LAX von „The Game“

Küstler:
The Game
Redaktions-Wertung:
Titel:
LAX
Release:
22. August 2008
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

lax-cd-bewertungendeNeben Lil Wayne’s „Tha Carter III“ ist es das wohl am Meisten erwartete Rap-Album 2008 im Mainstreambereich: „LAX“ von The Game. Nach mehreren Verschiebungen ist es nun endlich erhältlich. Seine alte Posse, die G-Unit, hatte mit ihrem Werk ja kläglich versagt, daher stellten sich wohl alle die Frage, ob The Game es besser macht. Ja, sein Werk ist das deutlich stärkere, doch es weist auch einige Schwächen auf, doch dazu später. Wie man es von The Game kennt, holte er sich auch wieder hier massig Star-Producer ins Studio und wieder kommen sie fast alle aus dem Osten oder Süden, darunter befindlich u.a. Kanye West, DJ Toomp, J.R. Rothem, Cool & Dre, Nottz oder Hi-Tek. Die Gästeliste besteht zu einem Großteil aus Leuten aus dem R’n’B-Bereich wie Raheem DeVaughn, Ne-Yo, Latoya Williams oder Keyshia Cole, aber auch Ice Cube, Ludacris, Reakwon, Common und Nas mischen kräftig mit.

Nach dem Intro, das ebenso wie das Outro von DMX übernommen wurde, beginnt „LAX“ mit „LAX Files“, einem ruhigen und eher nachdenklichen Stück, das durch sein Klavierspiel und den Gesang von Feature Shorty Emotion bekommt. Was hier besonders auffällt ist, dass The Game sich raptechnisch deutlich weiterentwickelt hat und so stark flowt wie nie zuvor. Den einzigen West Coast Rapper neben Game hätten wir mit Legende Ice Cube auf „State Of Emergency“. Besonders die elektrischen und pumpenden Elemente gehen hier ins Ohr, aber auch der Piano- und Streichereinsatz trägt zum weiteren Genuss bei und findet spätestens im Refrain von Ice Cube, der noch etwas an die alte G-Funk Zeit erinnert, seinen Höhepunkt. Dass ausgerechnet ein Song mit Lil Wayne zum echten Meisterwerk wird, ist schon eine kleine Überraschung, mit „My Life“ aber tatsächlich der Fall. Cool & Dre setzten hier nicht wie üblich auf Synthie ohne Ende, sondern auf ein eher einfaches Klavierspiel, das seine Wirkung jedoch nicht verfehlt und sofort unter die Haut geht. The Game erzählt uns ruhig und abgeklärt über sein Leben, Weezy singt den Refrain mit leicht verzerrter Stimme, was sich recht nice anhört.

Der erste Song, der ein wirkliches West Coast-Feeling aufkommen lässt, ist „Cali Sunshine“, bei dem mit Bilal ein zweiter ehemaliger Schützling von Dr. Dre mit dabei ist. Insgesamt recht entspannt, so wie es sich für den Sonnenstaat gehört, leider kein wirklicher Reißer. Auch Atlanta ist in Form von Ludacris auf „LAX“ vertreten. „Ya Heard“ heißt das Stück von Luda und Game und ist wohl insgesamt der schwächste Track der Platte, was an dem doch eher nervigen Instrumental liegt, obwohl man sagen muss, dass besonders Ludacris sich hier richtig ins Zeug legt. Nach dem härteren und auch rockigen „House Of Pain“ erreicht man eine kleine R’n’B angehauchte Phase. Viele Fans von The Game waren darüber nicht besonders begeistert, was bei „Gentleman’s Affair“ (feat. Ne-Yo), „Let Us Live“ (feat. Chrisette Michelle) und „Touchdown“ (feat. Raheem DeVaughn) sicher auch nachzuvollziehen ist, denn als besonders toll kann man sie beim besten Willen nicht bezeichnen, eher etwas eintönig. Dennoch sind sie alles andere als schlecht und man kann sie sich durchaus mal anhören.

Mit „Angel“ erreichen wir die zweite echte Bombe nach „My Life“. Kanye West produzierte dieses Soundfeuerwerk und brachte mit Common auch gleich noch einen seiner Schützlinge mit. Das Lied ist traumhaft melodisch, chillig, aber auch dynamisch und durchgefunkt von vorne bis hinten, es lässt sich eigentlich kaum in Worte fassen, man muss sich diesen Song einfach mal anhören, besonders weil mit Gentleman Common und Gangster The Game ja zwei völlig verschiedene Welten aufeinander treffen, aber perfekt harmonieren. Ein wahres Brett donnert mit „Dope Boys“ auf einen zu. Treibende Beats, aggressive Synthesizer-Elemente, die besonders im Refrain zum echten Ohrwurm mutieren. Neben Game steht hier auch Travis Barker als Gast parat und macht wie der Gastgeber einen mehr als ordentlichen Job. Nach Hitsingle „Game’s Pain“ (feat. Keyshia Cole) erreicht man mit „Letter To The King“ ein würdiges Ende von „LAX“. Es ist eine der wenigen tiefgründigen Nummern, auf der The Game mal nicht prahlt, was für ein harter Hund er doch ist, was wohl hauptsächlich auf Lyricist Nas, der als Feature dabei ist, zurück zu führen ist. Alles in Allem eine schöne Nummer, die zum Nachdenken anregt und das Album angemessen ausklingen lässt.

Insgesamt wurde „LAX“ ein recht ordentliches Werk, das zwar einige kleinere Durchhänger wegstecken muss, aber auch mit einigem an echt tollem Material aufwartet. Lyrisch gesehen darf man keine Weiterentwicklungen von The Game erwarten, dafür vom Flow. Die Gäste hätte man teilweise sicher besser auswählen können, sind insgesamt aber zufriedenstellend allerdings zu zahlreich. Größtes Manko ist bei „LAX“ das selbe wie bei „The Documentary“ und „Doctor’s Advocate“: es klingt einfach zu wenig nach West Coast. Ein Classic ist „LAX“ trotz anderer Behauptungen der Fans definitiv nicht, genauso wenig wie die Vorgänger, dennoch für jeden zu empfehlen, der sich mit The Game anfreunden kann.

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