Kritik | I Am Not A Human Being von „Lil Wayne“

Küstler:
Lil Wayne
Redaktions-Wertung:
Titel:
I Am Not A Human Being
Release:
15. Oktober 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Seitdem 2008 „Tha Carter III“ rauskam, entwickelt sich Lil Wayne nach und nach zum größten Phänomen der Rap-Szene seit Eminem. Die einen lieben ihn, die andern hassen ihn, dazwischen gibt’s wohl nur noch die, die ihm trotz des tiefen Absturzes von Cash Money Records (Kevin Rudolf, Jay Sean, Young Money Clique,…) aufgrund der guten alten Hot Boys Zeiten in den 90ern weiterhin eine Chance geben. Nachdem seine letzte Platte „Rebirth“ ja nicht unbedingt das Gelbe vom Ei war und Weezy in der letzten Zeit gerne mal Probleme mit Vater Staat – inklusive Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen – hatte, dürfte das ursprünglich als EP geplante neue Album „I Am Not A Human Being“ von vielen mit Spannung erwartet worden sein, denn selten wusste man nicht, ob nun ein Top oder ein Flop auf einen zukommt.

Lil Wayne’s wohl erfolgreichste Entdeckung Drake ist nicht nur bei dem Opener „Gonorrhea“ dabei, sondern wird uns gleich noch zwei weitere Male auf diesem mit zahlreichen Features bestückten Album begegnen. Die Produktion von Kane Beatz macht hier sofort klar, dass es auf dieser Platte wieder etwas ruffer zur Sache gehen wird und man nicht all zu viel Pop-Rap erwarten sollte. Mit trockenem Bass, schrägen Synthesizer-Effekten und gelegentlichen E-Gitarreneinsätzen klingt das komplette Stück nicht gerade freundlich und auch Wayne selbst zeigt sich verändert. Seine Stimme hört sich bei weitem nicht mehr so kaputt an wie in der jüngeren Vergangenheit und auch sein Flow sowie die recht vulgären Texte und teils recht amüsanten Lines erinnern an die alten Tage und sind weniger persönlich als in der „Tha Carter“ Trilogie. Bei Drake hat man eher das Gefühl, er wäre ein Fremdkörper, denn er passt einfach nicht zu diesem Style, glücklicherweise ist Wayne so dominant, dass man von seinem Buddy nicht viel mitbekommt. „Hold Up“ führt das gleich fort, ist allerdings ein bisschen flotter, wobei man über das Instrumental sagen muss, dass es nicht viel mehr als Down South Standard ist, dafür macht Lil Wayne wieder einen guten Job, warum er den recht schwach rappenden T Streets mit ins Boot geholt hat, weiß wohl nur er selbst. Komplett anders, nämlich soulful und verdammt schmalzig fällt der Love-Song „With You“ aus. Eine durchgehend singende Frauenstimme gepaart mit einem angenehmen Pianostück ergibt ein verdammt chilliges Stück, bei dem lediglich der von Drake eingesungene Refrain sich ein wenig seltsam anhört. Der von Rock geprägte Sound des letzten Albums hat vielen nicht gefallen, umso überraschender, dass der vor krachenden E-Gitarrenriffs und Schlagzeug nur so strotzende Titeltrack „I Am Not A Human Being“ einer der besten der Platte ist. Das liegt unter anderem an der generellen Power, die die Produktion mit sich bringt, aber auch an Weezy, der das zu nutzen weiß und selbstbewusst seine Reime spittet.

Durch das Video zu „I’m Single“ ist auch das passende Lied dazu schon seit geraumer Zeit bekannt. Seltsamerweise wird Drake hier als Feature geführt, tatsächlich ist er aber während der kompletten Spielzeit nicht zu hören. Das Tempo wurde bei diesem Stück richtig weit nach unten geschraubt und so bekommen wir einen behäbigen und unglücklichen Wayne zu hören, der uns auf stolzen 5:34 Minuten von schnellem Sex und negativen Erfahrungen mit Frauen berichtet. Manchen wird das vielleicht etwas zu unspektakulär sein, andere dagegen finden bestimmt Gefallen an dieser gefühlvollen Nummer. Wenig gefühlvoll hingegen zeigt sich „What’s Wrong With Them“, bei dem während Wayne’s Strophen auf einen nicht gerade außergewöhnlichen und recht trockenen Synthie-Beat gesetzt wird, die von Nicki Minaj eingesungene Hook bedient sich dagegen an einem melodischen, fast schon poppigen Stück. Insgesamt ganz nett anzuhören, aber nichts wirklich Neues oder gar Faszinierendes. Sehr dem Mainstream zugewandt präsentieren sich Weezy und Drake mit der Hit-Single „Right Above It“. Glatt und eingängig produziert dürfte dieses Lied hauptsächlich seinen jüngeren Fans, die erst seit „Lollipop“ dabei sind, gefallen, dank des Refrains und des warmen Sounds kann man aber auch als neutraler Hörer von einem ordentlichen Stück sprechen. Leider sind auch die folgenden Lieder „Popular“ mit einem verdammt blassen Lil Twist und „That Ain’t Me“ (feat. Jay Sean) solch viel zu uninteressante Stücke, die man zwar nicht als komplett misslungen darstellen sollte, aber denen es einfach an Ecken und Kanten fehlt. Solche kann „Bill Gates“ vorweisen. Dunkel, brachial und fesselnd pumpt der Beat von Boi-1da, dazu erzählt Wayne von seinem von Geld und Kriminalität geprägten Lifestyle, was an sich jetzt nicht so interessant ist, durch seinen einzigartigen Rap Stil ist das komplette Lied aber recht unterhaltsam und eines der besten von „I Am Not A Human Being“. YM ist die Kurzform von Young Money, daher ist es wenig überraschend, dass bei „YM Banger“ und „YM Salute“ die Posse um Jae Millz, Gudda Gudda, Tyga, Lil Twist, Lil Chuckee und Nicki Minaj vertreten ist. Problem: Ein echtes Talent ist keiner von denen, wenn dann noch extrem schwache Produktionen dazu kommen und Lil Wayne unter seinen Kollegen völlig unter geht, bleiben zwei insgesamt enttäuschende Lieder. Auch das etwas hektischere „I Don’t Like The Look Of It“ (feat. Gudda Gudda) ist nur minimal besser und beendet somit dieses Album wenig zufriedenstellend.

Übermenschlich fällt „I Am Not A Human Being“ also bei weitem nicht aus, auch wenn sich das Teil wieder verkaufen wird wie geschnitten Brot. Betrachtet man das Album weder aus der Sicht eines Fanboys, noch aus der eines Haters, so bleibt letztendlich ein durchschnittliches Werk, das so manche gelungene Stücke, aber auch diverse Ausfälle vorzuweisen hat. Positiv bleiben Lil Wayne’s wieder genesene Stimme und der bissige Flow festzuhalten, die er hoffentlich auch für „Tha Carter IV“ beibehält, dann vielleicht mit ein paar Gästen weniger und einigen starken Beats mehr.

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