Kritik | Man on the Moon II: The Legend of Mr. Rager von „Kid Cudi“

Küstler:
Kid Cudi
Redaktions-Wertung:
Titel:
Man on the Moon II: The Legend of Mr. Rager
Release:
5. November 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Letztes Jahr war Kid Cudi noch der Newcomer schlechthin, mittlerweile ist er eine feste Größe geworden. Zwar ist der 26-jährige Rapper aus Chicago nicht mit übermäßig vielen Skillz gesegnet, dennoch schaffte er es mit fantastischen Produktionen aus seinem Debüt „Man on the Moon: The End of Day“ eines der Highlights 2009 zu machen. Auch das zweite Werk, namens „Man on the Moon II: The Legend of Mr. Rager“, erscheint ebenfalls über Kanye West’s Label G.O.O.D. Music, was einen weiteren Erfolg erahnen lässt. Wie sein Vorgänger ist auch das neue Album in verschiedene Akte aufgeteilt, diesmal allerdings ohne Common als Storyteller.

Als Einstand dient „Scott Mescudi vs. The World“, bei dem kein geringerer als Cee-Lo Green mit dabei ist. Sound mäßig scheint es direkt an das alte Album anzuschließen, wirkt ein bisschen verträumt und geheimnisvoll, aber auch faszinierend, außerdem kommt doch Cee-Lo’s Refrain eine angenehme Prise Soul hinzu, die den zweiten Trip zum Mond perfekt einleitet. „REVOFEV“ kommt fröhlich und beschwingt daher, was seinem von Piano und kräftiger Drum geprägten Sound, der zusätzlich mit E-Gitarren gespickt ist, zu verdanken ist. Besonders Cudi’s einfacher, dennoch packender Gesang zieht einen hier in seinen Bann, aber auch das groß angelegte Finale des Songs ist ein echter Knaller. Ein weiteres echtes Erlebnis bietet uns Cudi mit „Don’t Play This Song“. Mary J. Blige ist hier als Feature aufgeführt, allerdings ist ihr Hintergrundgesang nicht besonders erwähnenswert. Ganz anders die Vorstellung von Kid Cudi. Sein Flow variiert von langsam, über schnell, bis hin zum gesungenen, dazu ein bedrückendes, gleichzeitig auch gefühlvolles Instrumental, das zeigt, dass Cudi es auch auf seinem zweiten Album schafft, eine klasse Atmosphäre aufzubauen. Fast schon wie ein Lovesong kommt „Marijuana“ daher, bei dem das grüne Kraut richtig verehrt wird. Cudi’s Begleitung kommt hauptsächlich von einem langsamen Klavierstück, das schnell eintönig zu werden droht, doch durch geschickt getimte Einsätze von mystisch klingenden Synthies und Gesangsstimmen, wird dem entgegengewirkt. Mit flottem Groove fordert „Ashin‘ Kusher“ richtig zur Bewegung auf. Diesem coolen Rhythmus und der animierenden Performance von Cudi kann man einfach nicht widerstehen.

Die Single „Erase Me“ kennen manche sicher schon. Sie setzt auf einen rockigen Touch, der während der Strophen über die böse Frauenwelt sehr lässig rüberkommt, im Refrain dann richtig aufdreht und mit Kid Cudi’s Gesang zum wahren Kracher mutiert. Mentor Kanye West steuert ebenfalls eine Strophe bei und hilft seinem Schützling, einen der besten Tracks des Albums daraus zu machen. Richtig spacig und abgefahren macht „Wild’n Cuz I’m Young“ dem Mann auf dem Mond alle Ehre, allerdings ist der Sound doch sehr eigen und auch anstrengend anzuhören und daher sicher nicht für jeden das Richtige. Das Gleiche kann man auch über das direkt anschließende „The Mood“ sagen. Wirklich schön und mit angenehmen Klängen was dagegen „Mr. Rager“ schnell zu gefallen. Auch hier scheinen es Kid Cudi und seine Producer spielend leicht zu schaffen, dass Feeling der Weiten des Weltalls einzufangen und in Form von Musik festzuhalten. Man kann diesen faszinierenden Stil einfach mit nichts anderem in der Black Music Szene vergleichen – Kompliment dafür! Dank seiner fetten und schlichten Drum bringt „The End“ einen freshen Old School Charakter mit sich, wummert gleichzeitig smooth und soulig aus dem Speaker. Die Performances von Kid Cudi und seinen Kumpeln GLC und Chip Tha Ripper passen dazu wie die Faust aufs Auge, Nicole Wray rundet das Lied mit ihrem Refrain gelungen ab. Ein weiteres Meisterwerk finden wir mit „All Along“ vor. Es beginnt langsam und behäbig, nach und nach werden Beat und ganz Besonders das Meer aus Violinen immer kräftiger und steigert sich in einen gefühlsgeladenen Song mit absoluter Gänsehautgarantie. Cudi lässt das rappen hier so halbwegs sein, sondern konzentiert sich eher aufs Singen, was exakt das richtige Rezept ist. „GHOST!“ hingegen klingt ein wenig freaky und schräg, ist nichts desto trotz ebenso gelungen wie so viele andere Tracks der Platte, bevor diese mit „Trapped In My Mind“ nachdenklich ausklingt und uns mit Spannung auf ein neues Album warten lässt.

Mit „Man on the Moon II: The Legend of Mr. Rager“ ist Kid Cudi ein Sophomore geglückt, das sich wirklich gewaschen hat. Das Konzept ist zwar ähnlich wie beim ersten Album, dennoch wirkt es nicht wie eine Kopie, sondern eine Fortführung. Und genau das ist das große Plus. Zwar ist dieses Werk hier nicht perfekt, sondern bietet manch eintönigen oder schwer hörbaren Song, insgesamt gesehen, kann der Rapper aus Chicago aber eine erneut faszinierende und einmalige LP abliefern.

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