Rise Up von „Cypress Hill“

Küstler:
Cypress Hill
Redaktions-Wertung:
Titel:
Rise Up
Release:
16. April 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Lange war es still um Priority Records, doch seit Snoop Dogg vor wenigen Monaten die Chefposition bei der einstigen Vorzeigeplattenfirma übernommen hat, ist man wieder dabei, sich im Rapgame festzusetzen. Seit dem Personalwechsel wurden zwei Alben vom Doggfather persönlich, sowie eine Compilation und Neuauflagen diverser Klassiker auf den Markt gebracht, womit alten und jungen Fans gezeigt werden soll, dass Priority immer noch „the Home of Gangsta Rap“ ist. Wer würde zu einem solchen Konzept besser passen, als die alten Haudegen von Cypress Hill? Ähnlich lange wie Snoop im Geschäft, einzigartig und immer auf der Höhe der Zeit. Sechs lange Jahre, die mit mehr oder weniger erfolgreichen Solo-Projekten ausgefüllt wurden, mussten die Fans des Latino Quartetts auf einen Nachfolger für „Till Death Do Us Part“ warten, nun ist er also da. Stellt sich nun die Frage, ob sie mit „Rise Up“ an Glanzzeiten oder an die Kritik behafteten Alben anschließen.

Betrachtet man im Booklet die erste Fotomontage, so erkennt man dort B-Real und Sen Dog im Vordergrund und viel größer dargestellt als die Kollegen DJ Muggs und Eric Bobo. Das steht fast schon sinnbildlich für das Album, denn all zu großen Anteil hatten die Jungs hinter den Reglern nicht. An lediglich 2 Songs hat Muggs mitgewirkt, der Rest wurde von B-Real und außenstehenden Producern übernommen – man müsste eher von einem B-Real & Sen Dog Album sprechen, als von einer Cypress Hill Platte! Nun aber zum musikalischen Teil. Mit „It Ain’t Nothin'“ poltert ein erstes Ausrufezeichen auf uns zu. Kraftvoll, allerdings ohne große Überraschungen, und vom Style her an B-Real’s 2009er Werk „Smoke N Mirrors“ angelehnt. Da überrascht es auch wenig, dass Young De, der ja auf angesprochener LP seinen Durchbruch feierte, als Feature mit am Start ist. Wie es schon länger von Cypress Hill bekannt ist, haben die Jungs eine Schwäche für E-Gitarren. Lead Single „Rise Up“ lässt es da mächtig krachen, dank Unterstützung von Star-Gitarrist Tom Morello. Zusammen mit den energiegeladenen Riffs laufen B-Real und Sen Dog zu Höchstform auf, man mag gar nicht glauben, dass sie schon jenseits der 30 sind. „Get It Anyway“ setzt dagegen auf eine ernstere Stimmung und emotionale Melodien, die geschmeidig ins Ohr gehen und zeigen, dass man auf „Rise Up“ mehrere Richtungen geboten bekommt.

Was man bei Cypress Hill mit hundert prozentiger Sicherheit immer erwarten kann, sind Songs übers Kiffen. Einen solchen finden wir mit „Pass The Dutch“, das dank Muggs‘ herrlich verrückten Klängen wieder an vergangene Tage erinnert, als die Gruppe aus L.A. mit ihrem hypnotischen Sound zu Helden einer ganzen Generation wurden. Auch „K.U.S.H.“ behandelt eine ähnliche Thematik, kommt musikalisch aber etwas glatter und fröhlicher daher, ist nichts desto trotz ein feines Stück, das gerade in die sommerliche Jahreszeit wie angegossen passt, ebenso wie das temporeiche „Get ‚Em Up“. Linkin Park’s Mike Shinoda produzierte „Carry Me Away“ und stand gleich noch als lyrische Unterstützung parat. Durch eine traurige Gitarrenmelodie wird das Ganze emotional, durch Operngesänge im Hintergrund kommt noch ein mystischer Part hinzu, eine perfekte Grundlage für Sen Dog und B-Real die harten Tage ihres Lebens Revue passieren zu lassen – Gänsehautatmosphäre garantiert! Ob „Trouble Seeker“ für jeden das Richtige ist, ist eher zweifelhaft, denn es rockt verdammt hart, für manchen sicher zu hart. Zwar ist man aus der Vergangenheit die Rap/Metal Fusion von Cypress Hill gewohnt, doch es gab nicht immer nur Befürworter dieses Stils. Toleranz ist also gefragt. Nachdem man mit Everlast den bedrückenden, leider aber auch recht eintönigen Track „Take My Pain“ gehört hat, beginnt die Endphase von „Rise Up“. Besonders das locker flockige und sehr funky anmaßende „Armed & Dangerous“ lässt dabei die Sonne Kaliforniens aus dem Speaker scheinen und verbindet Gangsta Rap mit entspannter Atmosphäre. Ein ähnliches Feeling kommt bei dem im Latin Stil gehaltenen „Armada Latina“ (feat. Pitbull & Marc Anthony) auf. Mehr von diesem Kaliber wäre wünschenswert gewesen, doch auch so hinterlässt „Rise Up“ einen mehr als guten Eindruck nach seinem Ausklang.

Ein solch starkes Comeback hätten wohl nur die wenigsten Cypress Hill zugetraut. Sicher, die Platte ist bei Weitem nicht perfekt und bietet neben den vielen Lichtblicken auch den ein oder anderen unspektakulären Song, aber das Gesamtbild passt, auch wenn sich sicher viele Fans mehr Beats von Mastermind DJ Muggs gewünscht hätten. B-Real und Sen Dog präsentieren sich nach wie vor hungrig am Mic, große Innovationen in Lyrik und Sound sollte man jedoch nicht erwarten, was man aber auch positiv auslegen kann. Bleibt im Endeffekt zu sagen, dass die langjährigen Anhänger sicher zufrieden gestellt werden, aber auch Neulinge können an den rockenden Rappern mit sehr großer Wahrscheinlichkeit Gefallen finden.

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