Murder Was The Case von „Gucci Mane“

Küstler:
Gucci Mane
Redaktions-Wertung:
Titel:
Murder Was The Case
Release:
15. Mai 2009
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

gucci-mane-murder-was-the-case-cd-bewertungendeGucci Mane verlies bereits vor über 2 Jahren sein altes Label, dennoch scheint Big Cat Records noch lange nicht genug von seinem alten Star zu haben. Nachdem vor einigen Monaten ein Best Of veröffentlicht wurde, kommt nun ein Album mit bis dato unveröffentlichten Aufnahmen des Rappers aus Atlanta auf den Markt. Verantwortlich ist dafür natürlich Labelboss Big Cat persönlich, aber auch Dr. Dre‘s langjähriger Protegé Mel-Man ist einer der ausführenden Produzenten. „Murder Was The Case“ ist der harte Titel dieser Scheibe und gar nicht mal so unangebracht, denn Gucci hat tatsächlich ein Menschenleben auf dem Gewissen, wurde aber frei gesprochen, da es sich um Notwehr handelte. Neben der üblichen Selbstdarstellung überraschen die Lyrics ein wenig, denn man bekommt von Gucci Mane tatsächlich auch etwas Gangstarap geboten.

Los geht es allerdings in üblicher Manier, nämlich mit einem Partytrack namens „Runnin Back (Getting Fat)“. Wer denkt, bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um einfache Resteverwertung, wird hier gleich eines Besseren belehrt, denn der Track ist eine echte Bombe. Nicht nur die sehr synthiehaltige Produktion pusht ordentlich nach vorne, auch Gucci Mane geht überraschend gut ab, mit einem temporeichen Flow, den man so heute kaum noch von ihm kennt. Komplett ins Gegenteil läuft “ Hot!“ über. Eher schwerfällig und behäbig wummert der Track auf einen zu, ist dabei angenehm melodisch und chillig. Gucci rappt dementsprechend ruhig, allerdings muss man wirklich ein Fan seiner Stimme und seines Rap Styles sein, um diesen Track genießen zu können. Leider folgt auch dieses Album der Regel, dass Gucci Mane immer wieder schwaches Material bietet, so geschehen z.B. bei „Block Party“, das eher zum Gähnen als zum Tanzen animiert.

Dass der Junge aus ATL auch eine toughe Seite hat, bekommt man mit „Murder For Fun“ zu spüren. Düster, basshaltig, langsam und böse dröhnt hier die Elektronik im Hintergrund zu den harten Lyrics des Gucci Mane, als Kontrast dient der Refrain von Feature Ox und dessen jamaikanischen Dialekts. Selbst über die harte Jugend wird uns hier von Gucci Mane berichtet. Sicher, er wird nie in die Geschichte als großer Poet eingehen, interessant ist es dennoch, vor Allem, da er heutzutage ja fast nur noch über Cash rappt. Unterlegt werden seine Verse mit einer überraschend fröhlichen Kombination aus Bläsern und Beat, die dem Ganzen jedoch etwas die Brisanz nimmt. Für etwas Abwechslung sorgen ein paar E-Gitarrenriffs, die jedoch auch mächtig von Synthesizer Effekten unterstützt werden. „Yella Diamonds“ heißt das Stück, das allerdings nach einer Weile etwas eintönig wird.

Bei „Get Low (Like A Lambo)“ (feat. Selassie) treffen zwei Welten aufeinander. Zwar handelt es sich um eine wirklich gelungene Uptempo Nummer, die für gute Laune sorgt, allerdings muss man dabei auch auf Durchzug schalten können, denn die Texte, in denen Frauen mit Autos verglichen werden, sind doch mehr als dämlich. Bis hier hin war die Platte überraschend gut, vor Allem wenn man bedenkt, dass es sich um Aufnahmen aus dem Archiv handelt, die für andere Platten als zu schlecht empfunden wurden. Das recht relaxte „Say Damn“ ist das letzte wirklich überzeugende Lied, danach fällt die Qualität mit dem übertrieben düsteren und auch etwas einschläfernden „Cuttin Fingaz Off“ kontinuierlich ab, denn auch die letzten beiden Songs „Gangs“ (feat. Biz) und „Shittin Onum“ reißen wirklich keine Bäume aus.

So hundert Prozent überzeugte bisher noch kein einziges Album von Gucci Mane, umso verrückter, dass gerade „Muder Was The Case“ zu den besseren Werken in seiner an Highlights doch sehr überschaubaren Discografie gehört. Sowohl von den Produktionen her als auch von den Lyrics zeigt sich die Scheibe so abwechslungsreich, wie kaum ein zweites seiner Alben, allerdings muss man auch festhalten, dass weder das eine, noch das andere wirklich neu oder gar außergewöhnlich ist und in Zusammenhang mit dem ein oder anderen Lückenfüller ein Gesamtbild ergibt, dass über das Prädikat „ganz ordentlich“ nicht hinweg kommt. Wer noch nichts von Gucci Mane hat und dies gerne ändern möchte, liegt mit „Muder Was The Case“ ganz richtig, alle anderen verpassen nicht all zu viel.

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