Kritik | Love, Life & Loyalty von „GLC“

Küstler:
GLC
Redaktions-Wertung:
Titel:
Love, Life & Loyalty
Release:
12. November 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Gangsta L. Crisis, oder kurz GLC, machte sich vor allem durch eines einen Namen: Kontakt zu und Vertrag bei Kanye West und G.O.O.D. Music. Die meisten kennen ihn wohl von „Drive Slow“, einem Song, der auf den 2005er Alben von Kanye und Paul Wall vertreten war. Zwar gab es danach noch den ein oder anderen Track mit GLC als Feature, die breite Masse interessierte das jedoch nicht besonders. Mittlerweile hat der Rapper aus Chicago G.O.O.D. Music wieder verlassen und bringt nach jahrelangen Ankündigungen endlich sein erstes Album namens „Love, Life & Loyalty“ auf den Markt. Um uns die Platte schmackhaft zu machen, wurde eine Menge Stars wie Bun B, Twista, T-Pain, Kanye und einige andere verpflichtet. Schauen wir mal, ob dies gelingt.

Mit wuchtigem Bass und einer dunklen Grundstimmung wird das Album mit „The Big Knot“ eröffnet. Zusammen mit Bump J erzählt uns GLC von seinem Cash, Schmuck und Felgen – interessant ist anders. Dafür kann man das Instrumental als halbwegs gelungen bezeichnen, zumindest wenn man auf Down South Rap steht, denn mit den souligen Beats eines Kanye West hat GLC’s aktuelle Musik nichts mehr zu tun. „Clockin’ Lotsa Dollarz“ ist inhaltlich nicht besser, allerdings klingt der Beat angenehm chillig und wird dank slower Melodien schön smooth. Genau der richtige Style für einen Rapper aus Texas und genau so einen hören wir mit Südstaaten Legende Bun B, der dazu passt wie die Faust aufs Auge. Was Oldie Sir Mix-A-Lot hier zu suchen hat, ist allerdings ein kleines Mysterium. Nachdem die ersten beiden Lieder ja nicht gerade die flottesten waren, tut eine schnellere Nummer not. „Pour Another Drink“ ist jetzt zwar keine Tempo-Feuerwerk, hat aber deutlich mehr Drive als die vorherigen Stücke, ist gleichzeitig sehr synthetisch und dennoch mit einer Prise Emotion ausgestattet, die kein Geringerer als John Legend mit einem gut eingesungenen Refrain abrundet. Mit einem anfangs coolen, jedoch bald schon sehr eintönigen Klavier-Loop wäre „Cold As Ice“ ausgestattet, leider schafft GLC es weder mit Flow, noch mit dem Text uns in seinen Bann zu ziehen, zum Glück kann Twista das mit seinem einmaligen Rapstyle noch halbwegs retten, insgesamt bleibt jedoch nicht mehr als ein durchschnittlicher Titel. Durchschnittlich ist gleich ein gutes Stichwort, oder besser gesagt ein schlechtes. GLC schaffte es im ersten Teil der LP nicht, einen wirklich starken Track abzuliefern, sondern bot entweder halbgares Material, oder was, das wir aktuell von zig anderen Rappern auch geboten bekommen.

Ein gutes Beispiel ist das „Flight School“ mit Kanye West und T-Pain, das aufgrund seiner gefühlvollen Klänge und der Harmonie unter den Künstlern zu den besseren Liedern gehört, allerdings in Sachen Qualität nicht über den Standard-Status hinauskommt. Das Gleiche gilt für das mit souligem Touch ausgestattete „So Real“ mit BJ The Chicago Kid, der den Refrain übernimmt. Insgesamt ordentlich, aber nichts Besonderes. Das wohl größte Aufsehen dürfte „The Light“ erregen. Als Feature wird hier 70er-Jahre-Ikone Manfred Mann geführt, der mit einem Sample noch einmal seinen Megahit „Blinded By The Light“ zum Besten gibt und gegen Ende sogar noch einen kurzen Vers beisteuert. Das ganze Stück erinnert mehr als stark an das Original, kommt dagegen natürlich nicht an, ist aber dennoch recht fresh, auch wenn die Abwechslung etwas fehlt. „I Aint Even On Yet“ ist einer der Tracks, die ohne Gäste auskommen. Bei dem entspannt groovenden Instrumental kommt GLC’s lässiger Flow und die smoothe Stimme besonders gut zur Geltung, was Spaß beim Zuhören bereitet. Warum nicht gleich so? Generell hat man das Gefühl, dass in dieser Phase die Qualität höher ist, als in der ersten Hälfte des Albums. Auch „Pull Me Back“ kann begeistern. Lyrisch etwas härter, dazu ein Instrumental, das dank dunkler Pianoschläge ein bisschen Gangsta-Flair aufkommen lässt, was durch die schnellen Flows von GLC und The Legendary Traxster optimal abgerundet wird. Hört man dann noch „This What It Is“, ist man auf einmal Baff, was der Junge plötzlich aus „Love, Life & Loyalty“ herausholt. Grund dafür sind krachende E-Gitarren-Riffs, die gepaart mit ein bisschen Synthesizer-Einsatz ein Stück ergeben, das rein haut und wieder einmal einen überzeugenden GLC im Gepäck hat. Zum Schluss erzählt uns Gangsta L. Crisis mit dem selbstverherrlichenden „I Did It“, welch große Leistung er doch vollbracht hat. Was sein Debüt angeht, kann man da jedoch geteilter Meinung sein.

Große Bäume wird GLC mit „Love, Life & Loyalty“ sicher nicht rausreißen, dazu hat das Album zu viele Hänger und zu wenige Hits. Dennoch beweist er, dass er auch ohne den großen Kanye West dazu imstande ist, ein durchaus passables Werk abzuliefern. Wer die Singles „Clockin Lotsa Dollarz“ und „The Light“ mag, dem wird wohl auch der Rest liegen, alle andern verpassen nicht all zu viel.

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