem ein hörenswertes Album, über dass sich Fans der Blumentöpfe nach dem Enttäuscher-Album „Musikmaschine“ (2006) freuen dürften. Wer von den Jungs nicht genug kriegen kann, sollte am 1. Oktober den Bundesvision Song Contest schauen. Hier vertreten die Töpfe ihre Heimat Bayern.

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