Monsterifik von „Big Scoob“

Küstler:
Big Scoob
Redaktions-Wertung:
Titel:
Monsterifik
Release:
15.09.2009
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

big-scoob-cd-bewertungen-de.jpgWenn man erst mit 35 seinen ersten größeren Release feiern darf, lässt dass den Verdacht aufkommen, dass wohl eher gute Connections anstatt wirklich Talent zum Plattenvertrag geführt haben, wenn man dann auch noch beim Label vom Jugendfreund gesignt ist, wird diese Vermutung nur noch weiter bekräftigt. Genau dies ist bei Kansas City Rapper Big Scoob der Fall. Man darf nun nicht denken der Mann habe nichts auf dem Kasten, allerdings ist es sicher auch nicht so, dass die Welt auf einen MC seines Kalibers gewartet hat. Der angesprochene Jugendfreund ist kein geringerer als Midwest Chief Tech N9ne, das dazugehörige Label selbstverständlich Strange Music, das mit „Monsterifik“ seine bereits dritte Veröffentlichung im Jahr 2009 feiern darf. Von Big Scoob bekommt man Stories über seine Erfahrungen, das Leben im Ghetto, aber wie es für Strange Music üblich ist auch mal gerne einen Track, bei dem es sich nur um Alkohol und andere Sünden dreht zu hören.

Nachdem man sich im Intro selbst zum besten Label und Rookie Of The Year gekürt hat und so zwangsläufig die Erwartungen etwas anhebt, geht es mit „Big Fella“ so richtig los. Dicke Kickbeats, maskuline Hintergrundmelodien und ein gescreweter Part im Refrain lassen ein wenig Dirty South Style aufkommen, auf Dauer macht sich leider etwas Eintönigkeit breit. Nicht großartig anders ist es bei dem nächsten Titel „Bet I Don’t“ (feat. Txx Will & B Legit), das sicher auch seinen Unterhaltungswert hat, aber eben keinen vom Hocker haut. Nach diesen Ausflügen in den Süden wird beim Titelsong „Mosterifik“ wieder der typsische Strange Music Sound ausgepackt. Leicht düstere Elemente, besonders Streicher, gemixt mit einem etwas fröhlicheren Part, einer Orgel, dazu mächtige Synthies und hinter dem Mic die Labelmates Krizz Kaliko und Tech N9ne, wobei letztgenannter die anderen deutlich in den Schatten stellt. Dem folgen mit „Don’t Get Stompt“ (feat. Tech N9ne) und „Take Aim“ leider recht belanglose Tracks, die einem so langsam aber sicher klar machen, dass man es hier mit einem Durchschnittsalbum zu tun hat.

Überraschenderweise geht es danach mit der Formkurve etwas nach oben. „Bring It To Tha Table“ erfindet die Musik zwar auch nicht neu, klingt vom Sound her auch wieder total nach Südstaatenrap, macht seine Sache dennoch sehr gut, besonders der Refrain ist gelungen, selbst der nicht all zu elegante Flow von Skatterman lässt sich hören. Mit einer nachdenklichen Nummer in Form von „Only Know Hard“ geht es zum ersten Mal auf dieser Platte etwas zurückhaltender zur Sache. Ruhige Klänge, etwas Blues und smoother Gesang von Krizz Kaliko, was für ein gutes Feeling sorgt. Big Scoob bringt die Erfahrungen seines Lebens mit ein, als Highlight erzählen auch noch die Memphis Legenden 8Ball & MJG wie es auf der Straße so zugeht. Getoppt wird dies von „Breathe Again“, ebenfalls ein emotionales Stück. Hier sorgen ein gefühlvolles Klavierstück und Claps für die besonnene, aber auch kraftvolle Stimmung und wieder einmal ist es ein Gesangspart, der das Ganze abrundet, allerdings muss man auch an Big Scoob ein dickes Lob aussprechen. Seine Lines hier gehören zu den besten von „Monsterifik“.

Nach einem flotten, gar fröhlichen Song mit „Reflektions“ und Dealer-Vergangenheiten auf „D-Boy“, bei denen jeweils Krizz Kaliko dabei ist, trifft man im hinteren Teil des Albums auf die spaßigen Seiten des Lebens. Los geht’s mit „Let Me Holla At Cha“, einer Art Mixtur aus Snap und Crunk, nicht wirklich ein Hit, aber auch kein Totalausfall. Deutlich besser ist da „Doe Doe Doe“. Mit viel mehr Schwung und Power geht es hier zur Sache, sowohl Beat als auch die freaky Töne aus der Elektronik reißen doch wesentlich mehr mit und verführen mit freshem Groove zur körperlichen Mitbewegung. Als Gäste sind die noch sehr unbekannten J Richter, Boogie Man und 1ton dabei und machen mit ihren lockeren Versen einen ebenso ordentlichen Job wie Scoob. Wenn es um den Konsum alkoholischer Getränke geht, ist Tech N9ne nicht weit und so berichtet er auf dem nicht all zu ernst zu nehmenden „Salue“ erneut, wie gerne er sich volllaufen lässt. Sicher kein Vorbild, aber das will man bei Strange Music auch nicht unbedingt sein. Sein Ende findet „Monsterifik“ ebenfalls in dieser Art. „How We Party“ beendet die Platte mit einem echten Banger, der tatsächlich verdammt Lust aufs Feiern macht.

Nach dem überragenden „Sickology 101“ und dem durchaus gelungenen „Genius“ liefert uns Tech N9ne’s Label Strange Music mit „Monsterifik“ eine nur mittelmäßige LP ab. Der gewohnt harte und teils auch geheimnisvolle Style dieser Plattenfirma fehlt etwas, das ist jedoch nicht all zu tragisch, denn man will ja auch Abwechslung geboten bekommen. In diesem Falle sind die Produktionen meist nichts Besonderes, bei manchen hat man auch das Gefühl, dass sie sich wiederholen, noch dazu ist Big Scoob nicht gerade ein Monster am Mic, das noch viel retten hätte können. Insgesamt ein ganz nettes Album für zwischendurch, aber im Endeffekt auch nicht mehr als eine kleine Überbrückung der Wartezeit auf Tech N9ne’s neues Album „K.O.D.“.

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