The G Files von „Warren G“

Küstler:
Warren G
Redaktions-Wertung:
Titel:
The G Files
Release:
16. Oktober 2009
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Der ewige Fluch des Debüts – oft werden ihn Rapper nicht so einfach los, doch wohl auf kaum einem lastet er so wie bei Warren G. 1994 mit einem Klassiker ins Geschäft eingestiegen, seitdem schaffte er es mit jedem seiner vier Alben, die Erwartungen von Fans und Kritikern zu verfehlen. Bei einer solchen Serie muss man sich dann schon fast fragen, ob Warren überhaupt ein solch großes Talent ist, wie es das Volk von ihm denkt, oder ob die Erwartungen einfach jedes Mal zu hoch waren. Nach vier Jahren ohne offizielles Album kehrte der 38-jährige West Coast Veteran aus Long Beach im Winter 2009 mit seiner aktuellen Platte „The G Files“ auf die Bildfläche zurück, um uns erneut die Sonne Kaliforniens mit relaxten G-Funk Tunes spüren zu lassen.

Im Intro noch von einer tobenden Menge begrüßt, die die Stimmung an den Siedepunkt zu bringen scheint, beginnt das komplett von Warren selbst produzierte Album mit dem Opener „West Is Back“ eher etwas verhalten. Bei diesem Titel erwarten man wohl eher einen echten Knaller, anstatt der tatsächlich gebotenen eher relaxten Klängen, diese können aber dank dem gut ausgewogenen Melodienmix aus Piano und Bläsern, kombiniert mit einem weich wummernden Bass. Unterstützung holte sich Warren in Person von den eher unbekannten Halla und Mr. Lucc, wobei der Erste einen Rappart droppt, Zweitgenannter ist für den Gesang im Refrain verantwortlich. Dieser etwas weichere Eindruck wird uns auf „The G Files“ noch öfter begegnen, mal mehr, mal weniger gelungen. Ein Beispiel für eine eher mittelmäßige Nummer wäre das darauffolgende „True Star“ (feat. BJ), dass mit seinen vielen soften und poppigen R’n’B Elementen bei Fans von West Coast Rap der alten Schule wohl nur ein müdes Gähnen hervorrufen sollte. Im Gegenteil dazu wäre der Smoker Song „Let’s Get High (420)“ (feat. Travis Barker & Black Nicc) eines der positiv herausstechenden, etwas relaxteren Stücke, allerding kein Vergleich zu Warren’s Interpretation von „100 Miles And Runnin'“. Sein großer Bruder Dr. Dre hatte vor knapp 20 Jahren zusammen mit N.W.A einen gleichnamigen Hit, der heute als Klassiker gilt, ob Warren G das auch schafft kann angezweifelt werden, ein echtes Highlight ist dieser Track aber allemal. West Coast Style bis zum Anschlag, wirklich eine wunderbare Produktion, abgerundet von Nate Dogg, der wie so oft mit seinem Refrain das i-Tüpfelchen setzt, dazu rappt neben Warren G auch noch Wu-Tang MC Raekwon – welch gelungene Kombination, solche Musik wollen wir vom Regulator hören!

Überraschend gefühlvoll, aber ebenfalls sehr gekonnt, klingt „Skate, Skate“ zusammen mit Halla. Lyrisch nicht mehr als der übliche Gossip, den man sonst auch von Warren G vorgesetzt bekommt, dafür passt sein Chiller-Flow perfekt auf diese smoothen Sounds, die sich zum Zurücklehnen und genüsslichen Anhören mehr als nur gut eignen. Leider schafft es Warren G auch mit „The G Files“ nicht, ein konstantes Niveau über die ganze Albumlänge zu halten. Wie auch bei den Vorgängern schwankt die Qualität doch sehr und man bekommt das ein oder andere Mal einen langweiligen oder viel zu schmalzigen Song vorgesetzt und auch das hinterher Rennen des aktuellen Swag-Trends mit der Pop-Rap Nummer „Swagger Rich“ (feat. Snoop Dogg & Cassie Davis) kommt eher etwas peinlich daher. Nach Downs folgen bekanntlich meistens Ups, eines davon wäre das recht hart pumpende „Suicide“, bei dem wir auch noch Oldie RBX zu hören bekommen. Feinste G-Funk Sounds und ein insgesamt eher dunkles Klangbild, lassen etwas die alten Zeiten aufkommen, als Los Angeles die Hochburg für feinsten Gangstarap war, dabei klingen die beiden Herren noch so hungrig wie noch in den 90ern. Die letzte Phase von „The G Files“ ist insgesamt sehr soulig gestaltet, daher nicht mehr all zu abwechslungsreich. Besonders herausstechend wäre hier das nachdenkliche „Hold On“, dessen Ghettostories von Warren durch den traurigen Klang gut an den Mann gebracht werden, aber auch „Crush“ mit Ray J, ein Song für die Ladies, sowie das abschließende und sehr chillig gehaltene „Fire“ lassen sich recht gut anhören, auch wenn man sagen muss, dass sie sicher nicht großartig in die Musikgeschichte eingehen werden.

Wie so oft heißt es bei einem Warren G Album: ordentlich, aber leider nicht mehr. Viele gute Ansätze sind da, auch einige echt gelungene Songs, aber auf der anderen Seite auch die ein oder andere Schlaftablette, die die Stimmung etwas vermiesen und einfach nichts mit dem zu tun haben, was man von einem Rapper mit Warren’s Status und Geschichte hören will. Fans von Warren G und Liebhaber von relaxtem Hip Hop können sicher zugreifen, der Rest sollte nicht blind zuschlagen und vorher diverse Hörproben nutzen.

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