Kritik | Tokio Bordell von „Blumio“

Küstler:
Blumio
Redaktions-Wertung:
Titel:
Tokio Bordell
Release:
1. Oktober 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Im Sommer 2009 entbrannte ein Hype um den Düsseldorfer Rapper Blumio, mit bürgerlichem Namen Fumio Kuniyoshi. Besonders der Track „Hey Mr. Nazi“ kam bei der Menge gut an. Auch sein Debutalbum bekam größtenteils gute Kritiken. Im Oktober 2010 ist nun der Nachfolger erschienen. Der Hype um Blumio scheint verflogen, sein zweites Album „Tokio Bordell“ bekam viel weniger Promo als der Vorgänger. 20 brandneue Tracks erwarten den Hörer. Gastauftritte gibt es nur von Jessica Jean und der Yellow Man Group.

Beginnen tut das Album mit dem „Intro“, welches sehr E-Gitarren lastig ist. Das ganze Stück ist nichts Besonderes, einzig und allein der Refrain, gesungen von Jessica Jean weiß zu gefallen. Ruhig und besonnen geht es weiter mit „Eberhard“. Der Text handelt von Blumios Internetbekanntschaft. Dabei wird der Chatverlauf der Beiden gerappt. Der ganze Song ist zum Brüllen komisch. Dennoch muss man sagen, dass die Hook verbesserungswürdig ist, Blumio ist einfach nicht der beste Sänger.

„Streichel meinen Bauch“ ist nicht weiter erwähnenswert, alleine der Beat nervt schon so, dass man gleich abschalten will. Etwas ernster geht es bei „Grenzenlos“ zu. Mit dabei ist wieder Sängern Jessica Jean, die auch hier einen tollen Job macht. Der Text handelt von Blumios erster Tour und dort geschehenen Sachen. Das Ganze wird nachdenklich vorgetragen, eiine Prise Witz darf natürlich auch nicht fehlen.

Das nächste Highlight ist „Ich bin doch gar kein Hurensohn“, wo teilweise die Hörer von Bushido und Konsorten aufs Korn genommen werden. Die Melodie ist beruhigend und es macht wirklich Spaß zuzuhören. Leider kommt mit „Die Fliege“, „Der ehrlichste Song der Welt“ und dem „Onkel Blumio Skit“ eine kleine Durststrecke, ehe mit „Hab keine Angst“ wieder ein top Track kommt. Der Beat ist sanft, teilweise wirkt der Song stark traurig, der Refrain ist sehr emotional. „Funkyzeit“ ist, wie der Name schon sagt, sehr funky. Bei gutem Wetter macht der Song richtig Spaß. Blumio trägt den fröhlichen Text unglaublich locker vor, mit der Zeit wird das Ganze leider etwas eintönig. Nach dem ebenfalls guten, aber nicht überragenden „Die Welt ist schwul“ folgt „Sie ist nicht Du“, welches wieder sehr ruhig ist. Ein Song, den man sich gut anhören kann, aber so langsam kristallisiert sich ein Problem heraus: Alles klingt irgendwie zu ähnlich und nichts ist spektakulär genug, um ein richtiger Hit zu sein. Und ein oben schon erwähntes Ärgernis bleibt weiter bestehen: Wenn Blumio singt, hört man besser nicht hin. Das schnelle „So geht Hip Hop heute“ bringt wenigstens etwas Abwechslung rein, ist aber bei weitem kein Song, bei dem man mit offenem Mund vor der Anlage sitzt.

Mit dem „Outro“ bringt Blumio noch ein nettes Dankeschön an seine Fans, das mit E-Gitarre, Trompete und dem Gesang von Jessica Jean zu glänzen weiß. Nun folgen noch drei Bonustracks, wovon einer nur ein Skit ist.

„Radau auf dem Damenklo“ groovt dabei nochmal ordentlich, Blumio ist allerdings nur am Anfang kurz zu hören. Bei dem Rest des Tracks steht die Yellow Man Group vor der Mikrofon. Bei „Nihonzaru“ fällt die Bewertung schwer. Die Produktion ist gut, doch es wird auf japanisch gerappt, was jedoch sehr interessant anzuhören ist.

Es ist etwas schwer dieses Album zu bewerten. Einerseits gibt es fast keine Ausfälle, die Tracks sind leider auch keine richtigen Hits. Eigentlich hat man alles auf diesem Album bereits schon auf dem Debut gehört, doch damals war es noch neu und auch besser. Vieles wirkt jetzt ausgelutscht und bei vielen Tracks bleibt das Bedürfnis aus, auf Repeat zu drücken. Das ist deswegen so enttäuschend, da man weiß, dass Blumio es besser kann. Das hat er mit Tracks wie „Hey Mr. Nazi“ bewiesen. Die Texte auf diesem Werk sind größtenteils witzig, das war auch zu erwarten. Aber auch einige ernstere Songs haben sich eingeschlichen, diese wirken nicht so langweillig, da man diese Seite von Blumio noch nicht richtig kannte. Fans des Düsseldorfers werden zufrieden sein, alle, die noch nichts von Blumio besitzen, sollten lieber zum „Yellow Album“ greifen.

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