Kritik | Tha Carter IV von „Lil‘ Wayne“

Küstler:
Lil' Wayne
Redaktions-Wertung:
Titel:
Tha Carter IV
Release:
26. August 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Noch keine 30 Jahre auf dem Buckel und dennoch schon 9 Solo-Platten veröffentlicht – Lil‘ Wayne kann auf eine durchaus beeindruckende Karriere zurückblicken. Kommerzieller Durchbruch war sicher „Tha Carter III“ mit dem der Tattoo-Junkie aus New Orleans internationale Berühmtheit erlangte. Nach dem experimentellen „Rebirth“ und dem Knast-Lebenszeichen „I Am Not A Human Being“ folgt nun mit „Tha Carter IV“ die Fortsetzung seiner Trilogie. Für ein erfolgreiches Gelingen lud Weezy neben seinen Labelmates auch seine Buddies T-Pain und Rick Ross ein, außerdem sind u.a. Jadakiss und John Legend zu hören.

„Tha Carter IV“ kommt in der Standard-Ausgabe mit 15 Tracks daher, die Deluxe Version hat noch 3 Boni im Gepäck. Eröffnet wird die Platte mit einem recht eintönigen Intro, das nach fast dreiminütiger Laufzeit von einem sehr chilligen Song abgelöst wird. „Blunt Blowin“ heißt angesprochener Titel, der mit behäbiger Melodie und tief wummerndem Bass die Grundlage für Wayne bietet, der etwas über Leben und Lifestyle berichtet, wie gewohnt mit der ein oder andere lustigen Zeile. Was jedoch danach folgt, kann man getrost als Welle der Monotonie bezeichnen. Dies fängt an mit „MegaMan“, das vom Namen her eigentlich cool klingt und dazu prädestiniert ist, in eine pompöse Selbstverherrlichung auszuufern, doch im Endeffekt steht ein Bum-Bum-Beat mit etwas Synthie-Gedudel zu Buche, dazu die selben Drum Patterns, die wir in dieser Anfangsphase auf jedem Track zu hören bekommen. Die Single „6 Foot 7 Foot“ stammt aus den Händen von Bangladesh, der ja schon für „A Milli“ verantwortlich war. Was damals gut geklappt hat, soll wohl auch 2011 funktionieren und so klingt der Song wie ein Mix aus dem angesprochenen „A Milli“ und „Women Lie, Men Lie“ von Yo Gotti. Sprich: extrem harter, immer gleich hämmernder Beat, dazu eine durchweg brabbelnde Computer-Stimme im Background. Für die einen ein Banger, für die anderen das Grauen schlechthin. Unstrittig bleibt jedoch Wayne’s Performance und die ist hier eine der besten von „Tha Carter IV“. Wer es etwas relaxter mag, der ist bei „She Will“ an der richtigen Adresse. Das melodische und ruhiger gehaltene Instrumental stellt eine angenehme Abwechslung dar, dazu passend die Stimmen von Wayne und Feature Drake perfekt.

„How To Hate“ wurde bekanntlich auch als Single ausgekoppelt und ist daher schon einigen ein Begriff. Wem der Track noch nicht zu Ohren gekommen ist, der kann sich auf eine übertrieben schmalzige Nummer über die Abrechnung mit intriganten Flittchen einstellen. Nicht nur die Produktion ist hier kaum auszuhalten, auch T-Pain’s Autotune-Gewinsel überschreitet jegliche Grenze von gutem Geschmack. Zur Mitte des Albums finden wir ein Interlude, eingespielt von Tech N9ne und Andre 3000 von OutKast. Eigentlich sind Interludes ja nicht der Rede wert, doch in diesem Falle muss es einfach genannt werden. Sowohl Tech als auch Dre legen auf dem ruffen Instrumental los wie die Feuerwehr und stellen mit ihren Performances fast den kompletten Rest von „Tha Carter IV“ in den Schatten. Wenigstens scheint mit diesem Startschuss auch Wayne endlich ins Rollen zu kommen. „John“ ist ein Down South Brett, wie es im Buche steht. Dicker Bass, schrille Synthies, dazu Gepose und Prolletentum in seiner reinsten Form, vorgetragen vom Birdman Jr. und Rick Ross. Auch „Abortion“ präsentiert sich deutlich besser als die komplette erste Hälfte Albums, was neben Wayne den kräftigen Drums und Gospel-Gesang im Background zu verdanken ist. Leider ist das meiste Pulver nun jedoch schon wieder verschossen. „So Special“ (feat. John Legend) und „It’s Good“ (feat. Jadakiss & Drake) langweilen erneut mit Schmalz und Eintönigkeit, auch das auf ernst getrimmte „President Carter“ plätschert eher belanglos vor sich hin. Erwähnt sei noch das Outro, das zwar wieder komplett auf Lil‘ Wayne verzichtet, dafür aber mit gelungenen Ryhmes von Bun B, Nas und Busta Rhymes punkten kann. Lediglich Puff Daddy’s einstiger Hoffnungsträger und neuer Cash Money Millionaire Shyne präsentiert sich nach Jahren im Knast mit geschwächter Stimme – ein Schock für alte Fans!

Sofern man nicht gerade ein Lil‘ Wayne Fanatic ist und „Tha Carter IV“ aus einer neutraleren Perspektive betrachtet, so muss leider festgehalten werden, dass dieses Album neben „500 Degreez“ und „Rebirth“ ganz klar zu den Schwachpunkten seiner Karriere zählt. Und das liegt weniger an Weezy selbst (auch wenn er wohl nie als großer Poet in die Geschichte des Rap eingehen wird), sondern an der mauen Beatauswahl, die jegliche Innovation vermissen lässt. Da hat selbst das stark diskutierte „Tha Carter III“ die Nase vorn. Kurzum: Wer Lil‘ Wayne in den letzten 2-3 Jahren kennen und lieben gelernt hat und darüber hinaus die Singles mag, wird auch an „Tha Carter IV“ seine Freude haben. Fans von früher hingegen, dürften auch weiterhin der glorreichen Hot Boys Ära nachtrauern.

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