Kritik | Watch The Throne von „Jay-Z & Kanye West“

Küstler:
Jay-Z & Kanye West
Redaktions-Wertung:
Titel:
Watch The Throne
Release:
12. August 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Kanye West und Jay-Z können auf eine erfolgreiche gemeinsame Vergangenheit zurückblicken, ein Kollabo-Album ist dabei jedoch ein Novum. Ursprünglich als EP gelpant, wurde aus „Watch The Throne“ im Endeffekt eine vollständige LP, die in der Standard-Ausgabe mit 12 Songs aufwarten kann, die Deluxe Version bietet neben 4 Bonus Tracks noch einen edlen Papp-Schuber. Bei Zusammenschlüssen von Künstlern mit solch großen Namen entstehen natürlich nicht minder große Erwartungen seitens des Publikums. Allerdings musste man in ähnlichen Fällen auch so manch Ernüchterung hinnehmen („Blackout! 2“). Damit dies dem Werk von Kanye und dem Jigga nicht passiert, wurden mit 88-Keys, RZA, Q-Tip, Swizz Beatz oder The Neptunes viele bekannte Producer engagiert. Checken wir mal, ob es funktioniert.

Was man bei einem Album mit dem Titel „Watch The Throne“ und zwei selbstverliebten Rappern lyrisch erwarten kann, steht schon im Vorfeld klar: Selbstverherrlichung noch und nöcher… gähn! Lassen wir uns von diesem Minuspunkt nicht abschrecken und hören in den Opener „No Church In The Wild“ hinein. Die Produktion hat einen lässigen Touch, gepaart mit einem packenden Rhythmus und ein bisschen Jungle Flavor, der ein paar Tiergeräusche als Highlight vorweisen kann. Neben Jay-Z und Kanye ist auch Newcomer Frank Ocean vertreten, der jedoch nicht sonderlich glänzen kann, insbesondere sein Auto-Tune Part (von wegen „D.O.A.“) ist ein Graus. „Lift Off“ hingegen paart moderne, sehr elektronische Melodien mit barocken Klavierschlägen, kommt insgesamt sehr harmonisch rüber, was nicht zuletzt an Kanye’s Gesangseinlagen liegt. Verächter von Pop-Rap werden diesem Stück unter Garantie nicht viel abgewinnen können, zumal auch Jay-Z’s Gattin Beyoncé mit von der Partie ist. Nachdem wir mit „Niggas In Paris“ einen absoluten Langweiler geboten bekamen, gibt es mit den Tracks „Otis“ und „Gotta Have It“ die volle Ladung Samples auf die Ohren. Während das Blues behaftete „Otis“ den 1967 verstorbenen Otis Redding würdig wieder aufleben lässt, beinhaltet „Gotta Have It“ die Stimme des legendären James Brown. Die Neptunes setzten wie gewohnt auf massig Synthesizer und einen dicken Beat, der besonders Jay-Z in die Karten spielt.

„New Day“ stammt aus den Händen von RZA, dem genialen Mastermind des Wu-Tang Clans. Wie häufiger in der Vergangenheit wichen hier die knüppelharten Sounds dem relaxten Melodiengewand. Das Instrumental ist schlicht und einfach eine Wucht, leider wird dieses völlig unnötig von einer furchtbar verzerrten Stimme, die während der kompletten Laufzeit präsent ist, verdorben und fast unerträglich. Das darauffolgende „That’s My Bitch“ begeistert dagegen mit elektronischen Klängen, die sich ein wenig nach der 8-Bit-Videospiel-Ära anhören, dazu kommt ein kraftvoller Beat und eine schlicht und einfach coole Gesamtanmutung, bei der die beiden Homies auch mit flotten Raps glänzen können. Fern ab von diesem Glanz zeigt sich das von Swizz Beatz produzierte „Welcome To The Jungle“, welches absolut misslungen ist und ein nerviger, penetranter und unmelodischer Song zu Buche steht. Deutlich besser machte es Swizzie da bei „Murder To Excellence“. Das besondere an diesem Titel ist, dass er in zwei Teile gesplittet wurde. Der erste, „Murder“, bringt Power und Emotion, hat Drive und geht einfach unter die Haut wenn Kanye und Jay-Z über die Gewalt auf den Straßen philosophieren. Der von S1 geschmiedete Part „Excellence“ ist dank Chipmunk-Stimmen im Background ein wenig kitschig geraten, punktet aber mit dem Gute-Laune-Feeling. Zum Abschluss rechnet Jay-Z auf „Why I Love You“ mit ehemaligen Weggefährten und Speichelleckern ab. Das Ganze geschieht in Zusammenarbeit mit einem mächtigen und pompösen Stück Musik. Einen besseren Abgang kann man sich wohl kaum selbst bereiten.

„Watch The Throne“ hat definitiv seine Lichtblicke, allerdings muss auch festgehalten werden, dass Jay-Z und Kanye West unter der Messlatte bleiben, die sie zu ihrer Glanzzeit mit „The Black Album“ und The College Dropout“ gelegt hatten. Fans der beiden wird dies sicher nicht davon abhalten sich die Platte zu kaufen und Gefallen daran zu finden, als neutraler Hip Hop Hörer hingegen sollte man sich die Gelegenheit auf ein paar Hörproben nicht entgehen lassen.

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