Kritik | Live From The Tape Deck von „Skyzoo & Illmind“

Küstler:
Skyzoo & Illmind
Redaktions-Wertung:
Titel:
Live From The Tape Deck
Release:
1. Oktober 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Boom Bap erlebt derzeit einen Höhenflug, wie lange nicht mehr in den letzten 10 Jahren. Einen großen Anteil daran trägt Buckshot’s Label Duck Down, dessen Quantität in Sachen Releases immer weiter ansteigt. Dass nun auch Skyzoo in diese Kerbe einschlägt, überrascht den ein oder anderen vielleicht, brachte man sein letztes Album „The Salvation“ doch eher mit Conscious Rap in Verbindung. Ähnlich wie bei seiner ersten Platte „Cloud 9: The 3 Day High“, die komplett von 9th Wonder produziert wurde, arbeitete der Junge aus New York auch für „Live From The Tape Deck“ nur mit einem Beat-Bastler zusammen, sein Name: Illmind. Wie Titel des Albums und das Graffiti-Artwork schon vermuten lassen, geht es hier etwas direkter und ruffer zur Sache als auf Skyzoo’s vorigen Werken, das Ganze wird in 12 Songs verpackt.

Wirft man einen ersten Blick auf die Tracklist, so darf sich darüber gefreut werden, dass „Live From The Tape Deck“ ohne nervende Skits, etc. auskommt und es mit „Digital Analog“ gleich richtig los geht. Hier bekommt man das erste Mal einen kleinen Vorgeschmack auf Illmind’s Arbeit, sofern man ihn noch nicht kennt. Sehr elektrisch pumpt der Beat zu Skyzoo’s locker eingerappten Vocals, später drängen sich Instrumente wie Piano und Geigen in den Vordergrund, also repräsentiert der Sound quasi den Titel des Songs. Die erste Single „Frisbees“ kennen bestimmt schon einige. Auch hier kommt erneut dieser elektronische und hypnotisierende Style von Illmind zum Tragen, klingt geheimnisvoll, im Refrain dagegen melodisch und äußerst chillig, verfeinert wird das alles von Skyzoo, der im Gegensatz zum ersten Lied deutlich engagierter zur Sache geht, was sich natürlich auf den Hörer überträgt. Ganz anders, nämlich kernig und krachend zeigt sich das Rock angehauchte „The Burn Notice“. Zum Rest der Platte stellt es einen willkommenen Kontrast dar, auch wenn es klanglich nicht besonders abwechslungsreich ist, da aber die Jungs von Heltah Skeltah unterstützend eingreifen, kommt keine Langeweile auf. Das könnte eher bei Single Nr. 2, „Speakers On Blast“, passieren. Die Produktion ist hier sehr minimalistisch, nicht viel mehr als ein schwacher Bass gepaart mit ein paar düsteren Sounds, was schon nach wenigen Augenblicken sehr eintönig wird, da kann auch Skyzoo nicht mehr all zu viel retten. Deutlich besser wäre da das direkt anschließende „#Allabouthat“, dessen warmer, souliger, melodischer und entspannter Sound einen von den ersten Tönen an in seinen Bann zieht und man aufmerksam den Rhymes über die Eigenschaften einer Lady und die eigenen Charakterzüge zuhört.

Bei „Barrel Brothers“ ist – wie sollte es auch anders sein – Torae mit am Start, dessen „Double Barrel“ aus 2009 wir alle noch in guter Erinnerung haben. Lyrisch wird sich nur gegenseitig gelobt, durch das ständige Wechseln am Mic, ist das doch richtig unterhaltsam, hinzu kommt das Sahnestück von Produktion, das einfach typisch nach New York klingt, sowohl einen etwas strafferen, als auch angenehm anzuhörenden Sound in sich vereint. Nach einer weniger spektakulären Phase mit „The Winner’s Circle“ und „Krylon“, wird mit „Kitchen Table“ wieder für gutes Entertainment gesorgt. Ein treibender und kraftvoller Bass bildet die Basis, hinzu kommen ein Klavier und ab und an ein paar Violinen, die dafür sorgen, dass hier ein mystisches und fast schon faszinierendes Flair aufkommt, passend zum Beat rappt Skyzoo am Fließband wie eine Maschine und scheint sich durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen. Während „The Now Or Never“ (feat. Styles P & Buckshot) noch ruhigere Töne anschlägt, kommt „Understandig Riley“ wieder fesselnd daher, was wieder einmal an Illmind’s starker Produktion liegt, aber auch die beiden MCs Skyzoo und Rhymefest wissen, was sie zu tun haben, um einen echt starken Gesamteindruck zu hinterlassen. Zum Schluss werden mit „Langston’s Pen“ noch ein paar fantastische Töne, die fast etwas nach Wunderland klingen ausgepackt, die einen noch ein letztes Mal aufhorchen lassen, bevor mit „Live From The Tape Deck“ eine weitere gelungene Platte aus dem Hause Duck Down ausklingt.

Es ist anscheinend völlig egal, welchen Produzenten Skyzoo sich unter den Nagel reißt – er schafft es einfach immer ein gutes Album abzulegen. Zwar hat „Live From The Tape Deck“ auch so manche Schwachstelle, insgesamt gesehen jedoch macht dieses Werk Spaß, ist unterhaltsam trotz nicht ganz so deepe Lyrics wie in der Vergangenheit und hat genau die richtige Länge. Wem die letzten Alben von Duck Down gefallen haben, dem dürfte mit Sicherheit auch diese LP hier liegen, aber auch Skyzoo Fans sollten zugreifen, auch wenn sich „Live From The Tape Deck“ recht deutlich von „The Salvation“ unterscheidet.

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