The Ecstatic von „Mos Def“

Küstler:
Mos Def
Redaktions-Wertung:
Titel:
The Ecstatic
Release:
26. Juni 2009
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

mos-def-the-ecstatic-cd-bewertungen-deMos Def fiel in den letzten Jahren eher durch seine Karriere als Schauspieler als durch seine Musik auf. Zum Einen war der mittlerweile bald 36-Jährige in diesem Genre wesentlich produktiver, zum Anderen ließen seine letzten beiden Alben „The New Danger“ und „True Magic“ doch einiges zu wünschen übrig und gefiel zumeist nur Hardcore-Fans. Stolze zehn Jahre liegt nun sein Klassiker „Black On Both Sides“ zurück, Zeit also, nun endlich mal eine annähernd starke neue LP auf den Markt zu werfen. „The Ecstatic“ heißt das neue Stück, das bei Rap Liebhabern für Furore sorgen soll. Mit dem Titel und dem für Hip Hop Verhältnisse sehr ungewöhnlichen Cover ist ein erster Schritt in die richtige Richtung gemacht, schaut man dann auch noch in die Production Credits und sieht nahmen wie Madlib & Oh No, J Dilla, The Neptunes, Mathematics, Havoc oder The Alchemist, so lässt das doch schon einige Vorfreude aufkommen. Das Teil muss in den Player!

Sofort nach Einlegen und Bedienen der Play-Taste hört man am ersten Song „Supermagic“, dass dies eine besondere Scheibe werden wird. Ein motivierter und mit Druck rhymender Mos Def in bester Verfassung zeigt uns über ein rockiges, mit E-Gitarren und Drums gespicktes, jedoch nicht all zu aggressives Instrumental, dass er nach wie vor einer der besten seiner Zunft ist. Die Neptunes Produktion „Twilite Speedball“ wirkt dagegen lange nicht so rund und melodisch, eher etwas abstrakt, teils kommen polternde Beats zum tragen, teils auch etwas fremde, dennoch freshe Xylophon Sounds, die dem Ganzen einen spannenden, wenn auch nicht leicht zugänglichen Sound verpassen. Man muss sich diesen Track wohl öfters anhören, um hinein zu finden. Britanniens Altmeister Slick Rick gibt sich auf „Auditorium“ die Ehre. Und als ob das nicht schon toll genug wäre, schmiedete auch noch Madlib ein traumhaftes Stück Hip Hop dazu. Verträumt, dank vieler Streicher, entspannt, dank smoother Beats, interessant, dank Mos Def, perfekt, dank eines Vers der Legende Rick The Ruler. Danke!

Was für viele Kontroverse bei „The Ecstatic“ sorgt, sind die teils doch sehr kurzen Songs mit einer Spielzeit von nicht einmal 2 Minuten. Die einen finden, es ist eine Frechheit so wenig auf Platte zu pressen und dann noch den selben Preis wie bei wesentlich längeren CDs zu verlangen, die Gegenseite lobt dagegen den künstlerischen Gedanken. Man muss sicher beiden Recht geben, denn es ist zwar etwas enttäuschend, wenn man beim ersten Blick sieht, wie kurz das Vergnügen sein wird, allerdings muss man auch sagen, dass einige Titel wie das islamisch angehauchte „Wahid“ einfach so anders sind, als das was man sonst so zu hören bekommt, dass ein Genuss wahrscheinlich nur aufkommen kann, wenn man sie nicht all zu lange „ertragen“ muss. Im Falle von dem butterweichen, mit einigen akustischen Instrumenten eingespielten „Priority“, das schon fast Live-Atmosphäre aufkommen lässt und sich Mos Def’s Lyrik wunderbar entfaltet, wirklich schade ist, dass es genau dann aufhört, wenn es sprichwörtlich am Schönsten ist. Eines der mächtigsten Lieder dieser Platte ist eindeutig „Life In Marvelous Times“. Es entstammt der Schmiede von Queens Legende Havoc, der dem Rapper aus Brooklyn ein düster und kraftvoll pumpendes musikalisches Gewand auf den Leib geschneidert hat, welches Mos‘ kritische Verse so perfekt untermalt, dass es einen fast in Ehrfurcht versetzt.

Nach dem sehr frischen, India flavored Track „The Embassy“ packt Mos Def auch einmal sein Können in Spanisch aus. „No Hay Nada Mas“ heißt das Stück, das durch seinen latin mäßigen, aber auch ruhigen und gefühlvollen Sound zu einem der Highlights von „The Ecstatic“ gehört, da stört es auch wenig, wenn Mos‘ Fremdsprachenkenntnisse sich noch etwas anfängerhaft anhören. The Alchemist verzichtete bei seinem „Workers Comp“ auf derartige Experimente, sondern setzte auf die Tugenden New Yorks. Soulful, mitreißend und einfach wunderbar anzuhören – so lässt sich dieser Song kurz und bündig zusammenfassen. Viele Fans dürften sich ganz besonders auf die Kollabo mit Talib Kweli, mit dem Mos ja auch bald wieder als Black Star tätig werden will, die man so ziemlich am Ende vorfindet. Der Titel verschleiert nichts, „History“ klingt selbstbewusst, das dürfen die beiden aber auch sein. J Dilla ist der Name des Producers, und dieser steht für die gewohnte Qualität. Sowohl Mos als auch Talib laufen hier zu Bestleistung auf, auch kein Wunder bei diesem Sahnestück an Instrumental. Gesamplet wurde, was das Zeug hält, zusammengefügt zu einer relaxten, aber dennoch richtig spektakulären Einheit, die wahrlich traumhaft ist und die man sich auch sehr gerne öfters anhört.

Viertes Solo Album und zum dritten Mal, kann man es nicht mit dem Vorgänger vergleichen. Mos Def erfand sich auch hier wieder neu, diesmal mit Erfolg. Zwar ist nicht alles perfekt, doch das liegt in der Kunst ja generell im Auge des Betrachters bzw. im Ohr des Hörers. Kurzweilig, abwechslungsreich und interessant, drei Attribute, die für das Album stehen, denen man aber auch sicher noch viele weitere hinzufügen kann. „The Ecstatic“ dürfte für Freunde von etwas reiferem Hip Hop genau das Richtige sein, alle anderen sollten vor dem Kauf die Hörproben gut nutzen, das hier ist außergewöhnlich.

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1 Kommentar

  1. Sehr guter Bericht, stimmt größtenteils mit meiner Meinung überein. Nur hätte ich dem Album einen Stern mehr gegeben – schließlich hat sogar Pitbull’s Rebelution 8 Sterne. 😉

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