Last 2 Walk von „Three 6 Mafia“

Küstler:
Three 6 Mafia
Redaktions-Wertung:
Titel:
Last 2 Walk
Release:
1. August 2008
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

three-six-mafia-last-2-walk-cd-bewertungendeEinst bestand die Three 6 Mafia noch aus sechs Leuten, doch innerhalb der letzten zehn Jahre haben es sich DJ Paul und Juicy J mit so ziemlich jedem verscherzt und stehen nun alleine da, als die beiden „Last 2 Walk“. Nach der Single „Lolli Lolli“ wurde ja von vielen Seiten Bedenken geäußert ob sie nun ins Kommerzielle abdriften bzw. dass das Album eine Enttäuschung werden könnte, doch das ist absolut nicht der Fall. „Last 2 Walk“ hat unglaublich viele Überraschungen zu bieten, was man ja von ihren letzten Werken nicht unbedingt gewohnt ist. Das dürfte auch daran liegen, dass „Last 2 Walk“ das erste 3 6 Album ist, das Paul und J nicht komplett alleine produziert haben, sondern sich von DJ Montay, Akon, Dead Executives, UGK oder DJ Spanish Fly unterstützen ließen, was einen teils neuen Sound zu verantworten hat. Auch die Gästeliste liest sich nicht schlecht. Hier sind neben UGK und Akon auch Lyfe Jennings, Project Pat, Eightball & MJG, Lil‘ Wyte oder Good Charlotte mit dabei.

Um allen Zweiflern gleich zu beweisen, dass es bei Three 6 auch anno 2008 knüppelhart zur Sache geht, wird man auf dem ersten Song „I Told ‚Em“ gleich mit gewohnt düsteren Melodien, dramatisch anmaßendem Klavierspiel und roughen Beats sowie Rhymes der beiden bombardiert. Ähnlich geht es bei „Trap Boom“ zu. Hier bekommt man einen Mix aus Geigen mit Bombenexplosionen im Hook geboten, wozu DJ Paul, Juicy J und dessen Bruder Project Pat rappen. „Playstation“ klingt vom Namen her wie eine Art Clubtrack, ist jedoch genau das Gegenteil. Hart, brachial, dunkel – genial! Vor Allem der Refrain „Don’t play with me, boy! Play with your Playstation“ haut echt rein. DIE Überraschung schlechthin wird uns mit „I Got“ geboten. Wieso? Es samplet den Hit „Kernkraft 400“ der Münchener Techno-Band Zombie Nation. Diese geniale Melodie bringt Power ohne Ende, worüber Three 6 in Zusammenarbeit mit Pimp C (R.I.P.) ihre vernichtenden Reime spucken. Leider wechselt nach ca. der Hälfte das Instrumental und ein düsteres Klavierspiel setzt ein, was sich zwar auch sehr gut anhört, die Stimmung jedoch etwas kaputt macht.

Mächtig Unterstützung von Atlanta’s Oomp Camp gab es bei Smashhit „I’d Rather“. Produziert wurde der Track von DJ Montay, als Feature ist sein Labelmate UNK mit dabei. Der Song verbindet auf großartige Art und Weise clubtauglichen Crunk mit düsteren Klaviermelodien, ist also ein echter Ohrwurm und Dancefloor-Filler. Ungewöhnlich ruhig und soft, aber auch schön melodisch wäre „That’s Right“. Akon half sowohl bei Produktion als auch bei Vocals. Insgesamt ähnelt das Lied doch recht stark „Never Forget Me“ von den Bone Thugs-N-Harmony, bei dem Akon ja auch seine Finger mit ihm Spiel hatte. Ihre Leidenschaft zu Drogen drücken Juicy J und DJ Paul mit „Weed, Blow, Pills“ aus. Wie man sich schon denken kann, ist auch dies ein düsteres und mystisches Lied, bei dem besonders die Geigen im Hintergrund, aber auch die verlangsamten Elemente und Scratches sehr gut kommen und bei jedem Memphis Hörer auf offene Ohren stoßen sollte. „On Some Chrome“ erinnert irgendwie an Mysterieserien wie „Akte X“, was der mystischen Melodie zu verdanken ist, durch die Krachenden Beats entsteht aber auch eine gewisse Dynamik und Power, wozu die Rhymes der Three 6 Mafia und der Gäste UGK wie die Faust aufs Auge passen.

Richtig böse kommt „Rollin'“ daher. Sein gescrewter Refrain hört sich an als stamme er direkt aus der Hölle, garniert wird das Ganze mit einer fantastischen Melodie, die Piano- und Streicher-Elemente beinhaltet und so schon fast für Gänsehaut sorgt. Eines der Highlights von „Last 2 Walk“ ist sicher der Auftritt von Rockband Good Charlotte auf „My Own Way“. Wer hier jedoch dröhnende Gitarrenriffs erwartet, ist schief gewickelt. Der Song ist sehr ruhig, fast schon lethargisch und sehr emotional, besteht eigentlich nur aus Beat und Klavier und liefert mit den Madden Brüdern von Good Charlotte einen tollen Kontrast zu DJ Paul und Juicy J. Am Ende von „Last 2 Walk“ gibt es noch einen Remix dazu, dem zusätzlich noch Geigen hinzugefügt wurden. Sehr elektrisch ist „Dirty Bitch“ gestaltet und ist somit eines der wenigen Lieder, die keine akustischen Instrumente enthalten. Zu dieser Sorte zählt auch der letzte Song „Lolli Lolli“ zusammen mit Project Pat, Young D und Superpower. Es ist der einzige Track, an dem man vielleicht Kritik üben könnte. Zum Einen folgt es genau dem Trend eines „Candy Shop“ oder „Lollipop“, ist lyrisch zwar dirty, aber dennoch eher enttäuschend, noch dazu kommt der etwas nervige Refrain von einer computerverzerrten Stimme. Einzig das fantastische Instrumental, das wie der Rest wieder richtig gut abgeht, rettet das Lied gerade noch so.

Insgesamt wurde „Last 2 Walk“ ein sehr abwechslungsreiches Album, das viele Stile und Elemente in sich vereint, dennoch einen dunklen Gesamteindruck behällt und dabei keinen einzigen schlechten Song vorzuweisen hat. Das übertrifft noch einmal den ebenfalls großartigen Vorgänger „Most Known Unknown“. Es ist wirklich erstaunlich was DJ Paul und Juicy J hier auf die Beine gestellt haben, denn nach dem Abgang von Crunchy Black war so eine Bombe nicht unbedingt zu erwarten, zeigt uns aber, dass sich die lange Wartezeit locker ausgezahlt hat.

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