Eardrum von „Talib Kweli“

Küstler:
Talib Kweli
Redaktions-Wertung:
Titel:
Eardrum
Release:
17. August 2007
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

talib-kweli-eardrum-cd-bewertungendeTalib Kweli Green ist mittlerweile wohl die Galionsfigur des Conscious-Rap, noch vor ebenfalls gestandenen Größen wie Mos Def oder Common. Einfach alles was er anpackt wird zu Gold, egal ob bei seinem Debüt „Black Star“ oder seinem aktuellen Werk „Eardrum“. Lyrisch gewohnt stark, also ohne Posereien mit Autos oder dummen Androhungen mit Waffen, sondern über die Probleme des alltäglichen Leben rappt Talib zu den Beats von Hi-Tek, Just Blaze, Madlib, will.i.am, Pete Rock, DJ Khalil und vielen, vielen weiteren. Auch die Gästeliste liest sich nicht schlecht. Neben Leuten wie Jean Grae oder Kanye West, die man hier ja schon erwartet, finden sich auch einige kleine Überraschungen. An erster Stelle stehen hier natürlich Norah Jones und Justin Timberlake, aber auch UGK, Raheem DeVaughn, Sizzla, Lyfe Jennings oder Oldie KRS-One mischen kräftig mit und gestalten „Eardrum“ damit sehr interessant und abwechslungsreich.

Nach dem ruhigen, dennoch sehr aufregenden Introsong „Everything Man“ bekommt man mit dem „NY Weather Report“ ein erstes kleines Meisterwerk geboten. Auch dieses Lied beginnt ruhig, steigert sich dann aber immer weiter, wird durch akustische Instrumente Streicher, aber auch durch Scratches von Altmeister DJ Jazzy Jeff zum emotionalen Klangerlebnis, wozu uns Talib in großartiger Manier über das Leben im Big Apple aufklärt. Just Blaze ist ja eher für krachende Beats bekannt, doch mit „Hostile Gospel Pt. 1 (Deliver Us)“ liefert er eine echte Überraschung. Sehr melodisch, mit schönem Klavierspiel und einem Gospel-Chor, der viel Soul versprüht, dazu ein Kweli in Höchstform – das ist Hip Hop wie er im Buche steht. Der zweite Teil, also „Hostile Gospel Pt. 2 (Deliver Me)“ ist als Bonus Track aufgeführt und daher am Ende zu finden. Auch er ist sehr melodisch, geht allerdings ein bisschen in Richtung Blues und Jazz, wozu auch ein Dancehall Künstler wie Sizzla gut passt.

Eine weitere echte Soundbombe bekommt man mit dem Hit „Country Cousins“. Der Song sprüht nur so von funky Elementen, ist ein wahrer Genuss, der ohne Ende groovt. Als Gäste holte sich Talib hier die Texas Veteranen UGK und Newark Soul-Sänger Raheem DeVaughn mit ins Boot, die ihn tatkräftig dabei unterstützen, diese Bombe entstehen zu lassen. Ab hier folgt leider eine kleine Schwächephase von drei Songs. Auch wenn Talib bei „Holy Moly“, „Eat To Live“ und „In The Mood“ lyrisch überzeugen kann, machen die Lieder aufgrund der recht langweiligen musikalischen Untermalung nicht all zu viel Spaß. Besonders die Kanye West Produktion „In The Mood“ ist sehr enttäuschend. Eindeutig besser wäre da die ungewöhnliche Kollabo mit Pop-Sängerin Norah Jones. Ihre Stärke sind ja die ruhigen und gefühlvollen Tracks und auch genau das ist es, was man mit „Soon The New Day“ geboten bekommt. Producer Madlib griff hier ganz tief in die Trickkiste und zauberte einen Song, der sofort zum Träumen einlädt, durch seine vielen Instrumente sehr angenehm und eingängig ist und durch Norah Jones‘ wunderschönen Gesang zu einem der besten Songs des Albums wird.

Etwas bedrückend, aber auch kraftvoll und energiegeladen wirkt „More Or Less“, bei dem auf harte Bassschläge und imposante Hintergrundgesänge gesetzt wird, wozu Talib mal nicht locker und lässig, sondern bissig und motiviert mit seinen Verses drüber geht. „Hot Thing“ dreht sich um das wohl schönste Thema der Welt: Frauen! Hierfür sicherte sich Kweli die Hilfe von will.i.am, der sowohl die Produktion, als auch einen lyrischen Teil übernahm. Aufgrund seiner straffen Basslines und der ganzen fröhlichen Elemente, die besonders durch Bläser entstehen, eignet sich dieses Lied als einziges von „Eardrum“ richtig gut zum Tanzen. Wohl das Highlight für jeden Rap-Liebhaber sollte „The Perfect Beat“ darstellen. Wie der Name schon sagt, bekommt man es hier mit sehr dominatnen und taffen Beats zu tun, aber auch mit zwei Meistern ihres Fachs, nämlich Talib Kweli und KRS-One, die hier alle Erwartungen erfüllen. Nach dem eher Soul lastigen „On My Stars“ (feat. Musiq Soulchild) und dem dynamischen „Listen!!!“ erreicht man mit „The Nature“ den tollen Ausklang eines tollen Albums. Die Besonderheit hier liegt wohl hauptsächlich in Justin Timberlake, den man auf einem solchen Album zwar nicht wirklich erwartet, der aber tatsächlich sehr gut mit Talib Kweli harmoniert und ein sehr angenehmer Track dabei rauskam.

Wie auch auf seinen älteren Werken zeigt Talib Kweli auf „Eardrum“, dass er nach wie vor der Alte ist und lebt seine Liebe zur Musik wieder richtig aus. Leider gibt es einige kleinere Durchhänger, die dieses Album den Titel Meisterwerk kosten, doch der echte Musikliebhaber wird sich davon nicht stören lassen und einfach genießen. „Eardrum“ ist mehr als einfacher Hip Hop, es ist Kunst und daher eigentlich für jeden zu empfehlen.

Verwandte Artikel

  • Keine verwandten Artikel gefunden

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a