Street’s Disciple von „Nas“

Küstler:
Nas
Redaktions-Wertung:
Titel:
Street's Disciple
Release:
29. November 2004
LeserInnen-Wertung:
Genre:

nas-streets-discipline-cd-bewertungendeFast alle großen MCs haben eines: Das Doppel-Album. Etwas überraschend ist dabei, dass es bei Nas 10 Jahre lang dauerte, bis er sein erstes veröffentlichte und sich so zu Namen wie 2Pac, The Notorious B.I.G., Master P, Jay-Z, etc. einreite. Diese Form der Veröffentlichung birgt ja immer die Gefahr zu viele Filler mit auf die 2 Silberlinge zu pressen, wie dies Nas mit „Street’s Disciple“ gelang, wird in der folgenden Rezension erörtert. Was das Gäste-Lineup betrifft, hat sich der gute Nasir Jones nicht lumpen lassen. So sind neben ihm auch Vater Olu Dara und Ehefrau Kelis zu hören, desweiteren sind mit Ludacris, Busta Rhymes, Amerie, Doug E. Fresh, Keon Bryce oder Quan mit von der Partie. Die musikalische Untermalung lieferten Nas‘ alte Weggefährten Salaam Remi und L.E.S., aber auch ein Chucky Thompson von Diddy’s Hitmen schmiedete den ein oder anderen Beat.

Beim Vorgänger „God’s Son“ wurde ja deutlich, dass Nas etwas reifer und ruhiger geworden ist, „Street’s Disciple“ beginnt jedoch eher mit alten Tugenden auf „A Message To The Feds, Sincerely, We The People“, das mit unserer Gesellschaft in die Kritik geht, was durch eine düsteres Instrumental aus tiefen Beats und dramatisch anmaßendem Piano, sowie ein paar E-Gitarrenriffs großartig unterlegt wird. Komplett anders, jedoch ebenfalls ein echtes Schmankerl findet man mit „Nazareth Savage“ vor, dessen Kombination aus ruhigen Passagen mit einem schnellen Basstrommeln für viel Action sorg, Nasty Nas tut sein Übriges und flowt gekonnt darüber. Leider ist auf CD 1 nicht alles so makellos. Songs wie das politische „American Way“ (feat. Kelis) oder „These Are Our Heroes“, das die Vergötterung falscher Personen anprangert, können zwar lyrisch überzeugen, musikalisch fehlt ihnen jedoch etwas das Feuer, sodass sie nur mittelmäßig sind.

Dafür kommt dagegen „Disciple“ wieder mit krachenden Beats, flottem Klavier und klasse aufgelegtem Nas, der die Reime runterspult als gäbe es nichts Leichteres, um die Ecke. Auch das lockere „Sekou Story“ weiß sofort mit seinem jazzigen Sound und den smoothen Flows zu gefallen, leider wechselt nach nicht einmal der Hälfte des Songs das Instrumental in ein eher langweiliges Blues-Stück, über das Nas mit verzerrter Stimme unter dem Alias Scarlett performt, was sich nicht wirklich gut anhört und dummer Weise auch auf „Live Now“ praktiziert wird, welches zwar auch recht schön beginnt, jedoch nicht wirklich toll endet. Generell ist die erste CD sehr durchwachsen. Auch „Rest Of My Life“ (feat. Amerie) und der Bonus Track „You Know My Style“ sind nicht gerade das Gelbe vom Ei und enttäuschen mit schwachen Instrumentals und einem nicht gerade motivierten Nasir Jones, der uns im Gegenzug mit „Just A Moment“ noch ein echtes Meisterwerk abliefert. Seine gefühlvollen Melodien und besonders der großartige Auftritt von Quan, der vor Allem im Gesang seine Stärke hat, sorgen für Gänsehhaut und ein richtig geniales Feeling.

