Kritik | The R.E.D. Album von „Game“

Küstler:
Game
Redaktions-Wertung:
Titel:
The R.E.D. Album
Release:
19. August 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Bereits 2009 kündigte der aus Compton, L.A. stammende Rapper Game einen Nachfolger zu „LAX“ an. Nun, 2 Jahre, zahlreiche Singles und Mixtapes später, steht „The R.E.D. Album“ nun endlich in den Läden. Der Albumtitel soll angeblich nicht auf die Gangfarbe der Bloods hinweisen, sondern steht für rededication – eine Widmung an Fans und Musik. Ob die Bloods wirklich nichts damit zu tun haben, sei nun mal dahingestellt. Viele Fans gerieten im Vorfeld schon in helle Aufregung, denn „The R.E.D. Album“ sollte nach seinem Major Debüt „The Documentary“ das erste Werk werden, für das Game wieder mit Dr. Dre zusammenarbeitet. Diese Euphorie muss jedoch etwas gebremst werden, denn der Doctor greift nur lyrisch etwas ein. Stattdessen ist Neptunes-Chef Pharrell Williams der starke Mann hinter dieser Platte.

Wie wir es von Game kennen fällt auch „The R.E.D. Album“ sehr umfangreich aus. Abzüglich der Skits von Dr. Dre bleiben unterm Strich 17 Songs zu Buche stehen zu denen sich insgesamt 18 Guest-Features gesellen. Den Anfang macht „The City“, einem Song, auf dem Game kurz seinen Werdegang beschreibt und nicht damit zurückhält, sich selbst zu loben. Unterstützt wird dies von einem ruhige, mystisch angehauchten Beat, der auch eine gewisse Kraft aufbaut, sie jedoch nicht komplett entfesselt. Zusätzlich darf Newcomer Kendrick Lamar mitwirken. Einen typischen West Coast Banger bekommen wir mit „Drug Test“ aufs Gehör gezimmert. Worum es geht, erkennt man schon am Titel. Da ist es wenig überraschend, dass Dr. Dre und Snoop Dogg mit am Start sind. Lil Wayne und Tyler The Creator geben sich auf „Martians vs. Goblins“ die Ehre. Schon der Name des Tracks klingt ein wenig schräg und auch Weezy und Tyler stehen ja dafür, gerne mal zu experimentieren. Und tatsächlich schafft es Game mit dieser Kombo einen wirklich aufsehenerregenden Track, der mit harten Lyrics und Wortspielen nur um sich wirft, dabei gleichzeitig noch ein paar Ohrfeigen an Rihanna und Bruno Mars verteilt, zu erschaffen. Passend dazu wummert ein tiefer Bass zu schrillen Hintergrundklängen. Abgerundet wird die Startphase von „The R.E.D. Album“ mit der Single „Red Nation“, auf der Lil Wayne erneut vertreten ist. E-Gitarren und Piano wurden hier mit einem Sample von „Kernkraft 400“ von Zombie Nation. Böse Zungen könnten zwar bemängeln, dass diese Idee von Three 6 Mafia („I Got“, 2008) geklaut wurde, aber man sollte sich lieber über einen weiteren gelungenen Smash freuen.

Ein furioser Beginn also, mit dem Game in sein viertes Major Album gestartet ist. Leider kann er diese Qualität nicht durchgehend halten. Besonders der Mittelteil beinhaltet einige Tracks wie das flotte „Good Girls Go Bad“ (feat Drake), das auf Hart getrimmte „Heavy Artillery“ (feat. Rick Ross & Beanie Siegel) oder „Speakers On Blas“ mit einem glänzend aufgelegten E-40 nebst Big Boi, die zwar alle als O.K. zu bezeichnen sind, jedoch weit davon entfernt sind Bäume auszureißen. Zusätzlich werden auch ein paar Langweiler, wie „Paramedics“ (feat. Young Jeezy) oder zu kitschige R&B Nummern wie „All The Way Gone“ (feat. Mario & Wale), die dem Gesamtbild natürlich schaden. Wirkliche Hit erleben wir hier nur mit „Ricky“, einem kurzen und bombastischen Einblick in Game’s Leben, das mit einem genialen DJ Khalil Instrumental versehen wurde, und mit der äußerst chilligen zweiten Single „Pot Of Gold“, die auch etwas zum nachdenken anregt. Lediglich die Worte „I miss the days when life was simple“ vom verwöhnten Luxus-Bubi Chris Brown wirken ein wenig unglaubwürdig. Gegen Ende weiß insbesondere die DJ Premier Produktion „Born In The Trap“ zu gefallen. Die gewohnt harte Drum trifft auf eine emotionale Melodie, die Game’s Raps unterstreichen, die hier wieder einmal deutlich aufzeigen, wie sehr sich Compton’s heißestes Eisen im Feuer in den letzten Jahren verbessert hat. Das unglaublich smoothe „Mama Knows“ überrascht hingegen mit einer Nelly Furtado, die man auf einem Album von Game wohl eher weniger erwartet hat. Außerdem lassen die Neptunes aufhorchen, dass sie nicht nur Party-Banger schmieden können, sondern auch eingängige Sahnestücke.

Der wohl größte Pluspunkt von „The R.E.D. Album“ ist die viele Abwechslung. Game versucht nicht mehr nur einen auf West Coast Gangsta zu machen, sondern zeigt ein buntes Spektrum an Facetten. Bedauernswert, dass die großartige Qualität mancher Tracks nicht über die komplette Spielzeit anhält, sondern dass sich auch einige mittelmäßige bis schwächere Songs eingeschlichen haben. Fans von Game werden jedoch auf alle Fälle ihre Freude an dieser Platte haben.

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