Land Of Make Believe von „Kidz In The Hall“

Küstler:
Kidz In The Hall
Redaktions-Wertung:
Titel:
Land Of Make Believe
Release:
5. März 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

2010 feiert Duck Down Records 15-jähriges Jubiläum, was natürlich mit neuen Releases gebührend gefeiert werden muss. Nachdem General Steele dieses Jahr eröffnet hat, kommen nun die Kidz In The Hall mit ihrem zweiten Longplayer seit 2008 für das New Yorker Traditionslabel. „Land Of Make Believe“ heißt das neue Werk von Naledge und Double-O, dem man schon an seinem bunten Cover ansieht, dass es musikalisch hier locker und sehr verspielt zur Sache gehen wird. Ob das der Sound ist, den Fans von Duck Down bzw. von Kidz In The Hall hören wollen, sehen wir jetzt.

Das Intro kann eigentlich als vollständiger Song durchgehen, daher ist es schon ein guter Indikator, was man auf „Land Of Make Believe“ erwarten kann. Was sofort auffällt ist, dass die beiden ihren von Soul geprägten Sound gegen sehr viel Einsatz von Elektronik eingetauscht haben und damit den aktuellen Trend der Hip Hop Szene mitgehen. „Traffic“ wummert mit dickem Bass, hinzu kommt eine gelegentlich einsetzende Synthie Melodie, die mit ihrem emotionalen Touch schnell den Hörer für sich gewinnen kann. Gepaart mit den Kidz klingt das schon sehr fresh und erinnert dabei stark an Clipse, weshalb auch deren Fans hier sicher schnell Gefallen finden werden. Wo es gerade noch etwas härter zur Sache ging, geht es nun mit „Traffic“ locker weiter. Sommerlich und poppig – so lässt sich der leider etwas belanglose Track kurz beschreiben. Vielen wird es übel aufstoßen, dass die beiden für den Refrain den Vocoder aufgedreht und damit die Stimme verzerrt haben, nüchtern betrachtet ist es aber noch im Rahmen des erträglichen, weshalb man „Flickin“ gut nebenbei anhören kann. Ein weiterer Track, der fast schon sinnbildlich für das bunte Cover steht, finden wir mit „Bougie Girls“. Seine flotten funky Tunes sorgen schnell für gute Laune, besonders der von Russoul eingesungene Refrain groovt verdammt gut. Dazu kommen die Flows von den Kidz gewohnt lässig und souverän, da schaut man gerne über die nicht all zu deepe Lyrik hinweg. Altmeisterin MC Lyte ist als Gast bei „Jukebox“ dabei. Die Produktion klingt nach einem Mix aus Old School Beat mit futuristischen Synthie Elementen, reißt durch seinen eingängigen Rhythmus sofort mit, was durch die Raps der drei noch verstärkt wird und ein Club tauglicher Smash am Ende zu Buche steht.

„L_O_V_E“ steht den vorangegangenen Songs in nicht viel nach. Fröhlich, frisch, aber auch sehr von Pop geprägt – das ist sicher nicht jedermans Sache, umso wichtiger die Hörproben zu nutzen. Leider beginnt aber der Hälfte des Albums den Ideen etwas die Luft auszugehen. Angefangen mit den eintönigen und unglaublich langweiligen „Will II Win“ (feat. Marsha Ambrosius) und „Fresh Academy“ (feat. Chip Tha Ripper & Donnis“, fortgeführt mit Liedern wie „Simple Life“, was zwar nicht schlecht klingt, aber eigentlich nur das wiederholt, was wir vorher schon mal gehört haben, nämlich ein mit poppigen Melodien ausgestattetes Instrumental, dazu etwas Auto-Tune und nicht gerade große Poesie was die Texte angeht. „Take Over The World“ zusammen mit Just Blaze und Colin Munroe schafft es hier positiv herauszustechen. Stilistisch liegt das Ganze irgendwo zwischen Gym Class Heroes und Kanye West, leicht naiver Inhalt, viel Elektronik, aber auch bodenständige Instrumente wie Piano, Bläser und Geigen verschmelzen zu einem wunderbaren Klangbild, besonders der pompöse Refrain macht Spaß. Hierbei muss aber auch eindeutig gesagt werden, dass man offen für diese Art von Hip Hop sein muss, denn viele werden es als Mainstream Schrott abstempeln. Ein ähnliches Schicksal dürfte auch „Running“ zu Teil werden, denn es erneut ein perfektes Beispiel für Pop Rap in seiner reinsten Form. Einigen wird dies große Freude bereiten, anderen wiederum die Ohren zum Bluten bringen – mir gefällt’s. Etwa tiefgründiger probierte man sich mit „Do It All Again (I Am)“ und „I Am (Reprise)“, was jedoch nicht ganz perfekt gelang, denn musikalisch bieten diese Lieder einfach keine Spannung, dann doch lieber das abschließende „Rise And Shine“ (feat. Russoul), das mit soften Klängen und viel Gesang zwar wieder einmal eine Wiederholung vorheriger Tracks ist, aber durch seinen Groove einem nicht die Füße einschlafen lässt.

Mit „Land Of Make Believe“ liefer die Kidz In The Hall Alternative Rap ab, wie man ihn eigentlich nicht gerade erwartet. Vielen wird der bunte Pop-Sound nicht gefallen, dafür vielleicht anderen, die mit Indie Rap sonst nicht so viel am Hut haben, umso mehr. Es befinden sich sicher einige Perlen auf dieser Platte, aber auch viel Belangloses, was auch den Texten zu verdanken ist, außerdem hat man oft das Gefühl, dass man hier auf bestehende Trends aufgesprungen ist, anstatt sich etwas Neues zu überlegen, aber da sind sie ja bei Weitem nicht alleine. Insgesamt haben wir es hier also mit einem ordentlichen Album zu tun, mit dem man nicht viel falsch macht, aber auch nicht viel verpasst, wenn man es auslässt. Rein hören sollte man vor dem Kauf aber auf alle Fälle.

Verwandte Artikel

  • Keine verwandten Artikel gefunden
Subscribe to Comments RSS Feed in this post

1 Kommentar

Pingbacks/Trackbacks

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a