The Renaissance von „Q-Tip“

Küstler:
Q-Tip
Redaktions-Wertung:
Titel:
The Renaissance
Release:
31. Oktober 2008
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

q-tip-the-renaissance-cd-bewertungende20 Jahre im Game, 38 Jahre alt und immer noch frisch wie der Morgentau, das ist Q-Tip, Legende und Pionier des Native Tongue. Mittlerweile 9 Jahre liegt sein letztes Solo-Album zurück, nun also das Comeback, passend betitelt als „The Renaissance“. Was sofort auffällt ist das aussagekräftige Cover. Anstatt zu posen, wie es die heutige Generation ja gerne tut, hält er sich einen MPC Sampler vors Gesicht. Auch die restliche Gestaltung sagt einiges über die Musik aus. Eine Hälfte von Q-Tip ist in Farbe, die andere Schwarz-Weiß, also quasi Modern und Old School zugleich. Wie auch beim Vorgänger stammen die Beats hierzu aus Tip’s eigenen Händen und denen seines mittlerweile verstorbenen The Ummah-Kollegen J Dilla. Die Features Raphael Saadiq, Amanda Diva, Norah Jones und D’Angelo wirken zunächst zwar eher unspektakulär, doch das täuscht, denn sie fügen sich mit Q-Tip in ein großartiges, smoothes Gesamtbild ein.

Nach der langen Pause seit „Amplified“ ist es eine wahre Freude, wenn bei „Johnny Is Dead“ Gitarre und Bass anfangen zu spielen und Q-Tip zum ersten Mal hinters Mic tritt und zeigt, dass er nichts verlernt hat. Etwas schade ist nur, dass der Background-Sänger keine Credits bekommt, obwohl er einen tollen Job macht. Sehr jazzy, dennoch recht flott kommt „Won’t Trade“ um die Ecke, begeistert sofort mit seiner fröhlichen und melodischen Art sowie den souligen Samples von „You Made A Believer Out Of Me“ und einem Rapper, der wie zu alten ATCQ-Zeiten locker darüber flowt und einen gar nicht wegkommen lässt. „Gettin‘ Up“ erinnert irgendwie an einen Frühlingsmorgen, ruhig, aber durch Klavier, Flöten und E-Bass auch sehr melodisch und einfach ein Ohrenschmaus. Von der smootheren Sorte ist auch „Official“, das auch genauso gut aus den Neunzigern stammen könnte. Sehr jazzy, schlicht und dennoch besser als alles was man in den Charts findet, das ist eben noch Hip Hop wie er im Buche steht.

Nach dem Lovesong „You“ erreicht man mit „We Fight/We Love“ die erste Kollabo des Albums. Der Song ist schlicht und einfach cool. Diese Grooves und Vibes gehen rein wie Butter, dazu der lässige Flow von Tip und der Gesang von Altmeister Raphael Saadiq, der ebenfalls zeigt, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Wie der Name von „Move“ schon verrät, handelt es sich hier um eine Uptempo-Nummer, bei der vor Allem der MC im Vordergrund steht, denn auch wenn das Instrumental gelungen ist, achtet man eigentlich nur auf Q-Tip, der einen mit schnellen Rhymes in Verzückung versetzt. „Dance On Glass“ beginnt zunächst mit einem Accapella von Tip, danach setzen entspannte, teils auch sehr funky Klänge ein und verführen einen sich zurückzulehnen und einfach nur zu genießen. Spätestens seit Talib Kweli’s „Eardrum“ wissen wir, dass sich eine Norah Jones auch sehr gut auf einem Rap-Album macht. Das muss sich auch Q-Tip gedacht haben und lud die Lady aus Brooklyn zu „Life Is Better“ ein. Auch wenn das Lied zunächst eher unspektakulär beginnt, steigert es sich immer weiter in eine Komposition aus wunderschönen Melodien, angenehmen Beats und funky Grooves, noch dazu dieses tolle Duo am Mikrofon, Wahnsinn!

Ähnlich ist es bei „Believe“ zusammen mit D’Angelo, dessen Spannungsbogen sich mit der Spielzeit immer weiter ausdehnt und zu einem Stück feinsten Jazz-Raps mutiert. Einziger Kritikpunkt ist hier die Spielzeit von leider nicht einmal 3 Minuten. Zum Ende der Platte wird man mit „Shaka“ noch einmal mit auf eine Reise in die Neunziger mitgenommen, denn das Lied könnte auch Problemlos auf „Beats, Rhymes & Life“ vom Tribe zu finden sein. Wieder mit einigem an Instrumenten ausgestattet geht auch dieser letzte Smash sofort ins Ohr und gibt einem noch einmal das Gefühl, sein Geld hier goldrichtig investiert zu haben.

Danke Q-Tip, für diese Platte! In Zeiten, in denen dem wahren Rap-Fan die Gehörgänge von der Generation Soulja Boy malträtiert werden, ist dies wie Balsam. Tip macht zwar nichts Neues, dafür das was er am Besten kann, nämlich entspannte, melodische und einfach hochwertige Musik, die er mit seiner einmaligen Stimme und dem lässigen Flow garniert. Auch wenn die 9 Jahre lang waren, das Warten hat sich definitiv gelohnt und so beschert uns mal wieder ein etwas älterer MC eines der besten Alben 2008. Old Schooler schlagt zu, doch auch der Rest sollte sich vom Meister zeigen lassen, was wahre Rap-Kunst ist.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a