Kritik | Redman Presents… Reggie von „Redman“

Küstler:
Redman
Redaktions-Wertung:
Titel:
Redman Presents... Reggie
Release:
7. Dezember 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Während Redman in den 90ern noch unheimlich produktiv war, schaffte er es im neuen Jahrzehnt auf lediglich zwei Alben. „Malpractice“ und „Red Gone Wild“ reichten zwar nicht an seine Klassiker ran, stellten die Fans aber zufrieden. Dies könnte sich mit seinem neuesten Projekt „Redman Presents… Reggie“ jedoch ändern. Schon die Ankündigung, dass das ursprünglich als „Reggie Noble „0“ 9 1/2″ betitelte Werk poppig werden und ohne Beats von seinem langjährigen Begleiter Erick Sermon auskommen soll, lies nicht gerade Vorfreude aufkommen und war wohl mit den gefloppten Vorab-Singles ein Grund für zahlreiche Verschiebungen des Release-Dates. Stellt sich nun die Frage, ob Redmans Experiment in die Hose ging oder vielleicht doch ein Überraschungshit geworden ist.

Mit dem Opener „Reggie“ stellt uns Redman den Mann hinter dem Künstlernamen, nämlich Reggie Noble, der auch verantwortlich für den neuen Style ist, vor. Von Pop ist hier noch keine Spur, sondern wir bekommen eine angenehme Produktion, die eher an Conscious als an Redmans sonstige Musik erinnert, zu hören. „That’s Where I B“ klingt schon mehr nach dem crazy Rapper aus New Jersey. Unterstützt wird er von DJ Kool, mit dem er ja schon auf „Let’s Get Dirty“ harmonierte. Ähnlich wie beim Banger aus 2001 geht es hier mit druckvollen Beats und viel Einsatz von schrägen Synthesizer-Klängen richtig zur Sache und zeigt zwei über 40-Jährige, die scheinbar nicht erwachsen werden wollen. Dem ein oder anderen ist vielleicht die Lead-Single „Def Jammable“ bekannt. Genau wie die anderen Singles, die eigentlich für das Album gedacht waren, wurde auch dies kein großer Hit. Wenn man sich die Nummer so anhört, ist das keine große Überraschung, kurz gesagt: das Stück ist Langeweile pur. Es passiert wirklich nichts. Das Instrumental läuft ohne Drive vor sich her, nervt mit seinen schrillen Tönen und bietet obendrein einen autogetunten Redman. Autotune ist gleich ein gutes Stichwort, denn Red scheint ein Faible dafür zu haben und verwendet die Stimmverzerrung noch öfter. So zum Beispiel auf dem folgenden Track „Full Nelson“. Im Refrain macht Redman einen auf T-Pain, rappt während der Strophen aber dafür richtig bissig, leider sind seine Gäste Ready Roc, Runt Dawg und Saukrates ziemliche Schlaftabletten am Mic. „Lift It Up“ ist einer der nur 5 von 13 Songs, die ohne Feature auskommen. Irgendwie klingt der Titel nach Dirty South, kommt mit kraftvollem Bass und pompöser Hintergrundmelodie aus der Elektronik daher. Einen echten Hit hören wir hier zwar nicht, dafür ist die Nummer recht chillig, passend dazu rappt auch Redman relaxt.

Einen smoothen R&B Jam liefert uns Reggie in Begleitung von Faith Evans. Wirklich spektakulär ist auch das nicht, mit der Zeit sogar ein wenig eintönig, aber wenn man etwas mit Soul anfangen kann, wird man die Skip-Taste nicht betätigen müssen, da besonders Mrs. Evans mit ihrem eingesungenen Refrain überzeugen kann. Gefühlvoll zeigen sich Redman und Saukrates auf „Lemme Get 2“. Zwar dreht es sich hier nur ums Jetten um die Welt, der Refrain – übrigens auch mit Autotune – reißt es aber wieder raus und lässt uns mit der Zeile „You livin on your own cloud in the sky“ gedanklich fast schon selbst fliegen. Dank wunderschönem Pianospiel wirkt die musikalische Unterlegung sehr gefühlvoll, allerspätestens jetzt erkennt man, dass es sich hier definitiv nicht um ein typisches Redman Album handelt. Die folgenden Tracks „Mic, Lights, Camera, Action“ und „Cheerz“ (feat. Ready Roc & Melanie Rutherford) haben wieder etwas mehr Power, kommen aber nicht über den Status des grauen Mittelmaß hinaus. Besser wäre da „Rockin‘ Wit Da Best“. Von etwas Besonderem zu sprechen wäre zwar auch hier falsch, aber die Energie des rhythischen Beats scheint Redman hörbar gut zu tun, außerdem konnte er Altmeister Kool Moe Dee noch einmal ins Studio locken, allerdings agiert dieser im Hintergrund. Worum es bei „Lite 1 Witcha Boi“ geht, dürfte wohl jedem klar sein. Passend dazu geht es auch hier entspannt zur Sache. Insgesamt ein nettes Stück, bei dem auch noch Method Man und Bun B einen Blunt anzünden, aber im Vergleich zu Klassikern wie „How High“ oder „How To Roll A Blunt“ kommt einem dieser Track etwas einfallslos vor. Die Endphase wird mit dem soften und leider nicht besonders guten „Whn The Lights Go Off“ (feat. Poo Bear) eingeleitet, findet aber mit dem flotten und energiegeladenen „Tiger Style Crane“ einen ordentlichen Abschluss.

Man muss schon sehr tolerant sein, um bei „Redman Presents… Reggie“ nicht vollkommen enttäuscht zu sein. Redman Fans dürften seine derben Rhymes und krachende Beats vermissen. Zwar wurde dies ja im Vorfeld schon angedeutet, aber ob es gefällt ist bekanntlich eine andere Frage. Allgemein lässt sich über die Platte sagen, dass sie viel Mittelmaß, Langweiliges und Brauchbares bietet und damit zwar nicht komplett überzeugt, aber auch nicht total misslungen ist.

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