Kritik | My Beautiful Dark Twisted Fantasy von „Kanye West“

Küstler:
Kanye West
Redaktions-Wertung:
Titel:
My Beautiful Dark Twisted Fantasy
Release:
19. November 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Man kann sagen was man will, aber Kanye West ist ein verdammtes Genie. Ob als Musikproduzent, Sänger oder Rapper – was immer der Amerikaner anfasst, wird zu Gold. Wenn er nicht gerade in die Dankesreden von Justice oder Taylor Swift platzt, bastelt er an seiner Karriere und das äußerst erfolgreich. Nachdem seine letzten Alben „The College Dropout“, „Late Registration“, „Graduation“ und „808s & Heartbreak“ alle mindestens mit Platin ausgezeichnet wurden, legt Kanye jetzt mit „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ nach und will damit wohl auch seinen Ruf als „most-hated man in America“ etwas ausbessern.

Kaum ein anderer traut sich die musikalischen Grenzen zu überschreiten, die ein Kanye West scheinbar mühelos hinter sich lässt. Er mischt klassische Elemente wie Streicher mit Funk, Rock und R&B und schafft damit einen Sound, der so komplex ist, dass man ihn beim ersten Hören kaum erfassen kann. Nachdem „808s & Heartbreak“ fast schon etwas zu poppig war, wendet sich Kanye nun wieder seinen Wurzeln zu und setzt auf kraftvoll inszenierte Instrumentals, Samples und supportende Acts wie Jay-Z, Rihanna, Nicki Minaj oder Kid Cudi. Songs wie „Dark Fantasy“, „So Appalled“ und „Devil In A New Dress“ entwickeln eine ungeheure Intensität und erinnern an starke Songs wie „Stronger“, „Good Life“, „Gold Digger“ oder „Flashing Lights“.

Drei Songs des neuen Albums wurden in den USA bereits veröffentlicht:„Power“ feat. Dwele steht aktuell auf der 22, „Runaway“ mit Pusha T auf der 12 und „Monster“ feat. Jay-Z, Bon Iver, Rick Ross & Nicki Minaj auf der 18. In Deutschland ist „Power“ immerhin in den Top 30 und wird sicher bald Gesellschaft bekommen. Denn „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ ist ein Album, das fast schon hypnotisierend ist und eine ungeheure Anziehungskraft entwickelt. Es ist das Facettenreichtum eines Kanye West, das so fasziniert. Seine Fantasie, in die er musikalische Einblicke gewährt. Und die Gabe, Musik zu kreieren, die im Soundtrack des Lebens einen Platz sicher hat.

Aber da ist auch eine kritische Seite, die in den Lyrics zum Ausdruck kommt. In der Vergangenheit hat Kanye noch nie ein Blatt vor den Mund genommen, polarisierte immer wieder mit seinen Aussagen zu Blasphemie, Bigotterie oder Rassismus. Und auch die Politik ist ein Thema, das ihn beschäftigt. Besonders im letzten Song des Albums, „Who Will Survive In America“, übt er Kritik am System, wobei mit Zeilen wie „And America is now blood and tears instead of milk and honey“ in erster Linie Samples von Gil Scott-Heron zu hören sind.

Auch wenn Kanye West menschlich gesehen vielleicht enttäuscht und mit unnötigen Eklats auf sich aufmerksam macht – seine Musik bedarf nicht vieler Worte und ist schlichtweg überragend. Genie und Wahnsinn liegen ja bekanntermaßen nah beieinander. „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ ist ein fantastisches Album, bei dem einzig die kurze Tracklist enttäuscht. Bitte mehr davon!

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2 Kommentare

  1. Als Prpduzent ist Kanye West unbestritten ein Meister, aber als Rapper ist er meiner Meinung nach nur Durchschnitt. Auch auf diesem Album überzeugen mich seine Rapparts nicht wirklich.

  2. Produzent sollte das natürlich heißen:-)

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