Monster von „Killer Mike“

Küstler:
Killer Mike
Redaktions-Wertung:
Titel:
Monster
Release:
26. Mai 2003
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

killer-mike-monster-cd-bewertungendeSchon länger war Killer Mike mit den Jungs von OutKast und der Dungeon Family unterwegs, bis etwas verspätet sein Debüt „Monster“ im Jahr 2003 den Weg in die Regale der Händler fand. Während Big Boi und Andre 3000 mit ihrem „Speakerboxxx/The Love Below“ völlig neue und teils auch wirre Wege gingen, blieb man hier beim gewohnten Style aus dem Dunstkreis der Dungeon Family. Verantwortlich dafür die Produzenten aus ihrem Umfeld, aber auch andere Leute wie Cool & Dre oder Lil Jon passten sich hier an, anstatt zu versuchen den Songs ihren komplett eigenen Stempel aufzudrücken. Lyrische Unterstützung erhielt Mike von Big Boi, Bizarre, Slimm Calhoun, T.I., Bun B oder Bone Crusher, größtenteils zeigt er sich jedoch als Alleinunterhalter, was mir sehr gut gefällt.

Der Opener und gleichzeitig auch Titelsong „Monster“ eröffnet das Album passend, nämlich eher bedrückend und düster, was perfekt zum Artwork des Werkes passt. Killer Mike überzeugt gleich von Beginn an mit schnellen und bissigen Raps, besonders der Refrain macht Spaß. Gut weitergeführt wird dies mit „Akshon (Yeah!)“, das von Andre 3000 produziert wurde, der ein elektrisches Bassfeuerwerk kreierte, dem noch den ein oder anderen freshen Synthie-Ton hinzugefügt hat, was sich als Ganzes sehr nice anhört. Bei „Rap Is Dead“ wird man mit schnellen Bässen und Melodien, nicht zu vergessen dem engagierten Mike, befeuert, was sofort mitreißt, auch weil die Kombination aus flotten Rhythmen und eher dunklem Sound sofort zu gefallen weiß und an den beliebten Style des Dungeons erinnert. Nach dem eher entspannten und sehr von ruhigem Piano geprägten „Scared Straight“, packt Killer Mike seine etwas emotionalere Seite aus.

„All 4 U“ heißt das Stück, das seiner Nichte gewidmet ist. Das Instrumental wird hauptsächlich von einer singenden Computerstimme im Hintergrund gestaltet, dazu kommen noch entspannte Grooves von diversen Instrumenten wie Schlagzeug oder E-Gitarre, was alles zusammen kombiniert eine doch sehr angenehm anzuhörende Nummer ergibt. Hitsingle „A.D.I.D.A.S.“ verkörpert genau das, was die Fans so am OutKast Umfeld lieben, nämlich fröhliche und verdammt funky Klänge, die so gar nichts mit dem Rest des immer langweiliger werdenden Atlanta gemein haben. Besonders Big Boi gefällt mir hier, Mike macht aber auch nichts falsch, als i-Tüpfelchen verfeinert Sleepy Brown den Refrain noch mit seiner einmaligen Stimme. Etwas überraschend war für mich der Auftritt von D12 Rapper Bizarre auf „Creep Show“, da er ja normalerweise komplett versagt. Perfekt produziert kommt der Track um die Ecke, denn er hat tatsächlich einen Touch von Freak Show oder einem Horror Zirkus. Killer Mike übertrumpft Bizarre zwar locker, doch da man weiß, das der MC aus Detroit ziemlich durchgeknallt ist, fügt er sich perfekt zur musikalischen Untermalung ein.

Trommelnde Beats und Streicher, die einen leichten asiatischen Touch versprühen begleiten Mike bei „U Know I Love U“, wozu er mit einem verdammt eleganten Flow darüber geht, der einen richtig fesselt und auch der Hook von Sänger J-Sweet ist sehr eingängig und verleitet zum mitsingen. Das wohl beste Stück der Platte findet man mit dem Kracher „Home Of The Brave“, bei dem auch noch Dungeon Family Kollege Slimm Calhoun vertreten ist. Imposante Bläser und Geigen treiben den Song ordentlich nach vorne und sorgen für mächtig Power. Killer Mike versteht sich perfekt diese Kraft des Instrumentals umzusetzen und rappt als gäbe es keinen Morgen, besonders sein Refrain ist eine Wucht und lässt einen fast glauben, dass Atlanta, Georgia eine Macht im ernstzunehmenden Rap Business wäre. Nebenbei liefert auch Slimm Calhoun einige tolle Verse. Zur Entspannung taugt da „Blow (Get Down)“ ganz gut, das sehr melodisch, etwas funky und sehr von Bläsern geprägt ist, insgesamt jedoch nicht wirklich zu den Highlights zählt.

„Sex, Drugs, Rap & Roll“ verbindet sowohl Blues als auch Rock. Während der Strophen dominert eine Südstaaten typische E-Orgel, nebenbei hört man noch ein paar E-Gitarren, die jedoch erst im Hook ihre ganze Power entfalten und Mike zu den Riffs schon fast schreit. Sicher nicht jedermanns Sache, ich finde es recht gut. Dem folgt leider ein ziemlich langweiliges Stück namens „Dragon“, das doch eine Spur zu langsam geworden ist, auch wenn es voller Emotion steckt. In die etwas crunkere Richtung geht „Re-Akshon“, das von Lil Jon produziert wurde und der zum Refrain auch noch etwas Gebrüll hinzusteuert. Sehr basshaltig pumpt das eher düstere Lied, bei dem zunächst T.I. das Mic ergreift und mit recht gutem Flow überzeugt, leider passt seine Stimme hier überhaupt nicht, ganz im Gegensatz zu Bone Crusher, der sich im Refrain perfekt mit Lil Jon ergänzt. Bei den Strophen macht Mike selbst den besten Job, doch auch Bun B lässt sich nicht lumpen. Wer die Geduld hat wird nach einer gewissen Zeit der Stille auf Tonspur 30 den Bonus Track „Hard Nard“ finden, der mir persönlich aufgrund seines doch zu harten und unmelodischen Rock-Sounds nicht wirklich gefällt.

Killer Mike und seine Homies haben bei „Monster“ wirklich gute Arbeit abgeliefert. Sicher muss man die ein oder andere weniger spektakuläre Nummer in Kauf nehmen, dafür gibt es aber auch einige echte Perlen, wie sie in Atlanta nur die Dungeon Family hinbekommt. Besonders würde ich die Platte all denjenigen empfehlen, die wie ich vom ebenfalls 2003 erschienenen OutKast Album „Speakerboxxx/The Love Below“ mehr als nur enttäuscht waren. Hier bekommt man noch den guten, alten und einmaligen Sound geboten, der einen zum Fan der außergewöhnlichen Formation aus Atlanta gemacht hat.

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