Kritik | Cole World: The Sideline Story von „J. Cole“

Küstler:
J. Cole
Redaktions-Wertung:
Titel:
Cole World: The Sideline Story
Release:
23. September 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Jermaine Lamarr Cole, oder kurz J. Cole, gehört zu den vielen jungen Musik-Talenten, die von Hip Hop Mogul Jay-Z gefördert und mit einem Plattenvertrag bei dessen noch recht jungem Label Roc Nation ausgestattet wurden. Nach diversen recht erfolgreichen Mixtapes, steht nun mit „Cole World: The Sideline Story“ das erste Album des Rappers aus North Carolina in den Plattenläden. Den Großteil des 16 Track umfassenden Werkes produzierte Cole gleich selbst, auch im lyrischen Bereich ist er hauptsächlich alleine verantwortlich und hat mit seinem Chef, Trey Songz, Drake und Missy Elliott lediglich 4 Features dazu geholt. Heutzutage fast schon eine Seltenheit. Stellt sich nun nur noch die Frage, ob J. Cole sich vielleicht nicht etwas zu viel zugemutet hat, oder ob die Eigenregie genau das richtige Rezept für eine gelungene Platte ist.

Schon das Intro mit seinem gefühlvollen Klavierstück lässt erkennen, J. Cole gehört eher zur ruhigeren Gattung – ein Junge, der nicht durch Image, sondern mit smartem Auftreten punkten will. So richtig startet das Album jedoch mit „Dollar And A Dream III“, der Fortsetzung einer bereits 2007 gestarteten Serie an Songs. Mit eher traurigen Pianoklängen ausgestattet, bietet das Instrumental die optimale Basis für Cole’s ernste Performance, die insbesondere mit der ewig langen zweiten Strophe beeindruckend, aber natürlich auch nicht ganz so leicht zu verarbeiten ist. Mit dem als Single veröffentlichten „Can’t Get Enough“ gibt es schon früh einen absoluten Knaller der Tracklist. Im Grunde geht es nicht mehr um Frauengeschichten, dennoch recht unterhaltsam verpackt, gerade auch weil Cole mit hohem Tempo die Reime rausfeuert. Gekreuzt wird diese Performance mit einer wirklich unglaublich tollen Produktion, die sowohl vom Tempo her mitreißt, mit ihrer melodischen Art und dem Background-Gesang aber auch gleich unter die Haut geht, was mit dem Refrain von Cole und Trey Songz dann schlussendlich noch auf die Spitze getrieben wird. „Lights Please“ hingegen kommt recht relaxt daher und lässt sich genau deshalb gut anhören bzw. genießen. Ein Song, der zunächst gar nicht so zum Rest der Platte passen will, finden wir mit „Mr. Nice Watch“. Die Kollabo mit Jay-Z donnert im Kontrast zu den andern Liedern mit massig Bass und vielen elektronischen Elementen durch die Anlage. Dadurch kommt auch eine etwas rauere Atmosphäre auf, die Cole in seinen Raps zu nutzen weiß und es allen zeigt, die ihn früher belächelt haben. Nett dabei auch der Querverweis auf seinen Lieblingssport Basketball, der ja auch im Artwork verarbeitet wurde („Coach wouldn’t let a nigga off the bench, now wonder why I didn’t quit the team“. Nicht zu vergessen: Jay-Z, der ebenfalls einen Part hin schmettert, der sich gewaschen hat.

Die zweite Hälfte von „Cole World: The Sideline Story“ beginnt mit seinem Track, der chilliger nicht sein könnte. Wie so oft auf diesem Album spielt das Klavier eine wichtige Rolle, in diesem Fall sogar die entscheidende. Richtig verträumt kommt das Instrumental daher, bei dem auch Drake mit eingreift, jedoch lange nicht so smooth mit der Musik umzugehen weiß, wie J. Cole. Miss Elliott – bei diesem Namen läuft es vielen kalt den Rücken hinunter. Doch keine Sorge, die einstige Wuchtbrumme macht sich auf dem Lovesong „Nobody’s Perfect“ wirklich gut, was wohl daran liegt, dass sie den Refrain singt und nicht rappt. Ansonsten bleibt ein Titel, der recht flott und mit Drive daherkommt und es schafft Romantik anstatt Kitsch zu versprühen. „Rise And Shine“ lässt schon am Namen erkennen, dass hier wieder einmal das Selbstbewusstsein im Vordergrund steht und so überrascht es auch nicht, dass auch die Produktion äußerst wuchtig und pompös im Hintergrund wummert, während Cole spittet. Die Schlussphase der Platte fällt dann insgesamt wieder etwas gefühlvoller aus, insbesondere „Breakdown“ geht mit seiner emotionalen Gesamtanmutung unter die Haut. Lediglich der Bonus Track „Work Out“, der bereits vor über einem Jahr als Single veröffentlicht wurde, fällt qualitativ leider deutlich vom Vorangegangenen ab. Aber da Bonus, halb so wild.

„Cole World: The Sideline Story“ ist ein Album, das eigentlich gar nicht so recht ins Major Business passt, in den Mainstream-Bereich schon gar nicht und wohl genau deshalb ist es umso erfrischender. Kein ständiges Booty-Shaken, Kohle verprassen und Waffe zücken, dafür häufig sehr emotionale Tracks und auch die ein oder andere Perle, die nicht angesprochen wurde, sondern als kleine Überraschung dienen soll. Jay-Z hat in diesem Fall wirklich ein gutes Näschen bewiesen und J. Cole die Erwartungen erfüllt. Weniger ist eben doch manchmal mehr.

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