The State vs. Radric Davis von „Gucci Mane“

Küstler:
Gucci Mane
Redaktions-Wertung:
Titel:
The State vs. Radric Davis
Release:
30. April 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Gucci Mane ist mittlerweile zum wahren Phänomen herangereift, denn trotz begrenzter Skills steigt seine Popularität unaufhaltsam weiter und machte ihn in den letzten zwei Jahren zu einem der gefragtesten Künstler der Black Music Szene. Warum das so ist, wird er selbst nicht mal so genau wissen, denn bisher waren seine Alben nicht unbedingt auf die breite Masse zugeschnitten. In der Zwischenzeit haben auch die Label-Chefs das Potential der Marke Gucci Mane erkannt, als Lohn wird sein bereits schon fünftes Studio-Album „The State vs. Radric Davis“, das übrigens der Beginn einer Trilogie werden soll, nun weltweit vertrieben. Um für Erfolg in den Charts zu sorgen, wurden Gucci namhafte Features und Producer wie Lil Wayne, Soulja Boy, Usher, Rick Ross, Bun B, Bangladesh, Scott Storch, Polow Da Don und viele weitere zur Verfügung gestellt. Ob dadurch das Album klingt wie jedes beliebige, oder ob Gucci Mane mit diesen Gästen der große Wurf gelingt, sehen wir jetzt…

Dass es dem 30-jährigen Trapstar aus Atlanta, Georgia nicht an Selbstbewusstsein mangelt, zeigt er uns gleich mit dem ersten Track „Classical“, das durch pompöse Operngesänge fast schon etwas Anbetendes hat, auch Gucci selbst zeigt uns mit verbessertem Flow, was er von sich hält, das Ganze geschieht über eine überraschend sanfte Drumma Boy Produktion, die mit ihrem mystischem Charme punkten kann. Ein dicker Kick-Bass und schrille Synthie-Effekte sind das Erkennungszeichen von „Heavy“, einem typischen Down South Standard Song, der durch Gucci’s lässige Performance jedoch noch etwas Cooles bekommt und sich gut dazu eignet, im Auto gepumpt zu werden. Wenn man Gucci Mane’s Karriere der letzten Zeit so verfolgt, erwartet man eigentlich etwas poppigeren Sound, doch die Anfangsphase der Platte ist zum Glück komplett verschont, stattdessen macht Gucci genau das Selbe wie auf seinen Alben zuvor. Lyrisch darf man natürlich nicht mehr erwarten als Selbstdarstellung, leichte Mädchen und diverse Illegalitäten – eben typisch Trap Rap. Dem ein oder anderen sollte die Single „Lemonade“ bereits bekannt sein, allerdings dürften sich viele fragen, warum ausgerechnet ein eher entspannter und wenig spektakulärer Song wie dieser ausgekoppelt wird, denn außer einem recht eintönigen Instrumental, einem wie am Fließband dazu rhymenden Gucci Mane und einem von Kindern eingesungenen, recht kitschigen Refrain, hat das Stück nichts zu bieten. Deutlich besser gelang da „Bingo“. Eine dunkle Grundstimmung und ein mitreißender Takt sind die Grundlage für Gucci und seine Gäste Soulja Boy und Wacka Flocka Flame, wobei sich besonders der Youngster Soulja Boy überraschend gut verkauft.

Nachdem es bisher härter zur Sache ging, tut Gucci Mane mit der folgenden, sehr R’n’B lastigen Phase, einiges für die Verkaufszahlen. Hitsingle „Spotlight“ zusammen mit Usher eröffnet den soften Mittelteil von „The State vs. Radric Davis“ mit einem gewohnt Synthesizer haltigem Instrumental von Polow Da Don, der aber wie so oft einen recht flotten Beat verbaut hat, so dass sich „Spotlight“ hervorragend für Clubs eignet. Wirklich grausam hingegen fällt „I Think I’m In Love“ aus. So viel Schmalz auf einmal kann kaum einer ertragen. Pseudo romantisches Melodien-Wirrwarr gepaart mit schleimigen Versen von Gucci und einem schier nicht auszuhaltenden gepiepsten Refrain von Jason Caesar, von dem fraglich ist, wer ihm bescheinigt hat ein guter Sänger zu sein. Leider ist der Rest dieser Phase auch nicht wesentlich besser, lediglich das recht poppige „Bad Bad Bad“ (feat. Keyshia Cole) kann sich der Mainstream gewohnte Rap Hörer ab und an antun. Zum Glück zündet Gucci Mane mit „The Movie“ wieder eine echte Bombe, die die vorangegangenen Fehltritte etwas vergessen macht. Mit einer flotten Jazze Pha Produktion im Gepäck erzählt er uns ein bisschen von seinem Lifestyle, nicht gerade interessant, dennoch unterhaltsam. „Gingerbread Man“ legt da gleich noch mal einen drauf, bietet einen hart wummernden Mannie Fresh Beat, der besonders während des Refrain im wahrsten Sinne des Wortes fresh klingt und mit Gucci Mane und seinem Schützling OJ Da Juiceman ein gut aufgelegtes Duo parat hält. Im letzten Teil des Albums dürfte besonders die verträumt und hypnotisch klingende Smoker Hymne „Kush Is My Cologne“, bei der neben Gucci auch Bun B, Devin The Dude und E-40 ihre Erfahrungen preisgeben, für Aufsehen sorgen, aber auch der relaxte und angenehme „Wasted“ Remix (feat. Lil Wayne, Jadakiss & Birdman) ist noch einmal ein kleines Highlight zum Schluss, das den schlechten Part von Plies auf der ursprünglichen Version wieder ausgleicht.

Von sehr gut bis sehr schlecht bietet „The State vs. Radric Davis“ wirklich alles auf der Skala. Schön zu sehen ist dabei, dass die guten Songs die sind, bei denen er sich auf seine Wurzeln besinnt und das tut, was er schon immer getan hat. Die poppigen Tracks hingegen sind leider recht schwach, aber im heutigen Major Business muss man des eben leider hinnehmen. Insgesamt liefert Gucci Mane mit diesem Album ein recht ordentliches Down South Werk ab, das zwar nicht großartig in die Geschichte eingehen wird, dennoch als eines seiner besten angesehen werden kann und damit seine Fans zufrieden stellen wird.

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