Product Of The 80’s von „Prodigy“

Küstler:
Prodigy
Redaktions-Wertung:
Titel:
Product Of The 80's
Release:
31. Oktober 2008
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

prodigy-product-of-the-80s-cd-bewertungendeEs scheint, als hätten sich Mobb Deep die Kritik an ihrem „Blood Money“-Desaster zu Herzen genommen, denn seit ihrem Debüt bei der G-Unit kamen nur noch Solo-Alben und wie wir wissen, stehen sie als einzelne Künstler nicht bei 50 unter Vertrag und dürfen somit weiterhin die Musik machen, die sie wollen. „Return Of The Mac“, „The Kush“ und „H.N.I.C. Pt. 2“ waren jetzt zwar alle keine Meisterwerke, dennoch Balsam für die Fans. Auch wenn Prodigy nun für längere Zeit hinter schwedische Gardinen muss, hindert es ihn nicht daran, noch ein Konzeptalbum mit dem Titel „Product Of The 80’s“ auf den Markt zu werfen. Mit dabei die Kollegen Un Pacino und Big Twins, auch bekannt als Twin Gambino, die wir schon von seinen alten Alben kennen, hier ebenfalls recht häufig zum Einsatz kommen.

Das freshe Cover der Platte hält dabei, was es verspricht. Sowohl Ausflüge in die 80er werden gemacht, als auch düsterer Ghettosound wird geboten. Das Intro ist eigentlich zu vernachlässigen, bis auf diese Worte: „From the era of the 70’s, but this is for my people, that was born in the 80’s“ – ich fühle mich geehrt! Danach geht es richtig los, wenn der düstere Brecher „Waddup Gz“ anfängt zu pumpen. Es ist ein Banger wie ihn Prodigy’s Partner Havoc nicht besser hätte basteln können, umso überraschender, dass er von Sid Roams stammt. Welch ein genialer Beginn! „Shed Thy Blood“ ist insgesamt eine Spur melodischer, nichts desto trotz hat auch dieser Song eine verdammt dunkle Note. Unterstützung erhält P hier von Un Pacino, der zwar nicht als großer MC in die Geschichte eingehen wird, sich jedoch ganz gut einfügen kann.

Im gleichen Stil geht es mit „Box Cutters“, dessen bedrückende Klänge und Atmosphäre einen in Glauben versetzen, man befände sich in einem Albtraum, weiter. Besonders das kratzige Organ von Big Twins, aber auch Prodigy’s Stimme, verstärken das Ganze noch und sorgen für ein unheimliches, aber tolles Gänsehautfeeling. Nach dem ebenfalls alles anderen als seichten „Catch Body Music“ geht es mit „P Keep Spittin“ weiter. Es dreht sich um Prodigy’s Liebe zum Rap, er selbst beteuert ewig weiter zu rappen, egal was kommt. Untermalt wird dies von einem recht ruhigen und angenehmen Beat, aber auch sehr schrägen Synthesizer-Tönen. Definitiv eines der Highlights des Albums. „Test Tube Babies“ wäre ein weiterer sehr böse wirkender Track, danach folgt eine Phase, die sich etwas am Sound der 80er orientiert und somit den Albumtitel in die Tat umsetzt.

Los geht es mit „Cold World“. Eingeleitet von sehr elektrischen, sogar poppigen Melodien, die im Refrain immer wiederkehren, fortgeführt mit einem finsteren Teil während der Strophen, wirkt dieses Lied wie eine Art Übergang zwischen den Styles. „Anytime“ hat einen Beat, der sich nach 80er Jahre Disco Sound anhört, also recht schlicht, dennoch sehr rhythmisch. Hinzu kommen richtig freshe Töne aus der Elektronik, die die Rhymes von Prodigy und Un Pacino unterlegen. Meine persönlichen Highlights von „Product Of The 80’s“ findet man mit den darauffolgenden Songs. „Stop Stressin“ ist ein wahrer Knaller, 80er Jahre-Pop-Sound inklusive. Das Instrumental ist ein Traum, flotte Beats, tolle Synthesizer Pop-Elemente, klingt eigentlich gar nicht unbedingt nach Hip Hop, macht dank Prodigy’s Raps dann aber doppelt Spaß. Für mich ist das „GTA: Vice City“ auf Rohling gepresst!

Komplett anders, nämlich verrucht, dreckig und erotisch ist „Damn Daddy“ gehalten, dementsprechend langsam, melodisch und sinnlich ist die Produktion. Hier rhymen alle drei Jungs vom Cover gemeinsam, natürlich über das weibliche Geschlecht. Als Höhepunkt wird man von einer Lady im Hook angeschmachtet, was für ein toller Hecht man doch ist. Sündhaft geht es gleich weiter, nämlich mit „Sex, Drugs & Murder“. Passend zu diesen drei „Dämonen“ ist der Song sehr mystisch und dunkel gehalten. Neben dem pumpenden Beat sind eine Orgel und leise Frauengesänge für den Sound verantwortlich, was sehr gut rüberkommt und die Stimmung von Prodigy, Un Pacino und Big Twins in die heimische Anlage befördert. „In The Smash“ geht wieder in die Vergangenheit, sprich 80er Style passend zu dem tollen Cover. Aufgrund seiner ruhigen Art und der angenehmen Klänge eignet sich das Lied besonders gut zum Entspannen, doch auch aufmerksames Anhören lohnt sich.

Wie auch so einige andere Songs hat „Circle Don’t Stop“ diesen düsteren Albtraum-Horror-Beigeschmack, wirkt unheimlich, aber gut und wieder einmal ist es Big Twins mit seiner Reibeisen-Stimme, der besonders gut dazu passt, doch auch die ebenfalls vertretene Sängerin Chinky und natürlich P lassen nichts anbrennen. Gut abgerundet wird das nun endende Album mit „Am I Crazy?“, das seinem Namen alle Ehre macht und eine verschickte Ghetto-Atmosphäre aufbaut. Der angehängte Bonus Track „They Want Me Dead“ zusammen mit Un Pacino’s Gruppe Hard White schließt das Ganze dann ab.

Auch wenn diese Platte überraschend früh kam, ist sie verdammt stark geworden und bietet den bedrückenden und düsteren Mobb Deep Style, dabei ist Havoc nicht einmal dabei! „Product Of The 80’s“ lässt sich eigentlich ohne Probleme durchhören, leider fehlt es an absoluten Krachern, von denen nur wenige vorhanden sind, dafür sind die neuen alten 80er Styles sehr gelungen. Für mich ist diese Scheibe definitiv eines der East Coast Highlights 2008, aber auch andere sollten garantiert ihre Freude daran finden, besonders Fans von P sind mit einem Kauf sehr gut beraten.

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