Theater Of The Mind von „Ludacris“

Küstler:
Ludacris
Redaktions-Wertung:
Titel:
Theater Of The Mind
Release:
21. November 2008
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

ludacris-theater-of-the-mind-cd-bewertungendeFrüher war er noch der durchgeknallte Junge aus Atlanta, der uns frauenfeindliche und drogenverherrlichende Songs ohne Ende um die Ohren gehauen hat, doch seit 2006, als er sich die Cornrows abgeschoren hat, scheint Ludacris gereift und erwachsen geworden zu sein. Der mittlerweile 31 Jährige liefert uns nun mit „Theater Of The Mind“ sein erstes richtiges Konzeptalbum, das laut eigener Aussage Tracks, die wie einzelne Szenen sind, beinhaltet. Ein nettes Gimmick ist dabei, dass es auf dem Backcover nicht heißt „Featuring…“, sondern „Co-Starring…“, außerdem hat sich Luda zu den vielen Rappern auch noch Schauspieler wie Ving Rhames, Chris Rock, Jamie Foxx und Spike Lee, sowie Boxer Floyd Mayweather ins Studio geholt. Das hört sich spannend an, ob der Film dann tatsächlich so fesselt, werden wir sehen, sobald der Abspann läuft.

Mit dem Intro beginnt die Platte schon recht vielversprechend. Zunächst wird man von einer leicht durchgeknallten Stimme gebeten, seine Plätze einzunehmen, dann legt Ludacris eine super Performance über einen düsteren Beat hin. „Undisputed“ überzeugt mit fröhlichen Blues-Klängen und kraftvollen Claps. Floyd Mayweather redet nebenbei ein bisschen und gibt Neu-Boxer Luda einige Ratschläge. Insgesamt ok, doch durch den fehlenden Refrain wird der Song bald eintönig. Wie auch schon auf „Paper Trail“ arbeiten die ehemaligen Feinde Ludacris und T.I. hier zusammen. Wenn man sich ihr „Wish You Would“ jedoch so anhört, fragt man sich, ob das Ende des unterhaltsamen Beefs wirklich nötig war, denn es handelt sich dabei um einen der schlechtesten Songs des Albums.

Dies liegt vor Allem an den Vocals, den das drückende und harte Instrumental ist eigentlich gar nicht schlecht. Luda lässt nur ab und zu sein Können aufblitzen, T.I. versagt total. Sein Flow ist hier unglaublich schlecht, lieber schnell geskippt. „One More Drink“ ist das erste kleine Highlight der Platte und lässt den alten Ludacris wieder etwas zum Vorschein kommen. Man könnte bei den seichten Melodien und R’n’B-Sounds in Versuchung kommen, dass es sich um ein Liebeslied handelt, tatsächlich geht es darum, dass man sich vor der weiblichen Begleitung voll laufen lässt. Luda’s Rhymes kann man hier bestens folgen, dazu singt T-Pain einen sehr smoothen Hook. Nach dem imposanten und mitreißenden „Call Up The Homies“ zusammen mit The Game und Willy Northpole, erreicht man nun „Southern Gangsta“.

Es ist der erste Song, an dem man Luda’s Down South Herkunft spürt. Wuchtig hämmernde und langsame Beats treffen auf ein dunkles Synthesizer-Gewitter, was doch schon sehr nice Klingt. Eingeleitet wird das Ganze von Ving Rhames, der jeden MC auch während des Songs vorstellt. Nach Ludacris sind dann auch noch Rick Ross und Playaz Cirlce an der Reihe, wobei der Boss den Besten Eindruck hinterlässt. Auch wenn dieser Track schon wieder keinen Refrain hat, brennt er dennoch einiges nieder. Bei „Everybody Hates Chris“ trifft man wieder auf viel Blues. Mit Bass und massig Bläsern ausgestattet reißt das schon mit, Ludacris‘ bissige Raps tun ihr Übriges dazu.

Die Mitte des Albums ist insgesamt sehr R’n’B lastig gestaltet. Den Anfang macht hier Club-Track „What Them Girls Like“. Das Instrumental ist orientalisch angehaucht und bringt durch die wuchtigen Beats die Tanzfläche zum Beben. Luda tut was er tun muss, nicht mehr, genau wie Sean Garrett und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Chris Brown der Star des Liedes ist. Leider haftet diesem Song eine doch sehr kommerzielle und poppige Note an, genau wie „Nasty Girl“ mit Plies. Ein Synthie-Gedudel wie es kaum schnulziger und poppiger hätte sein können wird hier auf den Hörer losgelassen. Freunde von Chart-Rap werden dazu Luftsprünge machen, Fans des alten Ludacris schnell die Skip-Taste drücken.

Dann doch lieber richtigen Soul, wie das wunderschöne und sehr entspannte „Contagious“, bei dem besonders Jamie Foxx eine gute Figur macht. Gegen Ende des Albums steigt die Qualität nun kontinuierlich an. Los geht’s mit dem Brecher „Last Of A Dying Breed“ zusammen mit Lil Wayne. Es verbindet unglaublich viele Elemente wie Scratches, Schlagzeug, richtig abgefahrene Synthie-Töne, eine Trompete und das alles auf einem donnernden Beat. Beide MCs legen eine tolle Performance hin, wobei sowohl Luda’s aggressiver Part, als auch Weezy’s kratzige Stimme nice klingen. Das wohl absolute Highlight von „Theater Of The Mind“ findet man mit „MVP“.

Es ist das einzige Lied ohne Gastauftritt, gleichzeitig produziert von Legende DJ Premier. Der tut das Selbe wie immer und packt einen Wahnsinnsbeat mit Soul und ordentlich New York Flavor aus. Nicht Down South, doch trotzdem Ludacris in seinem Element – was will man mehr? Das ernste und gänsehautverursachende „I Do It For Hip Hop“ mit Nas und Jay-Z in den Nebenrollen ist ein weiterer Höhepunkt, bevor man mit „Do The Right Thang“ die letzte Szene genießen darf. 9th Wonder schmiedete hierfür ein Instrumental, das nichts anderes verdient hat als das Attribut wundervoll. Flöten und Trompeten blasen einen chilligen und emotionalen Marsch, der reingeht wie warme Butter, passend dazu rappt Common mit, besser könnte dieses Album gar nicht enden.

Trotz einiger kleiner Durchhänger ist „Theater Of The Mind“ wirklich gelungen. Etwas weniger Gäste wären vielleicht von Vorteil gewesen, doch auch so schafft es Ludacris im Mittelpunkt zu bleiben. An alte Glanzzeiten von einem „Word Of Mouf“ kann er damit zwar lange nicht anschließen, dennoch kann man die Platte jedem empfehlen, der auf gute Raps gepaart mit radiotauglichen Beats steht, Fans vom Luden sollten auf alle Fälle zuschlagen.

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