Teflon Don von „Rick Ross“

Küstler:
Rick Ross
Redaktions-Wertung:
Titel:
Teflon Don
Release:
16. Juli 210
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Es ist wieder einmal Sommer und pünktlich wie jedes Jahr steht Rick Ross mit einem neuen Album auf der Matte. Sein weichgespülter Vorgänger „Deeper Than Rap“ erntete ja zurecht einiges an Kritik, im Beef mit 50 Cent hat er keine Chance, noch dazu nehmen viele die Gefängniswärter-Story und die ganzen Mafia-Märchen dem 34-jährigen Rapper aus Miami immer noch übel – keine leichte Zeit also für den Mann mit dem rauen Organ, aber auch ein guter Zeitpunkt neu anzufangen. Und dies tut Rick Ross mit seiner neuen Platte „Teflon Don“, deren Titel von Mafiosi John Gotti übernommen wurde, was dessen Erben gar nicht so lustig finden. Auf viel weniger vom gewohnten Miami-Style muss man sich hier einstellen. Nur drei J.U.S.T.I.C.E. League Produktionen, die Runners waren diesmal gar nicht dabei und auch auf Seite der Features findet sich niemand aus dem Sunshine State wieder. Ob Rick Ross der Wandel gut tut, oder ob er lieber auf das alte Erfolgsrezept hätte setzen sollen, checken wir nun.

Der Opener des mit nur 11 Tracks nicht gerade langen Albums trägt den etwas widersprüchlichen Titel „I’m Not A Star“ und ist gleichzeitig der einzige Song, bei dem Rick Ross alleine am Mic steht. Da kaum ein anderer Rapper so sehr mit Pelzen, Autos, Schmuck etc. protzt wie der gute Rick, fragt man sich doch, was er uns damit sagen will, aber wirklich wert auf die Lyrics legen sollte man bei ihm wohl eh nicht. Gepaart mit einem wuchtigen und dunklen Beat zeigt sich das Schwergewicht aus Florida motiviert wie eh und je, setzt seine Stimme gekonnt ein und eröffnet „Teflon Don“ mehr als ordentlich. Etwas ruhiger geht es hingegen bei „Free Mason“ zur Sache. Offiziell ist nur Jay-Z als Feature gelistet, doch der aufmerksame Hörer wird sofort John Legend erkennen, der den Track mit ein paar Background Vocals aufpeppt, was besonders in dem melodischen Refrain wirklich klasse klingt, aber auch die schlicht gehaltenen Strophen von Rick Ross und Jay-Z können überzeugen. Ungewohnt ernst und emotional präsentiert sich „Tears Of Joy“, das mit schönem Mix aus E-Gitarre und Piano die perfekte Grundlage für Ricky Rozay und seinen Gast Cee-Lo, der eine Galavorstellung abliefert und das Lied zu einem der besten des Albums macht. Seit „Trilla“ gehört die „Maybach Music“ schon zum festen Inventar eines Rick Ross Albums, so wirklich gelungen war jedoch nur das Original. Auch „Maybach Music III“ hält sich an den chilligen Style seiner Vorgänger, kann zu Beginn auch mit seinen seichten Klängen und dem smoothen Bass punkten, leider sind die Features T.I. und Jadakiss nicht gerade dafür bekannt einen runden Flow an den Tag zu legen und so leiern sie ihre Parts nicht gerade hochklassig runter, dafür klingt der Refrain von Erykah Badu wesentlich besser als der von T-Pain auf „Maybach Music II“.

Nicht Florida, dafür eher Wilder Westen, so klingt „Live Fast, Die Young“, die wohl beste Nummer von „Teflon Don“. Flotte Claps in Kombination mit Trompeten sorgen für einen lässigen Desperado-Sound, der sich gewaschen hat. Diesmal ist Kanye West der Gast, der wieder so rappt, wie zu Beginn seiner Karriere – sehr fresh das Ganze, ein echter Ohrenschmaus. „Super High“ war die Lead Single des Albums, dürfte daher sicher auch einigen ein Begriff sein. Sommerlich frisch groovt die Produktion, verbindet jazzy Instrumente mit Soul-Flavor und lässt somit die Sonne Floridas aus der Anlage scheinen. Der von Ne-Yo eingesungene Hook passt insgesamt recht gut, könnte dem ein oder anderen vielleicht eine Spur zu poppig sein. Danja ist verantwortlich für „No. 1“. Bei ihm einen guten Beat zu finden gleicht jedoch der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen, die auch mit diesem Song leider erfolglos bleibt. Eintönig und langweilig hämmert der Bass vor sich hin, Ross kann nichts retten und die Strophe von Diddy klingt sogar richtig schrecklich, lediglich der kitschige Refrain von Trey Songz dürfte eventuell ein paar Ladies verzücken. Insgesamt das Schwächste, was „Teflon Don“ zu bieten hat. Härteren Down South Hip Hop bekommen wir danach mit gleich zwei Titeln geboten, nämlich „MC Hammer“ (feat. Gucci Mane) und „B.M.F. (Blowin‘ Money Fast)“ (feat. Styles P), die mit mächtigen Bässen auffahren, die die Boxen zum Beben bringen. Stilistisch ähneln sich die beiden doch sehr, im Detail betrachtet ist „MC Hammer“ jedoch etwas hochwertiger, da spektakulärer, außerdem passt das Feature in Person von Gucci Mane besser dazu. Wenn es im Rap momentan einen Mann der Stunde gibt, dann wohl Drake. Er ist auf so gut wie jedem Mainstream Album dabei, so auch hier. „Aston Martin Music“ heißt das entspannte Stück, bei dem Drake wie so oft zeigt, dass der Hype um ihn nicht gerechtfertigt ist. Lahmer Flow und furchtbarer Auto-Tune Gesang machen den Song unnötig schlecht, würden Rick Ross und Chrisette Michelle ihn alleine performen, wäre er ganz in Ordnung. Dafür zeigt Raphael Saadiq auf „All The Money In The World“, wie man richtig singt. Im Gegensatz zu den vorherigen Liedern klingt hier wieder alles nach dem sommerlichen Sound aus Florida, perfekter Ausklang.

Die Stilveränderung hat Rick Ross wirklich gut getan, ein Aufschwung zum letzten Album ist deutlich zu erkennen. Zwar werden sich einige den alten Sound zurückwünschen, doch sind wir ehrlich, so ein Trend bekommt immer schnell seine Abnutzungserscheinungen, umso besser dass Rick nicht wieder das Selbe gebracht, sondern sich weiterentwickelt hat. Insgesamt ist „Teflon Don“ bis auf ein paar Ausnahmen durchgehend gelungen, besonders was die Produktionen betrifft, wobei weniger Features wünschenswert gewesen wären. Fans von Rick Ross werden mit diesem Album garantiert wieder ihre Freude haben, auch wenn es so kurz ist. Alle andern müssen für sich entscheiden, ob sie dem entlarvten Officer noch eine Chance geben.

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