Sir Lucious Left Food… The Son Of Chico Dusty von „Big Boi“

Küstler:
Big Boi
Redaktions-Wertung:
Titel:
Sir Lucious Left Food... The Son Of Chico Dusty
Release:
2. Juli 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Lange hat war nichts mehr von OutKast zu hören, nun meldet sich mit Big Boi 50% der Gruppe nach vier Jahren Pause im Rapgame zurück. „Sir Lucious Left Food… The Son Of Chico Dusty“ – was für ein Titel! Bleibt nun nur zu hoffen, dass auch die Musik an alter Erfolge anknüpfen kann. Einen kleinen Wehrmutstropfen gibt es für OutKast-Fans schon im Vornherein, denn Andre 3000 ist aufgrund vertraglicher Probleme nicht mit auf dem Album vertreten, daher müssen wir uns mit der Single „Royal Flush“ begnügen, auf der er gefeaturet war. Als Ersatz hat sich Big Boi massig Stars angekarrt. Neben alten Weggefährten wie Sleepy Brown, Joi oder Khujo Goodie lud der Rapper aus Atlanta noch so manch anderen Star ein, Gucci Mane, B.o.B., Yelawolf oder Too Short sind ein kleiner Auszug aus der langen Gästeliste. Ob zu viele Köche den Brei verderben, oder ob Big Boi die Erwartungen seiner Anhänger erfullt, sehen wir nun.

Mit „Daddy Fat Sax“ geht es nach dem Intro vielversprechend los. Bei dem angesprochenen Daddy handelt es sich um Big Boi selbst, besser gesagt um ein weiteres Alias neben Sir Lucious Left Food. Mit freshem Synthie-Sound aus den Händen von Mr. DJ ausgestattet, wird uns Daddy Fat Sax vorgestellt. Zwar nicht OutKast typisch, dennoch gelungen. Deutlich mehr nach dem guten alten Dungeon Family Stuff klingt da „Turns Me On“, eine entspannte und soulige Nummer, bei der Big Boi’s smoothe Raps mit einem butterweichen Refrain von Sleepy Brown und Joi abgerundet werden. Einfach ein Song zum Genießen. Der ein oder andere ist sicher schon mit der Single „Shutterbugg“ vertraut. Hier hatte Just Blaze seine Finger im Spiel und schmiedete ein Instrumental mit mächtigen Drums, abgefahrenen Einsätzen aus der Elektronik und abgefahrenem Hintergrundgebrabbel. Das Ganze geht schon echt gut ab, Big Boi rhymt mal wieder wie am Fließband, durch den eingesungenen Refrain kommt sogar noch ein Touch Funk hinzu, man kann also von einer sehr abwechslungsreichen Mixtur sprechen. Mit „General Patton“ stellt uns der 35-jährige MC seine harte und kämpferische Seite vor, die mit dem Herz eines Löwen, wie er selbst sagt. Dementsprechend kraftvoll und mächtig wummert die musikalische Untermalung zu den Raps. Locker geht es dagegen bei „Tangerine“ zur Sache, eignet sich auf Grund des packenden Rhythmus aber auch zum Tanzen. Gitarrenriffs prägen den Track, aber auch der Beat und der zum Booty-Shaken animierende Refrain sorgen für ein stimmiges Gesamtbild. Neben Big Boi und Khujo Goodie ist hier auch der selbsternannte King T.I. mit am Start, dessen Flow zwar nicht so geschmeidig rüberkommt wie bei den anderen, doch zum Glück stört das nicht großartig.

Nach dem recht eintönigen „You Ain’t No DJ“ (feat. Yelawolf), das eindeutig in die Kategorie „Geschmackssache“ gehört, folgt eine recht ruhige, teils R’n’B angehauchte Phase, die mit dem nicht all zu spektakulären „Hustle Blood“ mit Jamie Foxx eingeleitet, mit der poppigeren Nummer „Be Still“, bei der Big Boi’s Entdeckung Janelle Monáe dabei ist, fortgeführt. Zwar sind diese Lieder nicht schlecht, fallen aber qualitativ vom Rest der Platte ein Stück ab. Wo man zur Zeit auch hinschaut, oder besser hinhört, ist Newcomer B.o.B. mit am Start, so auch auf Big Boi’s Solo-Debüt. „Night Night“ heißt der von DJ Speedy produzierte Banger, dessen hohes Tempo, der synthetische Beat und die vielen Trompeten, die im Refrain einsetzen, zu einer großartigen Einheit verschmelzen. Auch die Performances machen wirklich Spaß, denn da auch Joi wieder mit am Start ist, bekommt man einiges geboten, das noch dazu an vergangene OutKast Tage erinnert. „Shine Blockas“, das Gucci Mane als Gast bietet, ist wohl das Chilligste, was man überhaupt produzieren kann. Wunderbar melodisch, fast schon verträumt geht es hier zur Sache, von Beginn an schmiegt sich das Instrumental ins Gehör. Gucci Mane’s Rapstyle scheint genau dafür gemacht zu sein, denn trotz begrenzter Skills macht er einen super Job, das gleiche gilt natürlich auch für Big Boi. Zum krönenden Abschluss wird mit „Back Up Plan“ einer der sehr seltenen Solo-Tracks auf den Hörer losgelassen. Man hört sofort den einmaligen Sound der Organized Noize heraus. Neben souligen Elementen ist es besonders die Gitarre mit ihrem südländischen Flair, die dieses Lied zu einem echten Ohrwurm machen, der einem auch hinterher noch lange als eines der Highlights dieses Albums im Gedächtnis bleiben wird.

Es klappt also auch wunderbar ohne Andre! OutKast Fans werden von „Sir Lucious Left Food… The Son Of Chico Dusty“ sicher begeistert sein, aber auch die, die sich bisher nur wenig mit Südstaaten Rap auseinandergesetzt haben, sollten einmal hinein hören. Neben viel Abwechslung und einem frischen Sound bietet das Werk eine fast durchgehend hohe Qualität und stimmige Kollaborationen – das verdient in die Plattensammlung aufgenommen zu werden!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a