Für Dich immer noch Fanta Sie von „Die Fantastischen Vier“

Küstler:
Die Fantastischen Vier
Redaktions-Wertung:
Titel:
Für Dich immer noch Fanta Sie
Release:
14. Mai 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Manchmal kann man sich schon ein wenig über die Post wundern. Es hat insgesamt 5 Tage gebraucht, bis die neue CD der Fantastischen Vier „Für dich immer noch Fanta Sie“  bei mir angekommen ist. Natürlich war ich auf das achte Studioalbum der Stuttgarter wirklich gespannt, schließlich ist das letzte Studioalbum im Jahr 2007 veröffentlicht worden. Insgesamt besitze ich neun CD’s von der deutschen Hip-Hop-Band aus Stuttgart. Ich sollte anmerken, dass sogar das erste Album einen Platz auf meinem iTunes gefunden hat. Die Zeiten, wo sich Fanta Vier noch mit RHP um den Titel des besten deutschen Sprechgesangs gestritten hat, sind schon lange vorbei. Der Sieger aus dem Battle steht schon geraumer Zeit fest.

Wie bei jedem bisherigen Longplayer zeigen Fanta Vier auf „Für dich immer noch Fanta Sie“ wieder einmal auf, wie verwandlungsfähig sie sind und dass sie sich ständig weiterentwickeln. Verschwörungstheoretiker könnten übrigens ihre wahre Freude an diesem Album haben. Und dann gibt es da noch die Esotheriker, welche sicherlich im Booklet versteckte Botschaften finden könnten. Manche würden es allerdings nur als Kunst bezeichnen.

„Für dich immer noch Fanta Sie“ erscheint bitterböse und gemein, aber auch ein wenig ironisch. Wer ein wenig hinter die Texte blickt, kann ein paar Gesellschaftskritische Zeilen entdecken, deren Auslegung jedem selbst überlassen wird.

Den Anfang macht der Titel „Wie Gladiatoren“. Im Gleichschritt beschreiben die Vier mal wieder ihre bisherigen Erfahrungen im Musikbusiness. Mit „Dann mach doch mal“ nimmt die Band die ewige deutsche Jammerei aufs Korn. Jeder kann immer alles besser und die Antwort der Fanta Vier heißt einfach: „Dann mach doch mal“. Sollten die Bemühungen eines jeden Einzelnen daneben gehen, haben die Stuttgarter direkt eine Antwort im nächsten Lied „Gebt uns ruhig die Schuld“ gefunden. Schließlich muss es immer einen Schuldigen geben, wenn man von eigenen Fehlern ablenken will.

„Für dich immer noch Fanta Sie (Teil I) “ bietet ein tolles Wortspiel. „Fanta Sie“. Weiteres bleibt hier erstmal unkommentiert. „Junge trifft Mädchen“  ist sicherlich vom Text hervorragend geschrieben, aber das ist auch das einzig Gute. Der Sound ist einfach nur nervig und „Gar nicht so toll“. Der Track „Garnichtsotoll“ brilliert da schon eher und kann für Zuhörer in einer depressiven Lebensphase als Hymne auserkoren werden.

Selbstverständlich darf ein Song über S.M.U.D.O. nicht fehlen. „Smudo in Zukunft“ bringt gute Laune und könnte glatt von einem Gospelchor gesungen werden. Das Grinsen konnte ich mir in den 3:02 Minuten nicht verkneifen.

Denken die Fantastischen Vier etwa ihre Musikkarriere zu beenden? Zumindest könnte der Zuhörer nach dem Lied „Danke“ den Eindruck erhalten. Das Smudo, Thomas D., Michi Beck und Andy Y. nicht mehr die Jüngsten sind, ist allgemein bekannt. Aber Mick Jagger und Carlos Santana sind auch im hohen Alter international erfolgreich.

Assimilierung und Widerstand zwecklos? Haben die Fantastischen Vier zuviel Star Trek geschaut? Wie war das noch einmal mit dem ersten Kontakt?  Die angepriesene „Lösung“ lassen die Stuttgarter im gleichnamigen Titel offen. Aaaaah! Vielleicht kommen die Vulkanier auf eine Tasse Tee vorbei?

Wer etwas dagegen hat, soll die „Schnauze“ halten. Ist das ein Track, der die mediale Wahrhaftigkeit unter die Lupe nimmt? Oder geht es eher darum, die Gleichgültig der Menschheit anzuprangern? So genau weiß man das nicht. Etwas seltsam ist auch „Für immer zusammen“. Bis heute habe ich nicht verstanden, wer eigentlich gemeint ist. Nicht weniger strange ist „Für dich immer noch Fanta Sie (Teil II)“. Michi Beck hat auf diesem Album wie so oft die Bereitschaft zu zeigen, dass er hin und wieder nicht so ganz klar kommt. Ähnlich wie bei „Michi Beck in Hell“ auf 4:99 weiß er in „Das letzte Mal“ nicht, was er die letzte Nacht gemacht hat.

Der Song „Kaputt“ ist wirklich kaputt und lässt nach mehrmaligem Hören, mit Erschrecken erkennen, wie das Seelenheil mancher Erdenbewohner sein muss. Krasser Sound, aber genialer Text. Als die ersten Sekunden von „Mantra“ anliefen, erinnerte ich mich an „Millionen Legionen“ von 4:99. Auch bei „Mantra“ ist der Einfluss von Thomas D. unverkennbar. Weitere Sekunden wurde mein Eindruck zur Gewissheit. Das Lied war das fehlende Stück zum Puzzle des Albums. Beendet wird der Longplayer durch „Was wollen wir noch mehr?“. Sicherlich nicht einer der besten Titel auf dem Album, aber immerhin ehrlich gemeint. Kommt da noch was? Wir wollen mehr.

Die Musik der Fantastischen Vier hat sich weiterentwickelt und hat mit dem deutschen Sprechgesang aus den 1990er Jahren nicht mehr viel zutun. Hinzu gekommen sind Elektrobeats und ein leichter Popsound. Vielfältig und bunt. Für jeden Fan ein Muss ansonsten ein „stranger“ Kaufkandidat. Auf jeden Fall Fantastisch.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a