Kritik | Shaolin vs. Wu-Tang von „Raekwon“

Küstler:
Raekwon
Redaktions-Wertung:
Titel:
Shaolin vs. Wu-Tang
Release:
4. März 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

„Shaolin vs. Wu-Tang“ – mit diesem Titel wollten die Jungs vom Clan einst eine Revolte gegen Mastermind RZA starten, nachdem sie mit dem Endergebnis von „8 Diagrams“ nicht zufrieden waren. Mittlerweile haben sich alle wieder vertragen, gleichzeitig droppten alle ab dann mehr als ordentliche Solo-Releases. Raekwon hat für seine neueste Platte „Shaolin vs. Wu-Tang“ wieder aus dem Keller hervorgekramt, soll nun aber seine Herkunft (Shaolin) mit dem erfolgreichen Werdegang (Wu-Tang) gegenüberstellen. Auf den großen RZA wurde leider trotzdem verzichtet, ebenso auf einen Großteil des Clans. Ob es der 41-jährige Rapper aus Staten Island mit Album Nr. 5 schafft, an den kürzlichen Erfolg von Ghostface Killahs neuer Platte anzuschließen, oder ob „Shaolin vs. Wu-Tang“ sich so schnell abgenutzt hat wie das „Wu-Massacre“, checken wir nun.

 

Der Opener ist gleichzeitig auch der Titelsong, produziert von Scram Jones, bei dem man ja nicht immer davon ausgehen kann, dass er mit seinen Beats den großen Wurf landet. Startet man den Track, dürfte man als eingefleischter Wu-Tang Fan doch etwas stutzig werden. Zischende Schwertgeräusche, dazu Kampfgetöse – Samples aus Kung Fu Filmen! Sonst ist dies natürlich immer ein Grund zur Freude, doch in diesem Fall schon unverschämt, dass auf RZA bewusst verzichtet, dann aber seine raffinierte Erfindung einfach kopiert wurde. Vom moralischen Aspekt abgesehen, ist auch der Song an sich ziemlich langweilig und belanglos, was dem sehr schnell eintönig werdenden Instrumental zu verdanken ist. Nach dem drückenden „Every Soldier In The Hood“ (ft. Method Man), an dem langsam aber sicher klar wird, dass Raekwon auf diesem Album noch öfter den aggressiven asiatischen Krieger raushängen lassen wird, geht es mit einem wahren Banger weiter. „Silver Rings“ heißt das gute Stück, das aus den Händen von RZAs Schüler Cilvaringz stammt, dementsprechend kommt der gute alte Wu-Tang Sound zum Tragen. Mit ordentlich Dampf ausgestattet zeigen Rae nebst Cousin Ghostface Killah, dass sie auch mit über 40 Lenzen immer noch hungrig sind. Leider dauert der Genuss nicht einmal 2 Minuten, dafür werden wir aber mit „Chop Chop Ninja“ mehr als zufriedenstellend vertröstet. Düster und kraftvoll, übrigens auch wieder mit den Kamfgeräuschen, macht das Instrumental schon einen echt guten Eindruck. Inspectah Deck ergänzt mit seinem eleganten Flow Reakwons raue Stimme, als Highlight garniert Estelle den Song mit einer Prise Soul. Auch der in Wu-Tang Kreisen hoch angesehene Bronze Nazareth steuerte einen Beat bei und lässt Rae auf dem mit gefühlvoll dramatischen Melodien ausgestatteten „Butter Knives“ erneut die Klingen wetzen.

 

„Snake Pond“ gehört trotz der dicken Bassline zu den ruhigeren Tracks von „Shaolin vs. Wu-Tang“, zählt dank seiner eingängigen und entspannten Art, die sich allerdings nicht auf Rae’s Lyrics auswirkt, und dem Asia-Flavor zu den besten Stücken. „Crane Style“ schlägt gleich danach in die selbe Kerbe. Etwas ruhiger, eine wenig geheimnisvoll und wieder mit diesem asiatischen Touch, der natürlich perfekt zu Wu-Tang passt. Als Feature wäre ein Masta Killa sicher passender gewesen als ein Busta Rhymes, aber auch so ist das Resultat zufriedenstellend. Etwas verwirrend wäre „Rock N Roll“, das mit der gleichnamigen Musikrichtung tatsächlich nämlich nichts zu tun hat, außer vielleicht dem besungenen verschwenderischen Lebensstil. Musikalisch ist das Ganze sehr pompös und großspurig, teilweise auch etwas schrill, aufgezogen. Neben Ghostface und Jim Jones ist auch Sänger Kobe als Gast dabei, dessen Part wurde jedoch per Auto-Tune verzerrt, was den ganzen Track zur Geschmackssache verkommen lässt und sicher auch so manchem nicht gefallen wird. Neben all diesen markanten Tracks schlichen sich auch bei „Shaolin vs. Wu-Tang“ die ein oder anderen Lückenfüller ein. Beispiele hierfür wären „Last Trip To Scotland“, „Dart School“ oder „Ferryboat Killaz“, die zwar vielversprechend beginnen, aber nie so wirklich in Fahrt kommen und irgendwann zäh und langweilig werden. „Moleasses“ (ft. GFK & Rick Ross) ist eines der Stücke, die wieder einmal besondere Betrachtung verdienen. Das liegt weniger an der Qualität, denn die ist bei diesem angenehm melodischen Song definitiv gegeben, sondern eher an der nicht abzuweisenden Ähnlichkeit mit RZAs „Throw Your Flag Up“ – welch Ironie. Einen gelungenen Ausklang findet Raekwons neuester Streich mit den letzten beiden Liedern „The Scroll“ und „Masters Of Our Fate“ (ft. Black Thought), die noch einmal etwas ruhigere Töne anschlagen.

 

Es ist nicht ganz so leicht „Shaolin vs. Wu-Tang“ zu bewerten. Als Fan des Clans muss man es einfach merkwürdig finden, dass Raekwon RZA nicht dabei haben wollte, dessen Einfluss auf diese Platte jedoch mehr als eindeutig ist, wobei die Kopie nicht ans Original heranreicht. Auch dass von der gesamten Crew wieder einmal nur die Stars Ghostface Killah, Method Man und Inspectah Deck dabei sind, ist etwas schade. All dem spricht jedoch die Qualität der Musik entgegen. Auf Experimente wird zwar weitestgehend verzichtet, dennoch schafft es Raekwon eine größtenteils sehr unterhaltsame Platte abzuliefern und darauf kommt es unterm Strich wohl an. Fans vom Chef und alle, die seine letzte LP „Only Built 4 Cuban Linx… Pt. II“ mochten, werden unter Garantie auch an „Shaolin vs. Wu-Tang“ ihre Freude haben.

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