Murs For President von „Murs“

Küstler:
Murs
Redaktions-Wertung:
Titel:
Murs For President
Release:
3. Oktober 2008
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

murs-murs-for-president-cd-bewertungendeMaking Underground Raw Shit – das steht für Murs. Mittlerweile ist der 30 jährige aus Los Angeles seit 1997 im Geschäft, doch so wirklich Aufmerksamkeit bekam er bisher nie. Das könnte sich nun mit „Murs For President“ ändern, welches das nun sage und schreibe 13. (!) Album, inklusive der Kollaborationen, von ihm ist. Murs ist nicht der typische L.A. Gangbanger, reiht sich also nicht zu N.W.A, The Game oder den Chicanos ein, sondern gehört zu einer eher seltenen Spezies in der Stadt der Engel, wie Dilated Peoples oder Jurassic 5, die sich über die Inhalte ihrer Texte definieren und nicht die Kaliber ihrer Waffen.

Mit dem alten Kollegen 9th Wonder wurde der Opener „I’m Innocent“ eingespielt, eine eher unmelodische Nummer, die sich hauptsächlich durch ihre Soul-Samples und natürlich die hungrigen Raps auszeichnet. Einen ersten richtigen Kracher erlebt man mit „Lookin‘ Fly“, welches mit will.i.am eines der nur sehr seltenen Features des Albums bietet. Tiefe Kickbeats treffen hier auf freshe Synthies und flotte Beats und eine Art Kindergesang im Hook, in dem Murs seine ganze Klasse aufblitzen lässt. Ein will.i.am kann da natürlich nicht ganz mithalten, ist dennoch eine nette Ergänzung. „The Science“ hingegen verleitet mit smoothem Flötenspiel und entspannten Raps eher zum Chillen und zeigt, dass auch auf die Abwechslung bei diesem Werk geachtet wurde. Scoop DeVille, der ja auch beim letzten Album von Snoop Dogg kräftig mitgemischt hat, produzierte mit „Can It Be (Half A Million Dollars And 18 Months Later)“ eine leicht schon dramatische Nummer, die durch ihr hohes Tempo zum kraftvollen Ohrenschmaus wird und als Höhepunkt noch Vocal-Samples vom jungen Michael Jackson („I Wanna Be Where You Are“, 1972) beinhaltet – große Klasse!

„Road Is My Religion“ zeigt ein weiteres Mal, wie viel man sich für „Murs For President“ hat einfallen lassen. Treibende Beats gepaart mit E-Gitarrenriffs erwartet man wohl nicht unbedingt auf einem Album aus Los Angeles, wirken dennoch nicht Fehl am Platz, im Gegenteil. Auch der gute alte Funk kommt nicht zu kurz. Ihn erlebt man auf dem verdammt entspannten, aber auch richtig groovenden „Sooo Comfortable“, bei dem auch Murs mal etwas relaxter zu Werke geht und durch Altmeister Kokane und seiner kratzigen Stimme ergänzt. Insgesamt ein großartiger Song, der besonders der etwas älteren Generation gefallen dürfte. Klavier, Claps und Letoya Williams mit Chor im Hintergrund geben „Time Is Now“ eine Gottesdienst artige Atmosphäre, allerdings eine sehr positive und angenehme. Als Gast ist hier noch der Doggfather höchstpersönlich vertreten und so rappen Snoop und Murs passend entspannt zu diesem klasse Instrumental, sodass man sich fast wünscht, sie würden öfter gemeinsame Sache machen.

Nachdem sich Nottz mit „Think You Know Me“ und „Me And This Jawn“ als Produzent zweier melodischen Smashes, bei dem besonders erstgenanntes überzeugt, auszeichnen durfte, darf nun 9th Wonder wieder sein Können beweisen. Sein „Love And Appreciate“ beinhaltet einige Instrumente wie Streicher oder Schlagzeug, kommt ruhig und sehr emotional daher und auch die Kombination Murs/Tyler Woods macht auf diesem Lovesong alles richtig. Auch „Breakthrough“ stammt aus den Händen des neunten Wunders und ist ebenso angenehm anzuhören, ist allerdings etwas flotter und dynamischer und so macht es durch die tolle musikalische Untermalung noch mehr Spaß Murs zuzuhören und so endet „Murs For President“ fast schon etwas zu früh, den man könnte die Platte ewig weiter im Player rotieren lassen.

Murs war schon immer anders und ist es zum Glück auch jetzt noch geblieben. Wer ein typisches West Coast Album a lá „LAX“ erwartet liegt falsch, doch das tut ein Kenner seiner Musik ja eh nicht. Im Großen und Ganzen ist das Album durchgehend gut, muss jedoch auch den ein oder anderen mittelmäßigen Song verkraften, allerdings bleiben Zeigefinger und Skip-Taste verschont. Wer auf intelligenten Rap ohne die üblichen Posereien, unterlegt mit schönen und frischen Instrumentals steht, der sollte sich „Murs For President“ unbedingt einmal auf den Wunschzettel setzen.

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