The War Report 2 von „Capone-N-Noreaga“

Küstler:
Capone-N-Noreaga
Redaktions-Wertung:
Titel:
The War Report 2
Release:
23. Juli 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Lange war es still um CNN, bis sie 2009 mit „Channel 10“ ein passables Comeback hinlegten. Nur ein Jahr danach liefern uns die Jungs aus New York ihr insgesamt viertes Album ab, das Sequel zu ihrem legendären Debüt „The War Report“ von 1997. Mittlerweile haben Capone-N-Noreaga bei Reakwon’s Label IceH2O unterschrieben, dem gelang vor Kurzem ja eben genau ein solch zweiter Teil zum Classic aus den 90ern mit viel positiver Resonanz. Bleibt nun die Frage, ob CNN das auch so hinbekommen. Features wie The LOX, Nas, Busta Rhymes oder Chef Raekwon machen auf jeden Fall schon einmal Lust auf mehr.

The Alchemist schmiedete mit „Pain“ einen düsteren, QB typischen Banger, der uns einen gelungenen Einstand ins Album garantiert, auch Capone und N.O.R.E. zeigen eine solide Performance. Für die richtige Stimmung ist also gesorgt. „Bodega Stories“ versucht dies fort zu führen, klappt zwar bedingt, denn auch dieser Song klingt unbehaglich, dunkel und bedrückend, leider aber auch recht eintönig, so dass nach ein paar Takten schon jeglicher Reiz verloren geht, auch die nicht übermäßig motivierten Verse von CNN und den Kollegen Jadakiss, Sheek Louch und Styles P von The LOX helfen da nicht besonders. Die Problematik des Reiz-Verlierens wird uns auf „The War Report 2“ noch öfter begegnen, beispielweise bei den nächsten Titeln „Dutches v. Phillies v. Bamboo“ (feat. Reakwon) oder „My Attribute“. Die fangen zwar recht vielversprechend an, verlieren sich allerdings nach wenigen Augenblicken in einer unsagbar langweiligen Monotonie, dass es einfach keinen großen Spaß macht da länger zuzuhören. Wo sind die Banger, die „Channel 10“ teilweise zu bieten hatte? Hier (noch) nicht. Endlich aufwärts in Sachen Qualität geht es mit „Hood Pride“, einer Kollabo mit Faith Evans. Neo Da Matrix schmiedete einen mächtigen Beat mit ordentlicher Wucht, drückenden und emotionalen Elementen, was alles sehr pompös rüberkommt. Die Rhymes kommen bei so einem Stück natürlich gleich eine Spur cooler, auch wenn wir nichts wirklich Neues erzählt bekommen – egal, das Ding haut rein und beinhaltet mit Faith Evans‘ Refrain den optimalen Abschluss zu den Strophen der beiden Veteranen.

Queensbridge Legende Nas ist der Stargast von „With Me“, einem weiteren der sehr rar gesähten Highlights dieser LP. Ähnlich wie bei „Pain“ spürt man hier wahrlich den New Yorker Street Sound – rough, direkt, hart und nicht all zu freundlich, so muss das sein. Nas stielt den anderen beiden zwar so ein bisschen die Show, was auch daran liegt, dass er den Hook performt, aber auch sein Flow kommt sowas von geschmeidig, dass man sich wieder in die goldenen Zeiten des Rap zurück versetzt fühlt. „Live On Live Long“ war einer der besten Tracks von „The War Report“, auf „The War Report 2“ befindet sich daher nicht wirklich überraschend „Live On Live Long Pt. 2“. Dieser ist Tragedy Khadafi gewidmet, der ja bekanntlich hinter schwedischen Gardinen sitzt. Schön gefühlvoll mit Piano und weichem Beat im Gepäck, zwischendurch gibt’s sogar noch ein Sample von der Original-Version, klingt das Instrumental doch schon recht fein, aber auch mit ihren Worten für den Homie können Capone-N-Noreaga punkten. Guten alten Mafiosi-Flavor bringt „The Oath“ mit sich. Fast schon dramatische Violinen haben fast schon was vom „Godfather“ Soundtrack, dazu hämmert ein richtiges Brett von Bass mit mitreißendem Rhythmus, so dass man gar nicht anders kann als mit dem  Takt mitzugehen. Zusammen mit Raekwon und Busta Rhymes schwören CNN ihren Eid, eine Rap-Session, die sich gewaschen hat. „Brother From Another“ drückt ein bisschen auf die Tränendrüse, macht mehr als eindeutig klar, dass Capone und N.O.R.E. sich als Brüder sehen und ist damit das wohl emotionalste Stück der Platte. Leider war es das dann schon mit wirklich erwähnenswerten Liedern. Der Rest um die harten „Thug Planet“ (feat. Imma Thug & Musaliny) und „Scarface“ oder das durch Avery Storm’s Performance recht lockere „The Corner“ sind zwar nicht schlecht, aber eben auch nicht mehr als Standard, der kaum noch Begeisterung auslöst.

Capone-N-Noreaga scheitern zwar an „The War Report“ anzuknüpfen, doch wenn wir ehrlich sind, haben sie das während ihrer kompletten Karriere nie wieder geschafft, sei es Solo oder als Team, deshalb kommt dies nun wenig überraschend. Im Vergleich zu anderen aktuellen Rap Alben kann man „The War Report 2“ als solides Mittelmaß bezeichnen, das mittelmäßige Tracks, aber auch High- und Lowlights in sich vereint. Wer auf Rap aus den 90ern steht, macht mit diesem Werk nicht viel verkehrt, alle anderen sollten vor Erwerb gründlich die Hörproben checken.

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