Kritik | Kickin‘ & Screamin‘ von „Krizz Kaliko“

Küstler:
Krizz Kaliko
Redaktions-Wertung:
Titel:
Kickin' & Screamin'
Release:
1. Juni 2012
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Zwei Jahre nach seinem letzten, nicht ganz unumstrittenen Album „Shock Treatment“ kehrt Publikumsliebling Krizz Kaliko mit seinem mittlerweile schon vierten Werk „Kickin‘ & Screamin'“ zurück. Im Gegensatz zum Vorgänger, wurde die Platte fast komplett von einem Produzenten gebastelt, was dafür sprechen könnte, dass „Kickin‘ & Screamin'“ den berühmten roten Faden enthält und vielleicht nicht mehr so facettenreich ist. Doch wäre das wirklich Krizz Kaliko? Checken wir es aus!

Schon mit dem ersten Song „Dancin‘ With Myself“ setzt der gute Krizz ein erstes Statement. Ganz nach dem Motto „wer brauch schon die anderen?“ feiert er sich und seine Musik, das Alles mit freaky Flow und zu einem echten Brecher-Beat, der einen von Beginn an packt. Im krassen Gegensatz dazu groovt „Kali Baby“ mit einem lockeren Sommer-Flair und ein bisschen Blues. Es scheint, als wäre Krizz Kaliko seiner Kreativität weiterhin treu. Den ersten Auftritt von Gästen bekommen wir auf „Kill Shit“ zu hören. Wie der Titel schon vermuten lässt, handelt es sich hier um einen Track der härteren Art. Genauer gesagt: Das Ding ist laut, schrill, sehr elektronisch und vor allem gnadenlos kraftvoll. Die Message dazu ist „Uns kann keiner was!“, welche mit den Kollegen Twista und Tech N9ne der Rap-Welt vorgetragen wird. Kali legt schon gut los, Twista entfacht wieder einmal einen Hurricane am Mic und abgerundet wird das Ganze von Tech N9ne, der schneller die Reime abfeuert als sein Schatten. Perfekt ergänzt wird dies durch das darauffolgende, ebenfalls mit Power geladene „Mayday“, bei dem man sich auf einen Chamillionaire in Topform freuen kann.

Ging die Startphase von „Kickin‘ & Screamin'“ nun schon gut los, zeigt sich Krizz Kaliko ab dem Mittelteil wieder gewohnt experimentierfreudig. Eingeleitet wird diese Phase mit keinem Geringeren als T-Pain, den einige Strange Music Fans schon auf dem letzten Tech N9ne Album nicht gerne gehört haben. Musikalisch erinnert der Track an „Hunterish“, enthält sogar ein kurzes Sample davon, ohne jedoch dessen Klasse zu erreichen. Im Endeffekt ein akzeptables Stück, jedoch nichts wirklich Großartiges. Wenn es um den Genuss von Alkohol geht, kann ein Mann nicht weit sein… Big Scoob! Der gibt sich gemeinsam mit den Jugalos von Twiztid auf „Dixie Cup“ die Ehre. Lyrisch recht amüsant, doch man muss durchaus tolerant sein, um an dem Song Gefallen finden zu können, denn sein aggressives Metal-Instrumental ist sicher nicht jedermanns Sache. Ähnlich abgefahren, jedoch vom Style her völlig anders, geht es mit „Abu Dhabi“ (feat. 816 Boyz) weiter. Müsste man sich einen orientalischen Club-Banger ausdenken, so würde wohl genau dieses Lied dabei herauskommen.

Richtig cool, aber auch etwas geheimnisvoll wummert das erotisch angehauchte „Species“, welches sich dank seiner lässigen Art wunderbar auch gerne einmal in Rotation anhören lässt. Zudem glänzt Krizz wieder einmal als Alleinunterhalter. „Created A Monster“ ist inhaltlich deutlich anspruchsvoller. Kali lässt dabei seine Jugend, in der er wegen seines Übergewichts und seiner Weißfleckenkrankheit gehänselt wurde, Revue passieren. Anstatt jedoch in Selbstmitleid zu verfallen, wird am Ende jedoch ein positives Fazit geschlossen – sehr bewegend. Dass der musikalische Background dementsprechend angepasst ist, versteht sich von selbst. Weitere Gänsehautatmosphäre wird durch „Hello Walls“ – dem inneren Gefängnis – erzeugt. Sehr gefühlvoll, fast schon verletzlich und zerbrechlich schmiegt sich das melancholische Melodiengewand in unser Gehör und transportiert die großartigen Lyrics von Krizz Kaliko und Tech N9ne. Generell weiß die komplette Schlussphase zu überzeugen und bietet Strange Music typisch mit dem letzten Song noch mal ein echtes Highlight. „Stay Alive“ (feat. big Scoob) heißt der Abschluss, der mit seinem pompösen Sound alle Geschütze auffährt, um uns ein grandioses Finale zu bieten.

Trotz einiger Ausreißer hält „Kickin‘ & Screamin'“ fast durchweg sein Niveau und wirkt nicht mehr ganz so wild zusammengesetzt wie sein Vorgänger. Dass einem das Album zu 100% gefällt, ist zwar fast unmöglich, dafür macht es zu 80% alles richtig und bietet neben den angesprochenen Highlights noch so manch andere Perle. Wer von Krizz Kaliko nicht genug bekommen kann, sollte sich zudem nach der aktuellen EP „S.I.C.“ umschauen.

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