Malice N Wonderland von „Snoop Dogg“

Küstler:
Snoop Dogg
Redaktions-Wertung:
Titel:
Malice N Wonderland
Release:
4. Dezember 2009
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

snoop-dogg-malice-cd-bewertunge-de.jpgAuf sage und schreibe 10 Solo-Alben kann der gute Snoop Dogg nun zurückblicken, eine Karriere, die nicht vielen zuteil wird. Nachdem es in den letzten Jahren ja mächtige Stimmungsschwankungen bei den Fans gab, sollte es bei „Malice N Wonderland“ wieder back to the Roots gehen, Snoop kündigte guten alten Gangsta Rap an. Die Zeichen standen gut, denn nebenbei ist der Doggfather in die Chefetage von Priority Records aufgestiegen, das Label, mit dem er mit Death Row und No Limit seine großen Platinerfolge feierte und das durch Veröffentlichungen der N.W.A Alben für Gangsta Rap steht, wie kaum eine zweite Plattenfirma. Wäre da noch das freshe Cover mit all seinen Dämonen – die Erwartungen wurden erfolgreich geschürt, nun ist also das fertige Album draußen, um von den Anhängern in die Sammlung aufgenommen werden zu können.

Die wohl sinnlosesten 15 Sekunden auf Platte erlebt man mit dem völlig überflüssigen Intro, danach feuert der alte Hund mit „I Wanna Rock“ die ersten schweren Geschütze auf uns ab. Wir Old Schooler fühlen uns gleich an den DJ Jazzy Jeff & Fresh Prince Hit „I Wanna Rock“ erinnert und tatsächlich wurde dessen Hook in abgeänderter Form auch hier verwendet. Dazu pumpt ein fetter, mit vielen Synthesizer-Effekten gespickter West Coast Banger aus den Händen von Scoop DeVille und Dr. Dre, die Rhymes kickt ein 38-jähriger MC, der so frisch klingt wie ein junger Welpe. Nach dem etwas dunkleren „2 Minute Warning“, auf dem die Zähne gefletscht und der alte G rausgehangen wird, gibt es mit „1800“ eine eher Club taugliche Nummer aus den Händen von Lil Jon, der es sich auch nicht nehmen lies, ein bisschen von seinem Geschrei mit einzubringen. Während der Strophen wirkt das Ganze leider recht kraftlos und uninspiriert, im Refrain geht dann zum Glück etwas die Post ab, aber so richtig vom Hocker hauen sollte das keinen der alteingesessenen Fans. Newcomerin Jazmine Sullivan bringt Soul in das sehr fröhlich klingende „Different Languages“, der frische Pianosound und die Claps lassen Sommerstimmung aufkommen und auch bei Snoop’s Vorstellung hat man das Gefühl, er sitzt lässig auf der Veranda seiner Hundehütte und flowt genau so, wie man es von ihm hören will.

The-Dream begegnet uns gleich 2 mal auf „Malice N Wonderland“, zunächst auf der Single „Gangsta Luv“, später dann noch auf „Luv Drunk“. Wie man sich schon vorstellen kann sind beide Nummern sehr soft und poppig, leider auch übertrieben kitschig und passen so gar nicht zu dem eher sündigen Cover, aber man brauch ja schließlich auch was, um die Kätzchen anzulocken. Southern Style bis zum Anschlag gibt es mit „Pronto“. Viele werden aufschrecken, da Soulja Boy als Feature mit dabei ist, zusätzlich gibt es einen Auto-Tune Refrain. Wer sich mit Südstaaten Rap anfreunden kann wird diesen Track jedoch lieben. Schräge Melodien, dicke Bässe, die den Staub aus der Anlage pusten und dazu ein Soulja Boy, der sich überraschend gut verkauft. Das scheint auch Onkel Snoop einen Motivationsschub gegeben zu haben, denn trotz des mächtigen Instrumentals geht er nicht unter, sondern zeigt sich mit bissigen Raps so stark wie lange nicht. „That’s Tha Homie“ geht in eine Ähnliche Richtung, ist leider sehr penetrant, der Screw-Hook passt leider auch eher nach Texas als nach Los Angeles, generell hat man das Gefühl, dass Snoop nur einen Beat von Starproducer Danja haben wollte, dass die Harmonie nicht stimmt, scheint eher zweitrangig gewesen zu sein. Auch das eintönige „Upside Down“ strapaziert die Nerven doch sehr und der Finger wandert schnell in Richtung Skip-Taste.

Genau zum richtigen Zeitpunkt läuft nun „Secrets“ durch die Anlage. California Sound bis zum Anschlag – das war auch bitter nötig. Verdammt gut groovender G-Funk, der die Sonne scheinen lässt und uns an vergangene Zeiten erinnert, als Los Angeles ein Garant für guten Rap war. Nachdem sich Kokane eine Weile alleine am Mic austoben durfte greift Bigg Snoop Dogg ein und haut eine Strophe raus, die einen mit herunter geklappter Kinnlade zuhören lässt. So zieht er uns viel zu selten in seinen Bann, aber umso schöner zu sehen, dass er es immer noch drauf hat. Snoop wäre nicht Snoop, wenn er uns nicht erzählen würde, wie man als ordentlicher Pimp durchgeht. So auch hier mit „Pimpin Ain’t EZ“, einer Kollabo mit R’n’B Oldie R. Kelly. Leider gibt es hier nicht viel Aufregendes zu berichten von den Jungs. Wir sind die Coolsten, haben die heißesten Bräute und die dicksten Schlitten – wie oft denn noch? Allerdings muss man über die smoothen Melodien, in die das Ganze eingebettet ist, sagen, dass sie denn Song doch sehr nett anzuhören machen. Problem ist nur, dass die komplette Schlussphase so soft ist. Spätestens die Zusammenarbeit mit Cousinchen Brandy und Pharrell Williams auf „Special“ lässt einem doch etwas die Füße einschlafen, zum Glück kann der Doggfather mit seinem einmaligen Rapstyle die Spannung noch geringfügig oben halten.

So richtig erfüllen kann Snoop Dogg die Erwartungen nicht, was daran liegt, dass er seine Ankündigungen kaum in die Tat umgesetzt hat. Zu viel R’n’B, zu wenig West Coast Flavor und dazu noch die ein oder andere misslungene Nummer lassen wie in den letzten Jahren nicht mehr als eine Durchschnittswertung zu. Allerdings sind auch viel frischer Wind, ein paar Perlen und ein sehr motivierter Oldie mit dabei, was dann doch noch für Glanzpunkte sorgt. Wer Gangsta Rap der alten Schule erwartet, dürfte enttäuscht werden, die Altersmilde hat den Doggfather wohl endgültig erreicht. Diejenigen, die sich mit der Single anfreunden können, sollten Freude an „Malice N Wonderland“ haben.

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