Kritik | Lasers von „Lupe Fiasco“

Küstler:
Lupe Fiasco
Redaktions-Wertung:
Titel:
LASERS
Release:
29. April 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Lange war es still um Lupe Fiasco, seit 2007 mussten wir auf eine neue LP des smarten Chicagoers warten. Was ursprünglich sein großer Abgang von der Bühne mit einem als „LupE.N.D.“ betitelten 3-Disc-Set werden sollte, wurde dank des Vetos seiner Plattenfirma ein normales Album namens „LASERS“, der Kurzform von „Love Always Shines: Everytime Remember 2 Smile“. Im Gegesatz zum viel gelobten Vorgänger „The Cool“, ist „LASERS“ kein Konzeptalbum mit rotem Faden, sondern eher eine Ansammlung verschiedener Stile und Themen. Dass dabei am Ende nur 12 Songs zu Buche stehen, ist vielleicht ein wenig mager, aber auch hier kommt der viel zitierte Spruch „Qualität statt Quantität“ wieder einmal zum Tragen.

Gleich zum Auftakt bekommen wir den neuen Sound Lupe Fiascos zu hören. „Letting Go“ hat zwar eine entspannt nachdenkliche Note, die wir schon von seinen älteren Alben her kennen, allerdings ist dieser Track hier wesentlich elektronischer gestaltet, was anfangs vielleicht etwas befremdlich rüber kommt, man sich aber schnell daran gewöhnt. Auch „Words I Never Said“ hat einen stark von Synthesizer & Co. geprägten Style, dazu kommt eine mächtige Drum, die den pikanten Inhalt, in dem sich Lupe über die innenpolitische Lage der USA auslässt, gut untermalt, hinzu kommt dann noch ein bombastischer Refrain, eingesungen von Skylar Grey. Nach diesem mitreißenden Auftakt lässt es der 29-jährige MC mit „Till I Get There“ wieder etwas lässiger angehen. Das Instrumental setzt auf zurückhaltende Klaviermelodien, ist also das komplette Gegenteil zu den vorangegangenen Tracks und erinnert ein wenig an sein Debüt-Album. Trey Songz bringt eine Prise R&B in den ansonsten sehr poppigen Love-Song „Out Of My Head“, der für manche sicher etwas kitschig, für andere aber auch ein echter Ohrwurm ist. Gefolgt wird dieser von der bereits länger bekannten Single „The Show Goes On“, die uns schon vor einigen Monaten die Stilveränderung des Lupe Fiasco ankündigte. Im Gegensatz zu seiner sonstigen Musik ist dieses Stück schon sehr auf die Charts ausgerichtet, allerdings müssen auch absolute Mainstream-Hater zugeben, dass der Flow wie immer wirklich gut kommt und sich der Refrain schlicht und einfach im Gehör festbeißt.

Die zweite Albumhälfte wird mit „Beautiful Lasers (2 Ways)“ (feat. MDMA), welches bei diesem Titel erwartungsgemäß vor schrägen Tönen aus der Elektronik nur so strotzt, eingeleitet. Nachdem es mit einem weiteren radiotauglichen, sommerlichen Hit namens „Coming Up“ (feat. MDMA) weiterging, kommen wir in den Genuss des fast schon widersprüchlichen „State Run Radio“, das sich mit dem aktuell glattgebügelten Sound, der Airplay garantiert befasst. Passend dazu wartet das Stück mit krachenden Gitarrenriffs und vielen Gesangsparts von Matt Mahaffey. Einen wirklich gravierenden Unterschied zur sonstigen Radiomusik gibt es zwar nicht, unterhaltsam ist das Stück aber allemal. Bevor „LASERS“ mit dem sehr soulig gehaltenen „Never Forget You“, bei dem auch John Legend seine butterweiche Stimme zum Besten gibt, ausklingt, spricht Lupe mit „All Black Everything“ die seit Jahrhunderten missliche Lage der Afroamerikaner an, ist dabei aber eher als nachdenklicher Berichterstatter, anstatt als aggressiver Ankläger zu sehen. Und obwohl der Track im Vergleich zum Großteil des Rests des Albums recht schlicht und besonnen wirkt, so ist es doch einer der emotionalsten Höhepunkte eines rundum gelungenen Werkes.

„LASERS“ ist definitiv anders als seine Vorgänger, zumindest was den Sound betrifft. Lupe hingegen schafft es unverändert mit cleveren Rhymes über alltägliche oder ernste Dinge des Lebens den Hörer in seinen Bann zu ziehen und somit trotzdem die teils mächtigen Beats zu dominieren. Auch wenn viele derzeit sagen, dass Electro im Hip Hop nichts zu suchen hat, sollte man „LASERS“ eine Chance geben, denn mit dem üblichen und stumpfsinnigen Brei hat Lupe Fiasco nach wie vor nichts zu tun.

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