Kritik | All 6’s And 7’s von „Tech N9ne“

Küstler:
Tech N9ne
Redaktions-Wertung:
Titel:
All 6's And 7's
Release:
22. Juli 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Es ist mittlerweile ein alljährliches Ritual geworden, dass Aaron Yates a.k.a. Tech N9ne mindestens eine Platte veröffentlicht – die Collabos-Werke einbezogen. Nachdem sich „K.O.D.“ zumindest in den USA verkauft hat wie geschnitten Brot und Tech’s Fans generell hohe Ansprüche haben, liegt die Messlatte für sein jüngstes Werk „All 6’s And 7’s“ selbstverständlich sehr weit oben. Im Vorfeld wurde bereits viel über das Album gesprochen, insbesondere die geplante Gästeliste mit Leuten wie Nicki Minaj, Lil Wayne, Eminem oder Snoop Dogg hatte bei nicht wenigen für etwas Missmut gesorgt, allerdings wurde im Endeffekt nur ein Teil der Ideen in die Tat umgesetzt. Wie das funktioniert und ob Kansas City’s liebster Sohn eine weitere Perle zu seiner hochkarätigen Discografie hinzugefügt hat, sehen wir jetzt.

Stolze 24 Titel zählen wir auf der Tracklist, wobei natürlich wieder einige Skits mit dabei sind. Etwas schade ist auch, dass Pre-Order, Best Buy und die iTunes-Ausgaben von „All 6’s And 7’s“ insgesamt 7 Bonus Tracks spendiert bekamen, in deren Genuss wir hier nicht kommen. Sei’s drum. Mit dem ersten Song „Technicians“, eine Art Hommage an seine Anhänger, die er der Welt präsentiert. Das Kampfgeschrei, das aus dem Film „300“ übernommen wurde, kam ja schon früher zum Einsatz, passt hier aber auch wie die Faust aufs Auge, in Kombination mit Tech N9ne’s zerstörerischem Flow und dem donnernden Beat wird am Ende eine wahre Hymne daraus, der auch Krizz Kaliko mit seinen Parts im Refrain seinen Stempel aufdrücken kann. Auf diesen Kracher zu Beginn folgt mit „Am I A Psycho?“ gleich das nächste Highlight. B.o.B., der ja sonst eher zur soften Kategorie zählt, produzierte das Stück und ist gleich noch als Feature dabei, zusätzlich ist noch Hopsin mit am Start. Schnell wird klar, dass der Titel des Songs eigentlich nur eine rhetorische Frage ist und mit abgedrehten Verses der drei beantwortet wird. Soundmäßig ein wenig düsterer, aber erneut mit einer unglaublichen Wucht, der man sich einfach nicht entziehen kann. Nach diesem kleinen Einblick in Tech’s Inneres bekommen wir mit der Single „He’s A Mental Giant“ gleich noch passenden Nachschub. Hierzu schaut man sich am besten das Video an, das mit seiner abgedrehten Visualisierung die Stimmung des Songs perfekt einfängt.

Wer nun denkt ein wenig verschnaufen zu können, der hat leider Pech gehabt, den mit „Worldwide Choppers“ wird der Power-Regler bis zum Anschlag aufgedreht. Aggressive E-Gitarren zieren einen mächtigen Bass, dazu feuern Tech N9ne und seine Gäste Busta Rhymes, Yelawolf, Twista, D-Loc, Twisted Insane, JL, Ceza und Uso einen High Speed Vers nach dem nächsten ab. Dank den europäischen Kollegen Ceza und Uso blieb es diesmal nicht bei der Bezeichnung „Midwest Choppers“, allerdings passt „Worldwide“ bei einem solchen Biest auch gleich viel besser. Einen krassen Kontrast dazu bietet die groovy Gute-Laune-Nummer „I Love Music“, die das Album zum richtigen Zeitpunkt ein wenig auflockert. Eine kleine Überraschung erleben wir mit „Strangeland“ und das liegt weniger am Song an sich, sondern am Producer-Team J.U.S.T.I.C.E. League, das sich ja eigentlich auf sonnigen Florida Hip Hop à la Rick Ross oder Ace Hood spezialisiert hat. Das Stück für Tech N9ne gestalteten sie hingegen mystisch und fast schon märchenhaft, wozu unser Erzähler von seinem selbst kreierten Reich berichtet. Da das den Jungs offenbar so viel Spaß gemacht hat, setzen sie mit „The Boogieman“ das Konzept fort und liefern ihre Version der Story um den bösen Mann, der unterm Bett lauert. In der Mitte von „All 6’s And 7’s“ finden wir eine Art Porno-Phase, angeführt von dem Song, vor dem es wohl vielen gegraut hat, nämlich „F*ck Food“, die Kollabo mit Lil Wayne und T-Pain. Gemeinsam mit seinen Gästen lässt Tech keine Gelegenheit über die Vorlieben beim Schäferstündchen zu philosophieren, da sollte man eine Brise Humor mitbringen. Das eigentlich Verrückte an dem Track: es funktioniert. Besonders T-Pain zeigt auf dem wieder ein wenig dunkler ausgelegten Stück, dass er als Rapper mehr auf dem Kasten hat, als als Sänger.

Leider ist der Rest dieser Phase bei weitem nicht auf dem Niveau, sondern insgesamt recht uninteressant und wird von dem ebenfalls nicht besonders glänzenden „You Owe Like Pookie“ und dessen unharmonischer Art vollendet. „So Lonely“ verbindet gekonnt Härte mit Gänsehauteffekten, besonders der Refrain mit Tech’s aggressiver Performance zusammen mit dem Gesang von Mackenzie, der Tochter von Co-Labelchef Travis O’Guin. Feature Blind Fury hat gegenüber Tech N9ne deutlich das Nachsehen und passt somit nicht hundertprozentig auf einen Track, in dem es um Alleinstellung im Biz geht, nichts desto trotz hören wir ein großartiges Stück Musik. Ebenfalls sehr schön anzuhören sind die gefühlvollen Songs gegen Ende. Angefangen mit „If I Could“, das seiner Familie gewidmet ist, über das chillige „Love Me Tomorrow“, das sich mit der eigenen Person beschäftigt, hin zu „Mama Nem“, das – wie der Titel schon erkennen lässt – an die Mutter gerichtet ist und als Danksagung zu verstehen ist. All diese Titel zeigen die menschliche Seite des Tech N9ne und nicht den Psycho aus dem Strangeland. Nebenbei glänzt Krizz Kaliko, der mit seinen Hooks den Vorstellungen seines Chefs die Krone aufsetzt. Zum Abschluss gibt es mit freaky Klängen einen kurzen Überblick über den freaky Werdegang von Tech N9ne und dessen komplett selbstgeschaffener Karriere, dem sogenannten „Promiseland“ (feat. Nikkiya Brooks).

Trotz bald 40 Jahren auf dem Buckel zeigt sich Tech N9ne mit „All 6’s And 7’s“ so frisch und energiegeladen wie eh und je. Zwar haben sich bei der langen Tracklist auch schwache Stücke eingeschlichen, insgesamt überwiegen jedoch wieder einmal die Highlights, die in Sachen Text und Sound für Begeisterung bei all seinen Fans unter Garantie sorgen werden und sicher auch noch einige neue hinzugewinnen.

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