The Humdinger von „Nappy Roots“

Küstler:
Nappy Roots
Redaktions-Wertung:
Titel:
The Humdinger
Release:
5. August 2008
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

nappy-roots-humdinger-cd-bewertungendeÜber vier Jahre hat es gedauert, jetzt sind die Nappy Roots endlich wieder zurück. Mittlerweile ist R. Prophet ausgestiegen, so besteht die Band aus Kentucky nur noch aus den restlichen fünf Mitgliedern um Skinny DeVille, B. Stille, Ron Clutch, Big V und Fish Scales. Die beiden Vorgänger von „The Humdinger“ strotzten gerade nur von feinstem Country Rap, da stellt sich die Frage, ob das auch jetzt so ist, denn das 0815-Cover lässt Anderes vermuten. Doch man kann beruhigt sein, die fünf nappy Heads blieben auch hier ihrem Style treu, liefern intelligente Rhymes in Zusammenhang mit schönen Instrumentals und sind somit fast schon etwas wie eine kleine Randerscheinung im Hip Hop Biz – leider!

Ruhig und eher zurückhaltend beginnt „The Humdinger“ mit dem mit dunklem Beat und emotionalen Klavierspiel gestalteten „Beads & Braids“, welches seinen Spaßfaktor mit Laufe der Spielzeit immer weiter steigert und man schon bald beginnt, den schönen Refrain mitzusingen. „On My Way To GA“ bietet uns ebenfalls Country Rap par Excellance. Auch hier wirkt alles sehr gefühlvoll und mit Liebe zum Detail gestaltet und so bietet uns der Song einen tollen Mix aus Streichern und Gitarren, dazu die wunderbaren Rhymes der Nappy Roots, Klasse! Leider ist auf „The Humdinger“ nicht alles gelungen. Songs wie „Flex“ oder „Tinted Up“ klingen eher so, als hätte man versucht sich dem aktuellen Club-Sound anzuschließen, ging jedoch völlig in die Hose. Wie sagt man doch so schön: Schuster bleib bei deinen Leisten!

Zum Glück tun die Nappy Roots das und machen die Musik, für die sie wie geschaffen sind. Im entspannten Südstaaten Style ist „Swerve & Lean“ gehalten, will heißen lässige Midtempo Beats kombiniert mit einer dunklen Bläsermelodie und souveränen Raps, die hier wirklich ein echter Genuss sind. Komplett anders, nämlich fröhlich, frisch und hell, noch dazu im mit richtigem Farm Sound kommt „Good Day“ um die Ecke. Auch hier kommen die Rhymes der Crew aus Kentucky wieder sehr schön, Highlight ist jedoch eindeutig der von Kindern gesungene Refrain, der uns bei geschlossenen Augen sofort in die sonnigen Südstaaten versetzt. Einen alten Bekannten trifft man mit Anthony Hamilton auf „Down ‚N‘ Out“. Wie auf den zwei Alben zuvor fruchtet auch hier diese Kombination perfekt und so wird dieser wunderschöne, von Gitarren und Mundharmonika unterlegte Song zum absoluten Highlight des Albums, besonders wegen Anthony Hamilton, der für mich das perfekte Feature für die Nappy Roots ist, schade dass er nicht öfter mit mischt.

Richtigen Down South Rap, wie ihn der Liebhaber kennt, gibt es mit „Fresh“. Ausnahmsweise hat dieser Song überhaupt nichts mit Country zu tun, sondern dröhnt mit abgefahrenen und harten Synthie-Beats, dazu kickt das Quintett ungewohnt aggressive Verse, das beherrschen sie jedoch auch perfekt. „Kalifornia Dreamin'“ kann man auch als Traum auf Rohling bezeichnen. Es ist zwar eher ruhig, groovt dennoch ohne Ende und bringt perfekt das Cali-Feeling rüber. Ernster geht es bei „No Static“ (feat. Greg Nice) zu, ist mit schlichten Beats und einer dunklen Klaviermelodie gestaltet und zeigt uns eine etwas andere Seite von „The Humdinger“, das wirklich sehr viel zu bieten hat. Einen letzten richtigen Kracher liefern uns die Nappy Roots mit „Panic Room“. Schnelle und harte Basslines treffen auf eine geniale Synthie-Melodie und ebenfalls genial rappende Nappy Roots. Den letzten Schliff bekommt dieser Smash durch die Kombination aus Frauengesang und Kinderrap im Refrain, was zum echten Ohrwurm wird und man sich den Song auch gerne mehrmals anhört.

„The Humdinger“ wurde ein echt tolles Comeback. Es sind zwar nicht alle Songs perfekt, dennoch macht das Album im immer eintöniger werdenden Hip Hop Biz richtig viel Spaß, bietet Abwechslung und Innovation und ist daher eindeutig zu den bisherigen Highlights von 2008 zu zählen. An das großartige Debüt „Watermelon, Chicken & Gritz“ kommt diese Platte zwar nicht heran, steht aber mit dem Vorgänger „Wooden Leather“ auf Augenhöhe. Wer also mal etwas abstrakteren Rap sucht und auch auf andere Country Boyz wie Da Backwudz, Field Mob oder Bubba Sparxxx steht, kann hier bedenkenlos zugreifen.

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