The Seventh Seal von „Rakim“

Küstler:
Rakim
Redaktions-Wertung:
Titel:
The Seventh Seal
Release:
20. November 2009
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Rakim7Seal-cd-bewertungen-deWohl kein anderer MC steht so für Rap, wie Rakim. Oftmals als der Beste aller Zeiten betitelt, einige Classics mit seinem ehemaligen Weggefährten abgeliefert und den Status eines Pioniers seiner Zunft, das alles zeichnet den mittlerweile 41-jährigen New Yorker aus. Ähnlich wie die Kollegen EPMD, KRS-One, Slick Rick oder Masta Ace kann auch er in gehobenem Alter die Hände immer noch nicht vom Mic lassen und so kam es, wie es kommen musste: das oft angekündigte und ständig verschobene dritte Solo Album „The Seventh Seal“ steht im Winter 2009, nach über 10 Jahren seit der letzten Platte, endlich in den Regalen der Händler. Zwischenzeitlich stand Rakim ja bei Dr. Dre’s Aftermath unter Vertrag, doch außer ein paar einzelnen Songs wurde nichts aus einer VÖ beim Doc aus L.A., Rakim nahm nicht mal das Angebot an, die bereits produzierten Tracks mitzunehmen, sondern nahm alles neu auf. So berühmt wie Dr. Dre sind die Producer von „The Seventh Seal“ zwar nicht, bieten mit Nottz, Jake One und Neo Da Matrix aber den ein oder anderen Namen, der Insidern ein Begriff sein sollte.

Legt man die Platte ein, so legt Rakim gleich los und erzählt uns mit „How To Emcee“, wie das Spiel so funktioniert. Das Ganze geschieht über eine kraftvolle und vor Selbstbewusstsein strotzende Produktion, die mit einem rockigen Touch um die Ecke kommt. Seltsamerweise klingt ausgerechnet bei diesem Song Rakim gar nicht wie der Rakim, den wir noch aus den 90ern kennen. Sein Flow wirkt nicht ganz so elegant, eher bissig, ist jedoch alles andere als schlecht, sonder einfach ungewohnt. Bei „Walk These Streets“ treffen mit dem Altmeister und Shootingstar Maino zwei Generationen aufeinander. Unaufgeregt, mit schöner Pianobegleitung und kraftvollem Beat pumpt das Instrumental, dazu gibts nicht all zu interessanten, aber gut vorgetragenen Street Talk der beiden, ein gesungener Refrain von Tracey Horton rundet das Lied ab. Der Titel von „You And I“ verrät schon, dass es sich hierbei um einen Lovesong handelt. Sowas glaubwürdig und nicht zu schmalzig rüberzubringen ist ja nicht immer ganz leicht, Rakim schafft es jedoch. Mit einem bescheidenen und dezenten, aber auch gefühlvollen Melodienmix aus Klavier, Violinen und Flöten im Gepäck lässt The R uns an seinen Erinnerungen teilhaben, nachdenklich und dennoch nicht auf Softie getrimmt – so muss das sein!

Relaxt und mit funky Tunes ausgestattet zeigt uns Rakim mit „Won’t Be Long“ (feat. Tracey Horton), das melodiöser Hip Hop nicht gleich ins Poppige ausufern muss, insgesamt ein sehr frischer Track, den man gut nebenbei anhören kann und der mit seinem Klang für gute Laune sorgt. „Holy Are U“ dagegen sorgt für richtig Gänsehaut. Eine super Mischung aus Power, etwas Mystik und Emotion prägt den Gesamteindruck, wobei die Energie während der sehr synthetischen Strophen und Rakim’s motivierten Raps zum Vorschein kommt, der eingesungene Refrain zeigt die anderen Seiten, die dieser Smash zu bieten hat. New York typisch mit souliger Note, aber auch mit hartem Beat poltert „Satisfaction Guaranteed“ um die Ecke. Lyrisch nicht mehr als Selbstverherrlichung, aber das kennen wir von Rakim seit über 20 Jahren und genau so wollen wir ihn auch haben. Verträumt, aber auch tiefgründig und sehr gefühlvoll ist „Working For You“ gehalten. Eingespielt von der Robert Cray Band kommt durch ein Gitarrenspiel etwas Desperado-Stimmung auf, die die Härte und Unberechenbarkeit des Lebens widerspiegelt, erneut sind es Violinen, die den persönlichen und emotionalen Touch mit einbringen, dazu erzählt uns Rakim wie er sich für andere reinhängt, allein das geht schon unter die Haut, als Höhepunkt dient der eingesungene Hook.

„Put It All To Music“ (feat. Destiny Griffin) erwärmt die Gemüter mit seinem sommerlichen Style. Der Song sprüht nur so von Funk, groovt richtig gut, dazu flowt der selbsternannte God MC wie am Fließband, sodass man richtig mitgrooven kann, The R leistet einfach durchgehend gute Arbeit mit seinem Comeback Album. Die nun beginnende Endphase von „The Seventh Seal“ wird mit „Psychic Love“ ordentlich, aber nicht herausragend eingeleitet. Durchgehend laid back, weder Instrumental noch Rakim hauen voll rein, doch so etwas ist zwischendurch auch mal nicht verkehrt. Ähnliches gilt für „Still In Love“, das allerdings eine Spur flotter durch die Anlage läuft, unbekümmerte Sounds und Vocal Samples sein Eigen nennen kann und so zum netten Stimmungsmacher wird, allerdings doch ein gutes Stück davon entfernt ist, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. „Dedicated“ dürfte die Meinungen ziemlich spalten, das liegt an den eingebauten Samples vom No Doubt Klassiker „Don’t Speak“, dessen Refrain von Gwen Stefani quasi 1:1 übernommen wurde. Während der Strophen ist davon jedoch nichts zu hören, sondern traurige Streichermelodien, und ein tiefer Beat begleiten Rakim dabei, wie er sein Herz ausschüttet und verstorbenen Familienmitgliedern nachtrauert und ihnen dieses Stück widmet. Noch einmal ein echter Höhepunkt, dieses Albums. Wer nun noch nicht genug von Rakim bekommen hat, kann auf seine Homepage gehen und sich einen exklusiven Bonus Track herunterladen, feine Sache.

Wie so viele andere Oldies liefert auch Rakim auf seine alten Tage noch einmal ein gelungenes Album ab und enttäuscht nicht. Zwar erfindet er nichts wirklich neu, sein Flow ist vielleicht auch nicht mehr der, der er zu seinen Glanzzeiten einmal war, dennoch schafft er es, mit den jungen Cats von heute mitzuhalten, ohne auf Mainstream Sound setzen zu müssen oder gar unglaubwürdig zu wirken. Für Fans von New Yorker Rap der alten Schule sicherlich zu empfehlen, aber auch jüngere Generationen können hier noch einiges lernen.

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