Kritik | Raw And Un-Kutt von “Kutt Calhoun”

Küstler:
Kutt Calhoun
Redaktions-Wertung:
Titel:
Raw And Un-Kutt
Release:
25. Juni 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Nach den beiden Crews Skatterman & Snug Brim und Project: Deadman war Kutt Calhoun der erste Solo-Artist nach Tech N9ne, der auf Strange Music sein Debüt veröffentlichte. Das war 2004, das Album hieß „B.L.E.V.E.“. Mittlerweile sind einige Jahre verstrichen, Kutt blieb seinem Label jedoch immer treu und darf zum Dank nun sein bereits drittes Werk „Raw And Un-Kutt“ an den Mann bringen. Im Gegensatz zu seinen Kollegen Tech N9ne, Krizz Kaliko oder Brotha Lynch Hung ist Kutt ja nicht gerade dafür bekannt besonders abgedrehte Texte und düstere Sounds zu präsentieren, sondern eher etwas mit dem Mainstream anzubandeln. Das hat sich auch für „Raw And Un-Kutt“ nicht geändert, schauen wir mal, ob dieser Plan aufgeht.

Wer Kutt bisher noch nicht kannte, der wird mit „That’s Kutt Calhoun“ gleich zu Beginn eines Besseren belehrt. Besonders die hart pumpenden Bässe und die Robo-Stimme im Refrain drücken dem Track ihren Stempel auf und sorgen für einen Einstand nach Maß. Nach dem lockeren „Get Kutt“ mit etwas West Coast Flavor erreichen wir die erste Single „Naked (Boom Boom Room)“. Schon der Titel verrät, dass es sich hier nur um das Eine dreht, dank des simplen Rhythmus und den straff hämmernden Beats entsteht daraus ein recht ordentlicher Club Smash, der durch die Anwesenheit von Tech N9ne und Krizz Kaliko noch etwas verfeinert wird. „Only Knew“ (feat. Bishop Young Don & D-Skanless) ist lyrisch zwar auch nicht wesentlich interessanter als das, was Kutt uns bisher geboten hat, dafür ist der Sound wirklich cool, hat ein bisschen was von gechilltem G-Funk, dazu eine Prise R&B, die das Ganze abrundet und fertig ist ein sommerliches Stück, bei dem in erster Linie die Ladies angesprochen werden. Leider muss sich Kutt Calhoun den Vorwurf gefallen lassen, dass seine Texte nicht nur bisher, sondern eigentlich über das komplette Album gesehen ziemlich belanglos sind, da wird es auch für die Producer schwer, eine gute Atmosphäre aufzubauen, wie wir es sonst von Strange Music gewohnt sind. Gute Beispiele wären da die nächsten Lieder „Buy The Bar“ (feat. Nesto) oder „Flip Cam“ (feat. 816 Boyz), die zwar ordentlich Power haben, aber eben nichts wirklich Besonderes, das dazu führt, dass man sie länger im Kopf behält. Besser gelang da „Kansas City Shuffle“, das eine Spur dunkler klingt als der Rest, besonders der pompöse Refrain im Opern-Stil ist eine Wucht und reißt mit.

Eines der besten Stücke des Albums liefert Kutt Calhoun mit „Hey Hey Hey (Raw And Un-Kutt)“ ab. Ähnlich wie bei seinen restlichen, besseren Songs, ist es erneut die Art und Weise, wie die Energie, die darin steckt, einen packt und nicht mehr los lässt. Egal ob die kraftvolle Produktion, der gut abgestimmte Flow von Kutt oder der aggressive Hook mit „Mit-Mach-Garantie“ – alles passt gut zusammen und gibt Strange Music Fans genau das, was sie haben wollen. Behäbig und dunkel wummert „Flip It Ova“ aus dem Subwoofer, wirkt mysteriös, durch den gescrewten Part im Refrain sogar ein bisschen böse, endlich mal ein Track, der Abwechslung in das sonst recht eintönige Titelverzeichnis bringt. Recht soft geht es mit „She Wants Me“ weiter. Worum es hier inhaltlich geht, dürfte jedem klar sein. Genau so unspektakulär wie die Thematik zeigt sich da das Instrumental mit viel R&B Einfluss, da kann auch Altmeister Too Short nicht mehr rausholen als ein passables Endergebnis. Mit schrägen Sounds, die ein bisschen nach alten Horror-Schinken klingen kann „Laughing Stock“ überzeugen. Das Tempo ist hierbei ziemlich hoch gehalten, dazu klingen die Flows von Kutt und Feature Craig Smith richtig nice, auch ihr überhebliches Gelächter im Refrain ist ein richtig cooles Element, das hervorragend passt. Nach dem verdammt lässigen „You Don’t Wanna Funk“ (feat. E-40 & BG Bulletwound), das besonders für das Pumpen im Auto geeignet scheint, darf sich zunächst Joe Budden neben Kutt auf dem heroischen „Redemption“ auszeichnen, danach greift Brotha Lynch Hung ins Geschehen ein. Passend zum düsteren Piano, das fast schon dramatisch klingt, heißt das Stück „Dark Knights“, ein Song, von dessen Kaliber auf „Raw And Un-Kutt“ ein paar mehr wünschenswert gewesen wären. Zum Ende kommen wir mit „Somethin’s Gotta Give“ (feat. Tech N9ne) und „Calling My Name“ (feat. Barbara Ward) noch in den Genuss von zwei ernsteren Liedern, die die ordentliche zweite Albumhälfte gut ausklingen lassen.

An einigen Songs erkennt man deutlich, dass Kutt es wirklich drauf hat gute Musik im Stile seines Labels zu machen, andere wiederum sind langweilig und unbedeutend, daher reicht es für den Rapper aus Kansas City leider nicht zu einer völlig überzeugenden Wertung. Ein Reinfall ist „Raw And Un-Kutt“ sicher nicht, aber eben auch nicht so gut, wie es vielleicht hätte sein können, hätte Kutt sein Potential durchgehend abgerufen. Für Strange Music Fans sicher trotzdem Pflicht, Neueinsteiger sollten lieber einmal mit den letzten Releases von Tech N9ne beginnen.

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