The Untold Story von „Bone Thugs-N-Harmony“

Küstler:
Bone Thugs-N-Harmony
Redaktions-Wertung:
Titel:
The Untold Story
Release:
29. Januar 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Jahrelang tingelten die Bone Thugs-N-Harmony nur zu dritt durchs Musikuniversum, nachdem Flesh wieder aus dem Knast rauskam und man sich mit Bizzy versöhnt hat, brennt die Fangemeinde nun auf das Reunion-Album „Uni5: The World’s Enemy“. Ursprünglich für 2009 angekündigt, wurde es mittlerweile aufs Frühjahr 2010 verschoben, um die Wartezeit bis dahin etwas zu verkürzen, gibt es jetzt neues altes Material auf Platte und zwar in Form von „The Untold Story“. Darauf zu finden sind diverse unveröffentlichte Songs, die während der Aufnahme zu „Strength & Loyalty“ bis heute entstanden. Jeder Fan wird sich daher gleich denken können, dass Auftritte von Bizzy und Flesh rar gesät sein werden. Wer denkt, es handle sich dabei um billiges Restematerial, der irrt, denn Producer wie Scott Storch, Swizz Beatz, Kanye West oder Timbaland bzw. Features wie Kelly Rowland, Chamillionaire, Petey Pablo und Mariah Carey sind mit von der Partie und das will schon was heißen.

Zur Eröffnung gibt es gleich ein echtes Brett. „Nuff Respect“ heißt das gute Stück, das auf einen zupoltert, durch die Verse der Jungs aber sehr angenehm anzuhören gestaltet wird, da stört es nicht, dass eine ordentliche Melodie fehlt. Wesentlich entspannter wäre der folgende Track, „Toast 2 That“. Überraschenderweise stammt dieses doch sehr smoothe Stück von Swizz Beatz, keine Spur von dem nervtötenden Club Sound, den er in der letzten Zeit so oft gebracht hat. Von einem echten Hit ist man hier zwar noch ein Stück entfernt, die souligen Rap der Bones kommen aber so geschmeidig, dass es doch ein echter Genuss ist, hier zuzuhören. Noch mehr Harmony bieten uns Layzie, Krayzie und Wish mit „I Ain’t Go Nowhere“, das einen lockeren und sommerlichen Charme sein Eigen nennen kann. Layzie und Krayzie singen hierbei sehr viel – großartig, besonders der Refrain ist ein Gedicht und sollte das Herz eines jeden Anhängers höher schlagen lassen. Viele Fans waren beim letzten Album erzürnt über „Lil Love“ zusammen mit Mariah Carey, auch hier gibt es eine ähnliche Nummer, nämlich „Breakdown“. Wer die erste Kollabo schon nicht mochte, wird auch hier keine Freude haben, denn es ist stilistisch genau der selbe Schmalz. Auch das poppige „Your Love (Is So Crazy)“ zusammen mit Kelly Rowland schlägt die etwas zu softe und kitschige Richtung ein… Lovesong gut und schön, doch was zu viel ist, ist zu viel.

Deutlich besser ist da das dritte Liebeslied in Folge, nämlich „Summer Luv“. Nicht nur, dass wir hier endlich wieder Bizzy vereint mit dem Rest der Truppe zu hören bekommen, auch das Instrumental ist gleich eine ganz andere Liga. Der Mix aus flotten Gitarren und verträumten Flötenklängen geht wirklich rein wie Butter und lässt die Sonne aus dem Lautsprecher scheinen. Während Bizzy anfangs einen aggressiven Part präsentiert, zeigen sich Layzie und Krayzie eher entspannt und bringen wieder einmal sehr viel Gesang, Wish komplettiert das mit seiner angenehmen Stimme – Harmony bis zum Anschlag! Nach dem gefühlvollen „The Originators“, das uns zeigt, dass die Jungs immer noch wissen, wo sie herkommen, erreichen wir die Timbaland Produktion „Take It To The Streets“. Wie der Name schon verrät, geht es hier härter zur Sache, Gangstarap ist angesagt. Eine düstere Stimmung ist für das Gesamtbild verantwortlich, unterstrichen wird dies mit einem tief schlagenden Bass und aggressiven Synthesizer-Elementen, die auf den ersten Blick nicht zu Bone passen, die Atmosphäre hinegegen erinnert etwas an die Anfangsphase ihrer Karriere. Chamillionaire gibt sich nach diversen Zusammenarbeiten mit Krayzie Bone auch hier die Ehre. Ihn findet man bei „4 Tha OG’s“, ein Lied, das mit seinem entspannten Sound an Chamillionaire’s Heimat Houston erinnert, sicher auch ganz nett ist, aber leider nicht mit zu den Highlights gezählt werden kann.

Das wäre eher bei „Struggle“ der Fall. Passend zum Titel wirkt der Style des Songs schmerzverzerrt, was durch raue E-Gitarrenriffs und dicke Drums hervorgerufen wird. Als Gast haben sich die Bones hier Petey Pablo eingeladen, dessen Organ perfekt zur Musik passt, doch auch Layzie, Wish und Krayzie lassen mit ihren Versen keine Zweifel daran, dass auch ein eleganter Flow hier an der richtigen Stelle ist. Wie man es von Bone Thugs-N-Harmony aus der Vergangenheit kennt, werden die Probleme unserer Gesellschaft angesprochen, dies passiert mit „Wuz Up World“, das während der Strophen auf High Speed Raps setzt, der Refrain hingegen ist sehr emotional gestaltet, Krayzie’s Gesang geht dabei richtig unter die Haut. Den leider einzigen Auftritt von Flesh N Bone wird man im letzten Teil von „The Untold Story“ antreffen. „Thug Alwayz“ bietet neben Layzie’s großem Bruder einen ruffen Street-Sound, hart und hektisch, da kommt das Blut richtig in Wallung, wenn man dann noch miterlebt, wie die engagiert und hungrig die Bones ihre Verse losfeuern, dann sollte es den Puls eines jeden Fans ganz weit nach oben treiben. Nachdem man mit Big Pun auf „When I Die“ schon einen Toten ausgegraben hat, wird dies zum Abschluss mit The Notorious B.I.G. ebenfalls getan. „Bone Thugs“ ist der schlichte Titel. Kraftvoll und schnell geht es hier zur Sache, egal ob Produktion oder Raps. Wer bisher noch nicht wusste, wie die Jungs drauf sind, wird es spätestens hier merken. Insgesamt ein toller Ausklang, bei dem auch noch einmal Bizzy mit dabei ist.

Wow… was für ein Appetithäppchen für das kommende Album. Zwar ist nicht jeder Song ein Treffer, doch es überwiegen eindeutig die Perlen, für die man wirklich dankbar sein darf. Auch wenn es sich um kein reines Studioalbum handelt, kann „The Untold Story“ überzeugen und brauch sich nicht vor einem „Strength & Loyalty“ verstecken. Als Bonus bekommt man noch eine DVD dazu, diese zeigt Konzertausschnitte und Interviews aus der Zeit als „The Art Of War“ gerade veröffentlicht war. Die Jungs erzählen uns dabei von ihrer Jugend und ihren Anfängen bei Eazy-E und seinem Label Ruthless Records – noch ein Grund mehr, hier zuzuschlagen.

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