Kritik | Coathanga Strangla von „Brotha Lynch Hung“

Küstler:
Brotha Lynch Hung
Redaktions-Wertung:
Titel:
Coathanga Strangla
Release:
27. Mai 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Als Brotha Lynch Hung seinen Plattenvertrag bei Strange Music unterzeichnete, gab es nicht wenige, die am Erfolg der Geschichte zweifelten. Als im Frühjahr 2010 „Dinner And A Movie“ in den Läden stand, verstummten die Kritiker jedoch, denn der Rapper aus Sacramento präsentierte sich so stark wie seit einer halben Ewigkeit nicht mehr. Daher sind die Erwartungen an sein 2011er Werk „Coathanga Strangla“ natürlich auch ganz andere. Da die ersten drei Strange Music Alben eine Trilogie bilden sollen, überrascht es nicht, dass die neue LP einem ähnlichen Konzept folgt wie der Vorgänger. Wir erleben also erneut eine CD, die man eher als Horror-Hörbuch bezeichnen sollte, mit Songs die aufeinander aufbauen und durch zahlreiche Gesprächspassagen miteinander verknüpft werden.

Nachdem in „Dinner And A Movie“ Brotha Lynch Hungs selbstkreierter Serienkiller die Bühne betreten hat, geht es nun auf „Coathanga Strangla“ noch eine Spur intensiver zur Sache, wir werden quasi mit in die Gedankengänge des Kannibalen genommen. Nach dem Intro erleben wir auf „The Coathanga“ somit das erste Mal, was eben in jenem vorgeht und welche Werkzeuge er so benutzt. Musikalisch wirkt das Ganze wie ein Paukenschlag, den BLH mit seiner kraftvollen und dunklen Art nutzt, um die Eröffnungsszene zu stürmen. Fortgeführt wird dies mit „Mannibalector“, das mit langsamen und furchteinflößenden Beat poltert und uns von der Speisekarte des Menschenfressers berichtet – wer braucht da noch Horrorfilme? „Sooner Or Later“ beschäftigt sich mit Liebe, besser gesagt um das gebrochene Herz des Coathanga Strangla und die Freundin, die ihn früher oder später um den Verstand bringt. Und was daraus folgt, kann sich wohl jeder denken. Dementsprechend traurig und behäbig kommt der von Piano begleitete Song daher. Im Gegensatz zu den sonst recht böse und unbehaglich klingenden Tracks, kommt „Red Dead Bodies“ fast schon locker daher, allerdings keinesfalls freundlich. Ein melodischen Zusammenspiel von Streichern und E-Gitarren sorgen dafür, dass man den Titel trotz der erneut harten Texte recht relaxt anhören kann. Brotha Lynch Hung zeigt dazu mit geschickten Tempowechseln im Flow, wie perfekt seine Skills auf das Erzählen von Gruselgeschichten ausgelegt ist und auch Feature G Macc bietet eine ordentliche Vorstellung.

Schon bei „Dinner And A Movie“ hat Brotha Lynch Hung weitestgehend auf die Hilfe aus dem Strange Music Camp verzichtet und sein eigenes Ding durchgezogen, so auch hier. Chef Tech N9ne darf dennoch nicht fehlen. Seinen ersten von zwei Auftritten hören wir auf „I C U“. Inhaltich geht es um das Beobachten des Opfers und den darauf folgenden Überfall, wobei sich insbesondere Brotha Lynch Hung an exzessiver Gewalt erfreut, dass es einem kalt den Rücken hinunter läuft. Die Hintergrundmusik dazu ist ebenso schlicht wie unbehaglich und bedrückend, perfekt für das Feeling. Einen möglichen Hintergrund für all die Taten liefert „I Don’t Think My Momma Ever Loved Me“. Wie man am Titel schon erkennt, dreht sich der Track um die missratene Jugend des Kannibalen und ist damit der wohl traurigste und gefühlvollste Song der Platte. Zu den seichten Melodien kommt noch ein eingesungener Refrain von Mr. Blap, welcher die Emotion noch weiter steigert. Seinen Ausklang findet „Coathanga Strangla“ mit „If Happens“, welches pausenlos mit Waffengeräuschen unterlegt ist und einen ziemlich abgedrehten Refrain sein Eigen nennen kann, außerdem ist Brotha Lynch Hungs nicht minder durchgeknallter Homie First Degree The DE mit von der Partie. Zum Schluss berichten uns BLH und Tech N9ne auf „Takin‘ Online Orders“ noch von ihrem Versandhandel für Menschenfleisch – welch kranker Abschluss eines verdammt kranken Albums!

Fans von hartem Tobak kommen mit „Coathanga Strangla“ voll auf ihre Kosten. Lyrics und Beats harmonieren optimal und fesseln bzw. schockieren in Zusammenarbeit noch mal ein Stück mehr, als auf dem letzten Album. Insgesamt also kann man von Brotha Lynch Hungs jüngstem Werk von einem perfekten Horrorcore-Album sprechen, dem vielleicht ein Hauch mehr Abwechslung noch gut getan hätte, das ansonsten aber seinen Job so ausführt, wie man es erwartet. Für Strange Music Fans sei noch erwähnt, dass Big Scoob in den USA bereits seine neue LP „Damn Fool“ veröffentlicht hat und auch Tech N9ne steht mit „All 6’s And 7’s“ in den Startlöchern.

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