Die zweite CD übertrifft die erste in Sachen Qualität locker. Angefangen „Suicide Bounce“, das seinem Namen alle Ehre macht und mit trommelnden Beats und einer großartigen Violinenuntermalung auffährt und uns zwei MCs in Form von Nas und Busta Rhymes in absoluter Bestform liefert. Das Streichinstrument kommt auch gleich bei „Street’s Disciple“ zum Einsatz. Sie bringt etwas Dramatik und Blues mit ein, Nas liefert mal wieder Flows zum Zungeschnalzen, dazu gibt sein Vater etwas Unterstützung. Eigentlich hat CD 2 nur einen Ausfall zu verzeichnen, nämlich „U.B.R.“, eine Hommage an Rakim, deren Instrumental jedoch wirklich furchtbar geworden ist und daher enttäuscht. Eine andere Legende, nämlich Doug E. Fresh, trifft man auf „Virgo“, einer coolen, etwas im Old-School-Beatbox-Style gehaltenen Nummer, an. Der Song lässt keinen Rap-Fan unberührt und so nickt man unentwegt zu den Rhymes von Nas, Doug und Ludacris.

Entspannt geht es mit dem etwas verträumten „Remember The Times“, das einen mit seinen wundervollen Klängen zum Träumen verleitet, weiter, dem folgt mit „Makings Of A Perfect Bitch“ einer der besten Tracks des Albums. L.E.S. zauberte einen rhythmischen Beat, der einem gar nicht mehr aus dem Kopf geht und den man sich wohl auch ewig anhören könnte. Die meisten dürften ihn wohl nur von Kool Savas & Azad’s „All 4 One“ kennen, doch Nas‘ Version dürfte die bessere sein. Das ruhige „Getting Married“ in Widmung an Kelis und auch das etwas poppigere „No One Else In The Room“ (feat. Maxwell) gehören zu den guten, allerdings nicht herausstechenden Titeln der Platte, dafür aber „Bridging The Gap“, bei dem erneut Olu Dara mit dabei ist und zusammen mit seinem Sohn einen super Country-Blues-Rapsong mit ordentlich Dampf erschuf. Einen ebenfalls mehr als gelungenen Mix aus Soul und Blues findet man mit „War“. Sein Instrumental ist einfach ein Traum. Eine Zusammenkunft aus Trompeten, Piano und Streichern, dazu der Refrain von Keon Bryce und die souveränen Rhymes von Nas – das ist großes Tennis! Das Ende des Albums wird mit dem sehr gefühlvollen „Me & You“, das Nas für seine Tochter Destiny geschrieben hat, eingeleitet und findet mit „Thief’s Theme“, das sich tatsächlich nach einem Gangsterfilm Soundtrack anhört, seinen Abschluss.

Trotz ein paar Ausfällen ist „Street’s Disciple“ ein erneut sehr beachtliches Werk von Nas. Auf zwei CDs liefert uns die Legende aus Queensbridge sowohl persönliche als auch gesellschaftliche Themen, wobei man jedoch sagen muss, dass für die besten Songs auch eine Disc vollkommen gereicht hätte. Nebenbei sollte auch bemerkt werden, dass das Album in einer hochwertigen CD-Box kommt und noch dazu ein Nas-Poster mitbringt. Das bieten heute nicht mehr all zu viele. Fans von Nasir Jones müssen die Platte unbedingt im Regal haben, aber auch andere Liebhaber von gutem Rap aus New York sind hiermit bestens bedient.

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3 Kommentare

  1. Stimmt das Datum (2004)? Und deine Bewertung fehlt noch.

    Sehr guter Text. Ich erkenne das Album sofort wieder, besonders weil Du alles perfekt erklärst, sodass alle Leute, die eben jenes Doppel-Album nicht kennen, sich auch was darunter vorstellen können. Hut ab.

    P.S.
    Ich hab es natürlich auch im Regal stehen – und das Poster hängt an der Wand. 😉

  2. Servus,

    habs mal eben geuppdatet. Ich weiß nicht ob du das alte Design der Page kanntest. Ich habe das Design am Wochenende umgestellt, nur leider sind beim Import nciht alle Sachen übernommen worden. Also denke ENde der Woche ist auch überall die Wertung wieder zu finden und du kannst das Album dann auch selber bewerten.

    Ansosnten stimme ich dir natürlich zu, klasse Review und auch ein sehr nices Album.

    Peace

  3. Gut zu wissen, da ich das alte Design nicht kannte. Aber die Seite steht bei mir sowieso hoch im Kurs. Werde also öfters mal meine Meinung kundtun.

    Bis die Tage…

    … aber keine Sorge, ich komme wieder – keine Frage! 😀

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