Kritik | Pl3dge von „Killer Mike“

Küstler:
Killer Mike
Redaktions-Wertung:
Titel:
Pl3dge
Release:
1. Juli 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Mit „Pl3dge“ veröffentlicht Killer Mike, der sich in den letzten Jahren kurzzeitig in Mike Bigga umbenannte, den dritten und damit finalen Teil der „I Pledge Allegiance To The Grind“-Serie. Kleiner Unterschied zu den 2006 und 2008 erschienen Vorgängern: das Album erscheint nun neben Mikes eigener Plattenfirma Grind Time Official auch über die des Kollegen T.I., Grand Hustle. Neben dem neuen Geschäftspartner treffen wir auf der Gästeliste auf jede Menge weitere Prominenz aus Atlanta. So sind neben Mikes langjährigem Dungeon Family Kumpanen Big Boi von OutKast auch noch Gucci Mane oder Young Jeezy mit von der Partie. Wer also auf Southern Rap aus Georgia steht, kann sich auf eine Platte ganz nach seinem Geschmack einstellen.

Smiff & Cash, die bereits auf älteren LPs von Killer Mike so manchen Song produziert hatten, lieferten für „Pl3dge“ erneut einige Beats ab, den ersten zum Opener „So Glorious“. Wen oder was Killer Mike so glorious findet, liegt natürlich auf der Hand: sich selbst. Mit scharfem Flow zeigt der mittlerweile 36-jährige Rapper, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört und das mit einem Instrumental im Hintergrund, das nicht nach dem typischen Down South Rap kling, sondern trotz des kräftigen Beats dank Pianoloop und Backgroundgesang einiges an Soul mitbringt. 5 Jahre nach „That’s Life“ bekommen wir nun den zweiten Teil (feat. Rock D The Legend) zu hören. Killer Mike geht hierbei mit mächtig Wut im Gepäck als eine Art Ghetto Preacher auf die Missstände seines Landes ein. Die musikalische Begleitung fällt dazu recht schlicht aus, lediglich ein treibender Bass, ein paar scharfe Claps und ein sich dauerhaft wiederholendes Vocal-Sample sorgen zwar nicht für megamäßiges Spektakel, dafür für Power. Die Single „Ready Set Go“ (feat. T.I.) ist bereits schon länger im Umlauf, für alle die sie noch nicht kennen: Es ist ein reiner Club-Track. Zwar bringt er die Boxen ordentlich zum Beben, insgesamt fehlt es jedoch an Abwechslung, sodass der ewig gleiche Sound schon nach der ersten Strophe seinen Reiz verliert. Der Remix, der sich unter den Bonus Tracks befindet, unterscheidet sich bis auf einen Vers von Killer Mike leider nicht merklich davon.

Nachdem wir mit „Go Out On The Town“ den für Atlanta typischen Trap Style, bei dem sich auch Young Jeezy die Ehre gibt, zu hören bekamen, erwartet uns ein zweiter Part zu „God In The Building“. Sein Vorgänger war wohl das größte Highlight auf „I Pledge Allegiance To The Grind II“, daher sind die Erwartungen hier natürlich relativ hoch. Und tatsächlich schafft es Killer Mike wieder einen echten Knaller abzuliefern. Der Song sprüht nur vor Soul und Gospel, auch wenn Mike offensichtlich darlegt, dass er kein Chorknabe ist. Seinen Reiz bekommt dieses Stück in erster Linie von seinem emotionalen Touch, doch auch der MC am Mic weiß zu unterhalten. „Player’s Lullaby“ zeigt nicht nur Mikes entspannte Seite, sondern auch, dass bei „Pl3dge“ versucht wurde, ein abwechslungsreiches Album abzuliefern. Wenn man das Lied bildlich beschreiben sollte, so könnte man es mit einem relaxten Sonnenaufgang vergleichen, etwas verträumt, doch immer wieder mit kleinen Höhepunkten bereichert. Insbesondere der Auftritt von Twista, der selbstverständlich einen High-Speed-Rap hinzaubert ist ein Genuss, während der Refrain eine Spur zu schnulzig ausfällt. „Animal“ entpuppt sich als wahres Biest, den sein Beat pumpt gnadenlos, dazu ein paar dunkle Synthie-Effekte und dazu ein Gucci Mane, dessen langsamer Flow hier wie gemacht ist. Zwar gibt es Tracks dieser Art wie Sand am Meer, Fans dieser Richtung werden dennoch sicher ihre Freude daran haben. Wo es hier noch so hart zur Sache ging, fällt die Schlussphase des Albums wesentlich ruhiger aus. So ist „Everything (Hold You Down)“ sommerlich relaxt gehalten, „Follow Your Dreams“ zeigt dagegen starken Hang zum R&B.

Ein Innovationswunder ist „Pl3dge“ sicher bei Weitem nicht, macht dafür aber größtenteils einen durchaus souveränen und gelungenen Eindruck. Neben den oben angesprochen Highlights wird man mit „Ric Flair“ oder „Burn“ noch die ein oder andere Perle finden, die uns bei der ebenfalls vorhandenen Stangenware gerne mal ein Ohr zudrücken lassen.

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