How I Got Over von „The Roots“

Küstler:
The Roots
Redaktions-Wertung:
Titel:
How I Got Over
Release:
2. Juli 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Eigentlich sollte schon vor zwei Jahren nach dem letzten Album „Rising Down“ Schluss sein mit den Roots, doch wie so oft bei der geplanten Hip Hop Rente kam es auch hier mal wieder anders als geplant. Seit weit über 15 Jahren ist die Crew aus Philadelphia, deren aktuelle Besetzung aus den beiden Urgesteinen Black Thought und Questlove sowie den Kollegen Kamal Gray, Captain Kirk, Frank Knuckles, Tuba Gooding Jr. und dem Neueinsteiger Owen Biddle besteht, nun dabei, seither wurde ihr Style nie langweilig oder verlor etwas von seiner Ausstrahlungskraft – das muss erst mal einer schaffen! „How I Got Over“ ist der Titel der neuen Roots-LP, die mit altbekannten Wegbegleitern um Dice Raw, Truck North, Peedi Peedi oder P.O.R.N. den langjährigen Fans gewohnt gute Unterstützung für Black Thought bietet, aber auch andere bekannte Leute wie Phonte und Blu lassen hier etwas von sich hören.

Das mit nicht einmal 43 Minuten recht kurze Album findet seinen Beginn mit einem relaxten und jazzy Intro namens „A Peace Of Light“, was einen hervorragend auf das Kommende einstellt. Der erste richtige Song trägt den Titel „Walk Alone“, einem Song über den persönlichen Struggle, bei dem zunächst Truck North eine Strophe kickt, danach folgen P.O.R.N., Black Thought und Dice Raw mit einem butterweichen Refrain über ein gefühlvolles Stück, bei dem besonders ein Piano einen wichtigen Part spielt, aber auch Schlagzeug und E-Gitarre finden einen dezenten Einsatz. „Dear God 2.0“ wurde als Single ausgekoppelt und dies auch völlig zu recht, denn es ist einer der schönsten Tracks der Platte. Lyrisch geht es, wie der Name schon vermuten lässt, um die Worte, die man bzw. Black Thought an den Herrn richtet. Unterlegt wird dies mit einem etwas geheimnisvolleren Stück, das auf der einen Seite dunkel, auf der anderen aber auch hoffnungsvoll klingt und in dem eingesungenen Refrain der Monsters Of Folk seinen souligen Höhepunkt findet. Das darauf folgende „Radio Daze“ lässt es eine Spur entspannter angehen, groovt angenehm vor sich hin, ist dank der Roots typischen instrumentalen Begleitung ein geschmeidiger Ohrenschmaus und verbindet wieder einmal gekonnt die Verse mit dem Refrain, bei denen hier Blu, P.O.R.N. und Dice Raw beteiligt sind, zu einem vor Soul sprühenden Song.

Titelsong „How I Got Over“ bringt mit seiner beschwingten und frischen Art etwas Abwechslung in die sonst recht ruhigen Töne des Albums. Besonders Questlove und sein Schlagzeug kommen hierbei zur Geltung, noch dazu bringt eine E-Orgel coole Old School Flavor mit ein. Black Thoughts Flow fesselt und lässt nicht mehr los, doch auch Dice Raw muss wie so oft auf dieser Platte positiv erwähnt werden, denn seine Hooks sind oftmals das Salz in der Suppe. Komplett anders, jedoch nicht minder gut, präsentiert sich „Right On“, dessen Bässe fast schon hypnotisch vor sich hin wummern und dessen freaky Scratches und diverse andere Elemente ein wenig nach Wunderland klingen. Da passen Sängerin Joanna Newman, zuständig für den Refrain, und STS mit ihren einmaligen und außergewöhnlichen Stimmen wie die Faust aufs Auge und lassen Black Thought fast schon wie ein Nebendarsteller da stehen, wobei er sich natürlich auch keine Blöße gibt. John Legend begegnet uns sowohl auf „Doin‘ It Again“, eine Art Fortsetzung seines Songs „Again“, und auf „The Fire“. Beide kombinieren selbstbewusste und kraftvolle Texte vom Roots Frontmann mit melodischen, von R&B geprägten Instrumentals und den eingesungenen Parts von Kanye West’s Entdeckung John Legend. Wer Gefallen daran gefunden hat, der kann sich bereits auf den Herbst freuen, denn da soll ein gemeinsames Album von Legend und den Roots mit dem Titel „Wake Up!“ in die Läden kommen. Was bis hier alles so harmonisch geklungen hat, wird mit dem Ende bedauerlicher Weise komplett zerstört. „Web 20/20“ heißt der Übeltäter, der unmelodisch und sehr elektronisch vor sich hin poltert und schon früh die Nerven strapaziert. Auch „Hustla“ kann man nicht mehr gerade als das Gelbe vom Ei bezeichnen, da es aber nur als Bonus Track gelistet wird, fällt das nicht so schwer ins Gewicht.

Sie haben es mal wieder geschafft! Auch das neueste Werk der wohl besten Live-Performer im Hip Hop Sektor bietet die alte Qualität in neuem Gewand. Zwar ist „How I Got Over“ nicht perfekt, aber kein all zu großes Stück davon entfernt und schürt noch dazu Vorfreude auf „Wake Up!“. Wer die Jungs schon länger kennt, wird genau wissen, was ihn erwartet, ansonsten kann man diese Platte allen empfehlen, die auf Conscious Rap a lá Mos Def und Talib Kweli stehen.

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