Lil Red Riding Hood von „Jacki-O“

Küstler:
Jacki-O
Redaktions-Wertung:
Titel:
Lil Red Riding Hood
Release:
9. April 2009
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

jacki-o-lil-red-riding-hood-cd-bewertungendeJahrelang stand Jacki-O im Schatten ihrer Kollegin Trina, nun bekommt sie mit ihrem neuen Album „Lil Red Riding Hood“ die Chance die Rapszene von Miami ein wenig aufzumischen. Es scheint einem schon ewig her, als Jacki 2004 ihr Debüt „Poe Little Rich Girl“ über Poe Boy Ent., das es später dank Rick Ross und Flo Rida zu einem großen Namen schaffte, veröffentlichte. Nun ist sie independent unterwegs, gesignt bei dem noch recht unbekannten Label Gracie Productions, das sich so langsam im Geschäft etabliert. Auf insgesamt 12 Songs bringt es „Lil Red Riding Hood“ – nicht gerade viel, doch wie sagt man doch so schön: Qualität statt Quantität ist das was zählt.

Wenig damenhaft geht es gleich mit „Picture Perfect“ los. Kraftvoll und maskulin brettern hier die Bässe auf einen zu und auch die doch sehr dunklen Hintergrundelemente sind alles andere als seicht. Jacki macht hier ihren Job richtig gut, denn trotz dieses Instrumentals geht sie nicht unter, sondern überzeugt mit großer Präsenz und Motivation am Mic. Auch ein bisschen Storytelling kommt auf diesem Album zum Vorschein. „She Wanna Be A Strippa“ ist eines der Stücke, die tiefgründiger sind und dabei einen guten Kontrast zu den eher oberflächlichen Tracks darstellen. Trotz eines höheren Tempos geht hier die Emotion keinesfalls verloren, was hauptsächlich an Jacki’s Versen liegt, besonders die Gesangseinlage im Refrain ist gelungen. Die wohl beste Nummer der Platte findet man mit „If I Had A Son“, ein ebenfalls sehr gefühlvolles Stück. Dominiert wird dieser Song von einem wirklich wunderschönen Pianostück, das es schon alleine schafft, es einem kalt den Rücken hinunter laufen zu lassen, mit Jacki-O wird das Ganze dann zum echten Sahnestück und man genießt jede ihrer Zeilen.

Etwas überraschend dürfte für den ein oder anderen sein, dass eine so gestandene und selbstbewusste Lady wie Jacki-O auch eine romantische Seite hat und diese dann auch noch in einem Lied zum Vorschein bringt. Bei „Baby Mama“ offenbart sie uns ihre Familienwünsche, allerdings passt der doch sehr synthie- und basshaltige Beat thematisch nicht hundert Prozent dazu, sorgt allerdings dafür, dass die Nummer nicht langweilig wird. Wer das für Miami typische Sommerfeeling sucht, wird mit „Pay Yo Dues“ bedient, das mit chilligen Bläsermelodien zum wahren Ohrenschmaus wird. „I Got Yo Boyfriend“ gehört lyrisch leider eher zu den schwächeren Nummern, dafür bietet der crunke und clubtaugliche Sound etwas Neues und bereichert aufgrund dessen die Tracklist von „Lil Red Riding Hood“. Ky-Mani Marley stellt eines der nur zwei Features der Platte und ist bei „Take Me Higher“ mit von der Partie. Wie so ziemlich jede andere Ky-Mani-Kollabo ist auch dies ein eher ruhiges Lied, das mit seinen vielen emotionalen Momenten punktet, besonders der Hook des Jamaikaners ist wie immer ein Gedicht, ein letztes Highlight, bevor man mit „Turning Headz“ (feat. Bright Eye) noch eine Standart South Nummer zum Ausklang geboten bekommt.

Wer hätte das gedacht? Jacki-O, die Dame, von der man schon so ewig lange nichts mehr gehört hat, hat ihre Chance tatsächlich genutzt. In einem 2009, das wegen der nur mäßigen Alben von Flo Rida und Rick Ross bisher eher enttäuschend für Miami verlief, bringt sie das bis dato beste Werk aus Vice City in diesem Jahr. Abwechslungsreiche Beats, dazu eine Rapperin, die mit einem Mix aus Posen und ernsthaften Themen eine gute Gradwanderung schafft und daher keine Langeweile aufkommen lässt – so kann man die Platte kurz und bündig zusammenfassen. Fans von weiblichen MCs wie Trina, Rasheeda oder Shawnna liegen bei „Lil Red Riding Hood“ auf der richtigen Seite, aber auch der gewöhnliche Liebhaber von Down South Rap aus Florida sollte sicher einmal reinhören.

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